Lokalsport

Wie hungrig sind die Wölfe?

Play-off-Finale: Die Knights gehen als Außenseiter ins Finale gegen den MBC – Poropat-Team vom Druck befreit

Es ist ein würdiges Finale, darüber sind sich alle Experten einig. Mit dem MBC und den Kirchheim Knights stehen sich morgen Abend um 20 Uhr in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte die beiden besten Teams der Saison gegenüber. Der Kampf um die Meisterkrone in der zweiten Basketball-Bundesliga Pro A wird sich am Sonntag im Rückspiel (17 Uhr) in Weißenfels entscheiden.

Kirchheim. Verabschiedet sich der MBC mit dem Meistertitel im Gepäck in Richtung BBL oder bescheren die Knights ihren Fans das Wunder? Das Fahrstuhl-Team aus Weißenfels, das nach dem Abstieg vor einem Jahr zurück kehrt in die erste Liga, gilt am Wochenende jedenfalls als klarer Favorit auf den Titel. Oder etwa nicht? Dem MBC traut man diese Rolle zu, ansonsten scheint das Wort in einer Saison voller Überraschungen etwas aus der Mode gekommen zu sein. Als Favorit wird man als Mannschaft nicht geboren. In die Rolle muss man hinein wachsen. Keinem Team ist dies in den vergangenen Jahren besser gelungen als den Kirchheimern. Der Lohn dafür: Respekt. Selbst von einem Gegner, der in bisher 32 Spielen nur ganze sechs Mal als Verlierer vom Feld gegangen ist. Wollte man als Favorit nach Kirchheim reisen, hätte man deutlich früher aufstehen müssen. Diese Meinung hat MBC-Coach Silvano Poropat in dieser Saison wohl kaum exklusiv. Kirchheim könne zuhause jede Mannschaft schlagen. Damit meint Poropat auch den MBC.

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Es ist mehr als das übliche Geplänkel oder die betriebsmäßigen Höflichkeitsfloskeln vor dem Spiel. Die Vorsicht ist begründet. Zwar weiß jeder, dass ein Aufstieg ohne Titel als Makel gilt, doch die ganz heiße Luft beim MBC ist erstmal raus. Silvano Poropat spricht deshalb zu Recht von einer schwierigen Situation. „Unser klares Ziel hieß Aufstieg. Damit haben wir uns selbst von Beginn an enorm unter Druck gesetzt,“ sagt der Coach. Vergangenen Samstag in Crailsheim hat sich dieser Druck mit einem Höllenschlag entladen. Ein Wolfsrudel außer Rand und Band teilte sich in der Hakro-Arena unter lautem Geheul die Beute. Der Heimweg mit mehreren Zwischenstopps wurde zum reinen Triumphzug. Nach Weißenfels, wo zuvor noch Feuerwerk den Nachthimmel erleuchtet hatte, kehrten Mannschaft und Fans erst um vier Uhr in der Früh zurück. Die Euphorie in der 40 000-Einwohner-Stadt in Sachsen-Anhalt ist gewaltig und Poropat wäre der Letzte, der seinen Jungs diesen Genuss nehmen wollte. Was das für Freitag heißt? „Die Mannschaft ist professionell genug, um zu wissen, worum es am Wochenende geht,“ sagt er. Er kennt aber auch die Gefahren: „Kirchheim spielt mit unheimlich viel Herz und sie haben ein paar richtig gute Zocker.“

Das Finale ist nicht nur das Duell der beiden besten Teams in der Pro A, es ist auch das Aufeinandertreffen zweier Freunde an der Seitenlinie. Der Serbe Ignjatovic und der Kroate Poropat schätzen sich fachlich wie auch menschlich – nicht erst seit dieser Saison. Der eine hört auf den Rat des anderen, man begegnet sich mit großem Respekt. Poropat, der gerade seinen Abschied in Ludwigsburg nahm, als Ignjatovic unter die Teck wechselte, sagt: „Frenkie hat sich den Erfolg in Kirchheim hart erarbeitet. Ich hätte ihm den Aufstieg gegönnt.“

Morgen werden solche Sympathien vier Viertel lang in den Hintergrund rücken. Poropat, der seine Jungs gestern noch im Kraftraum schwitzen ließ, kann auf seine stärkste Formation setzen. Zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison, nachdem der Ex-Kirchheimer Phillipp Heyden nach überstandener Oberschenkel-Verletzung vergangenen Samstag sein Comeback unterm Korb gab. Der MBC ist zweifellos das homogenste Team der Liga, auf hohem Niveau. Fast die gesamte Mannschaft ist in der Lage, zweistellig zu punkten. Spieler wie Arizona Reid, Whit Holcomb Faye, John Hinnant oder Jordan Collins machten in den bisherigen Play-off-Begegnungen den Unterschied aus. Hinzu kommt das physische Übergewicht des Gegners aus dem Osten.

Zumindest einmal in der zurückliegenden Saison hatten die Knights den Aufsteiger am Rande einer Niederlage. Ohne den verletzten Spielmacher Ahmad Smith war man beim 82:92 im März in Weißenfels bis in den Schlussminuten noch dran. „Wir werden unserer stärkste Leistung brauchen“, sagt Frenkie Ignjatovic, der wie sein Kollege auf die komplette Mannschaft bauen kann. „Die Jungs können das schaffen.“ Doch jeder Optimismus hat Grenzen: Auf Pläne für eine Meisterfeier hat man in Kirchheim jedenfalls verzichtet. Stattdessen gibt es am Samstag ein bescheidenes Gartenfest mit Spanferkel vom Grill als Dankeschön an die Mannschaft. Vielleicht setzt dies ja Kräfte frei.

Landen die Knights tatsächlich den großen Coup und holen den Meistertitel der Pro A nach Kirchheim? Machen Sie mit bei der Online-Umfrage auf der Sportseite unter www.teckbote.de. Das Ergebnis gibt‘s in der Montagsausgabe.

Schatten über dem Finale

Der tragische Unfalltod von Klaus Lenhart überschattet auch das Play-off-Finale morgen in Kirchheim. Der Leki-Chef, der am Montag im Alter von 56 Jahren mit seiner Kunstflug-Maschine abstürzte, galt nicht nur als einer der wichtigsten Förderer des Basketballsports in Kirchheim, Klaus Lenhart war auch begeisterter Fan hinter der Mannschaft. Zum ersten Mal in der Endrunde wird sein Stuhl am Spielfeldrand am Freitagabend leer bleiben. „Wir verlieren mit ihm nicht nur einen wichtigen Sponsor und Förderer unseres Sports hier in Kirchheim. Wir verlieren vor allem einen außergewöhnlichen Menschen“, sagt Knights-Sprecherin Bettina Schmauder. Vor dem morgigen Spiel soll es eine Schweigeminute zum Gedenken an Klaus Lenhart geben.bk