Lokalsport

Wie Inlineskaten im freien Gelände

Die Fun-Sportart „Skiken“ ist gelenkschonend und eine Fitness-Alternative für Jung und Alt

Max Pradler

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Wernau. Der Kies knattert unter den Füßen, der schulterhohe Stock schabt am Boden entlang. Die meisten Spaziergänger am Neckar blicken fragend herüber. „Was machen denn die? Das sieht ja aus, als würde man Ski fahren“, geht wohl in ihren Köpfen um.

Im Grunde genommen ist skiken nichts anderes als Skilanglauf ohne Schnee. Was? Skiken? Genau, diese neue Sportart (ausgesprochen skaiken) setzt sich aus dem Wort „Skate“ und „Bike“ zusammen. Die einzige lizensierte Trainerin im Kreis Esslingen, Ina Zweigle, stieß vor vier Monaten auf die neue Fun-Sportart. „Doch schon nach meiner ersten Schnupperstunde war ich hin und weg“, erzählt die 47-Jährige begeistert, „das tolle daran ist, dass skiken ein Sport für jedermann ist.“ Da hat sie Recht: Es sind durchaus nicht nur Sports­kanonen, die skiken für sich entdeckt haben, sondern ganz „normale“ Menschen jeden Alters, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen, sogar total Ungeübte, für die es der Einstieg in eine neue sportliche Betätigung ist. Nicht nur Herz und Kreislauf werden beim skiken trainiert, vielmehr werden auch Gelenke, Bänder und Sehnen geschont.

Wenn die 47-jährige Wernauerin mal nicht gerade im Ski- und Snowboardverein Wernau Kurse in Nordic Walking oder Fitnessgymnastik leitet, so ist sie auf ihren Skikes unterwegs. Zum Beispiel auf dem Neckarradweg in Wernau, wo sie ihre Schnupperkurse für Skike-Anfänger gibt, oder auf einer frisch betonierten Straße, einem Schotterweg, oder einem kleinen Hügel. An solchen Orten findet man alles, um sich die nötige Technik anzueignen. Besonders geübt werden muss das Bremsen. Mit der richtigen Methode gilt es, den Bremsbacken am hinteren Reifen zum Wirken zu bringen. „Den Po raus und die Arme nach vorne schwingen. So bleibt man ohne Probleme im Gleichgewicht“, gibt die Trainerin vor. Selbst bei großem Gefälle hat man mit diesem Bremssystem nicht eine Sekunde lang ein ungutes Gefühl. Kein Wunder: „Es wurde getestet, dass man bei einer Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern nach circa einem Meter zum Stehen kommt,“ sagt Ina Zweigle – das entspricht den Werten einer guten Fahrradbremse.

Nach den ersten Metern merkt man deutlich den Unterschied zum Inline-Skaten. Denn ein echter Stockeinsatz gehört bei den Ersatz-Skiern dazu. Dadurch wird die Oberkörpermuskulatur stark beansprucht und 90 Prozent aller Muskeln sind im Einsatz. Mit dem dazu gehörigen Skating-Laufschritt bewegt man sich nun mit den Sommer-Skiern (jeweils 1,9 Kilogramm schwer) elegant voran. Allerdings müssen vor dem ersten Fahren die Skikes angepasst werden. Eine X- und O-Beinstellung ist korrigierbar, sodass problemlos eine gerade Spur gefahren werden kann. Ein Starkklettverschluss gibt dem Fuß festen Halt, ein Umknicken wird verhindert. Fahrbar sind Skikes am besten mit Sport- oder Wanderschuhen. Falls man die Skikes unterwegs einmal abschnallen möchte, bedeutet dies, dass man keinen Schuhwechsel vornehmen muss. Besonders vorteilhaft ist dies bei Skike-Wanderungen („skike and hike“). Dass die Rollski außer bei Wanderungen abgeschnallt werden, scheint eher unwahrscheinlich. Der große Vorteil des Sportgeräts ist, dass man auch überall dort fahren kann, wo ein Mountainbike hinkommt: beispielsweise auf Wald- und Schotterwegen. Selbst bei nasser Fahrbahn ist skiken aufgrund des Profils der Gummireifen weitgehend ohne Risiko.

Erfunden haben es übrigens nicht die Schweizer, sondern ein Österreicher. Otto Eder hatte 1997 die Idee, Inliner geländetauglich zu machen. Seitdem modernisiert der Sarleins­bacher (Oberösterreich) seine Erfindung fast jährlich und bringt immer wieder neue Modelle auf den Markt. Zurzeit kostet eine Komplettausrüstung (Skikes, Schoner und Stöcke mit einer Doppelspitze) ungefähr 330 Euro.

„Jedoch sollte man vor dem Kauf von Skikes einen Schnupperkurs besuchen. Nur dort lernt man, die ganzen nötigen Einstellungen richtig anzupassen“, empfiehlt Ina Zweigle.

Kontakt: Ina Zweigle, Telefon 0 71 53/3 02 53. Eine Schnupperstunde kostet 15 Euro, ein dreistündiger Kurs 60 Euro.