Lokalsport

„Wie ein Vulkanausbruch“

VfL-Handballer feiern Landesligaaufstieg bis spät in die Nacht

Selten zuvor gab ein Remis Anlass zu so viel Freude – bis spät in die Nacht haben die VfL-Handballer am Sonntag nach dem 26:26 in Neuhausen den vorzeitigen Titelgewinn in der Bezirksliga gefeiert. „Die Emotionen sind rausgekommen wie bei einem Vulkanausbruch“, beschreibt VfL-Coach Ralf Wagner die ersten Momente nach Spiel­ende. Neben den Planungen für die große Aufstiegssause nach dem Heimspiel gegen Denkendorf am kommenden Samstag wird hinter den Kulissen auch schon eifrig am Landesligakader gebastelt – mit erstem Erfolg.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Der kluge Mann baut vor – bereits am vergangenen Donnerstag hat Ralf Wagner bei seinem Chef für Montag Urlaub eingereicht. Ein weiser Entschluss des VfL-Handballtrainers. Schließlich wurde es nach dem 26:26-Zitterremis in Neuhausen, das den Kirchheimern einen Spieltag vor Saisonschluss vorzeitig das Ticket in die Landesliga sicherte, noch richtig spät. „Der harte Kern war noch bis um 2 Uhr morgens in Kirchheim feiern“, so Pressewart und Linksaußen Marc Pradler, der im Gegensatz zu seinem Trainer und vielen Teamkollegen gestern Morgen wieder pünktlich auf der Matte zum Malochen stand. „So weit ich weiß, hat die halbe Mannschaft Montag freigenommen“, lacht Wagner.

Dabei war es dem 40-Jährigen am späten Sonntagnachmittag zunächst gar nicht zum Lachen zumute. Grund: Das Auftreten seiner Mannen in der Neuhausener Egelsee-Halle. „Wir haben nicht gut

gespielt, haben uns nicht gut auf den Gegner eingestellt“, analysiert er die Partie, die für den VfL eine größere nervliche Belastung war als gedacht.

Dass der Tabellenführer auf den Fildern strauchelte, aber nicht stürzte, war nicht zuletzt Torwart David Pisch zu verdanken. Der 18-Jährige sicherte dem VfL Sekunden vor der Schlusssirene mit einer Parade gegen den zuvor so treffsicheren Neuhausener Alexander Götz das entscheidende Remis. „Das Spiel war so abrupt zu Ende, ich konnte das zuerst gar nicht realisieren“, schildert Ralf Wagner, „aber dann sind die Emotionen rausgekommen wie bei einem Vulkanausbruch.“ Passend dazu begrub eine blau-gelbe Spieler-Lava Kirchheims Matchwinner Pisch unter sich – die VfL-Freude kannte keine Grenzen und wurde bei einem gemeinsamen Essen im Kirchheimer Teckkeller noch zünftig begossen.

Und wie geht‘s weiter beim frisch gebackenen Landesligisten? Nach entspannter Trainingswoche (Wagner: „Am Donnerstag wollen wir nur ein bisschen kicken“) wird‘s am kommenden Samstag nach dem Auftritt zu Hause gegen den TSV Denkendorf (Spielbeginn 20 Uhr) die große Aufstiegssause geben. „Da sind alle VfL-Mannschaften mit dabei“, freut sich Marc Pradler, der nicht zuletzt wegen eines verbilligten Catering-Angebots („Speisen und Getränke soll‘s für 50 Cent geben“) und einer Sektbar auf eine proppenvolle Walter-Jacob-Halle hofft. Bei einem Sieg würde der VfL die Saison übrigens als zu Hause ungeschlagen beenden – Ansporn genug für die Mannschaft. „Wir wollen

den Sieg nicht herschenken“, so Pradler.

Wie in Aufstiegsfällen üblich, haben die Kirchheimer eigens Meisterschafts-Trikots in Auftrag gegeben. Allerdings der ganz besonderen Art, denn die T-Shirts ziert der Aufdruck „O(h)wen schlagen wir als Nächstes“ – augenzwinkernde VfL-Vorfreude auf die Lokalduelle mit dem TSV Owen, der am Wochenende endgültig aus der Württemberg- in die Landesliga abgestiegen ist.

Neben den Herzogstädtern geht‘s für den VfL kommende Saison unter anderem auch gegen die Nachbarn SG Lenningen und TSV Grabenstetten. „Auf diese Spiele freuen wir uns natürlich ganz besonders“, sagt Ralf Wagner, der sein Team bis zu Saisonbeginn im Herbst landesligatauglich(er) machen will. „In dieser Saison haben wir einige knappe Spiele für uns entschieden, die du so in der Landesliga nicht gewinnst“, warnt Wagner, der bereits mit potenziellen Neuverpflichtungen in Kontakt getreten ist und auch schon einen Vollzug vermelden kann: Von Bezirksklasseaufsteiger TG Nürtingen II kommt mit Florian Schicht (22) ein Mann für die linke Seite, der „viel Power hat und uns sicher weiterbringen kann“, wie Wagner sagt. Größte personelle Baustelle ist jedoch die zentrale Position, die Spielmacher Roman Keller (einjähriger Auslandsaufenthalt) hinterlässt. Bis Vorbereitungsstart im Juni soll dem Abhilfe geschaffen werden.