Lokalsport

"Wir haben es verschenkt"

Wohl nur noch rechnerisch sind die Chancen der Kirchheimer Basketballer auf die Aufstiegsrunde. Nach dem äußerst unglücklichen 85:86 (77:77; 45:30) n.V. beim SSC Karlsruhe müssen die Knights jetzt Charakter zeigen.

KARLSRUHE Kein Zweifel: Das war ein tolles Spiel. Beim mit viel Spannung erwarteten Spitzenduell der Regionalliga Südwest/Süd des Zweiten gegen den Dritten hatten alle, die sich für den Besuch der Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums entschieden hatten, das richtige Näschen. Es waren gut 300, für Karlsruher Verhältnisse sehr viel, die die schmalen Tribünen bevölkerten, sicherlich über 100 davon aus der Teckstadt. Sie sahen ein extrem intensives Match, zwei völlig unterschiedliche Hälften, eine hochdramatische Schlussphase und eine Zuspitzung in der Verlängerung, die das Zeug zum Klassiker hatte.

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Doch ganz von vorn. Nach dem Austausch einiger Körbe zu Beginn (7:8, 3.) fanden die Knights zuerst ihren Rhythmus. Unterstützt durch eine wirklich unglaubliche Defensiv-Leistung, bei der alle an die Grenze ihrer Energiereserven gingen, traf der VfL auch vorne immer öfter die richtigen Entscheidungen. Nach dem 11:12 (5.) gestattete man den Hausherren acht Minuten lang keinen Feldkorb mehr und zog 27:13 (13.) davon. Wieder fünf Minuten später stand es 42:22 (18.), und es fällt schwer, sich an eine ähnlich hochklassige Leistung zu erinnern.

Die allerdings keinesweg fehlerfrei war. So vergaben einmal nacheinander Bill Goehrke und James Hayden zwei Korbleger, Nenad Lukic einen völlig offenen Mitteldistanzwurf und Ross Jorgusen zwei Freiwürfe acht leichte Punkte, die die Beerdigung Karlsruhes verhinderten. Dann foulte Jorgo Tsouknidis noch zweimal Georg Vengert beim Dreipunktewurf, der traf alle sechs Freiwürfe zur Pause stand es zwar 45:30, die frappante Überlegenheit des VfL drückte dies aber nur unzureichend aus.

Allen war trotzdem klar: Dieses Niveau war nicht zu halten. Man durfte nur nicht zu tief darunter fallen. Tat man aber. Den vier Ballverlusten in den kompletten ersten 20 Minuten fügte Kirchheim vier weitere in 150 Sekunden nach dem Wechsel hinzu. Das baute den SSC natürlich auf, ebenso die jetzt plötzlich etwas einseitigen Entscheidungen des Leimener Schiedsrichters Möll.

So kam Karlsruhe immer näher, obwohl sich die Knights heftig wehrten. 45:35 (22.), 55:45 (28.), 55:52 (29.), das waren die Stationen, bevor Ross Jorgusen, weil er beim Verzweiflungswurf von der Mittellinie gefoult worden war, mit drei Freiwürfen das 58:52 vor dem vierten Viertel schaffte.

Da traf der VfL nach einem Hayden-Korbleger fünf Minuten lang nur Dreier: Dreimal der viel zu oft vernachlässigte Kai-Uwe Kranz, dann Jorgusen nur durch diese vier Distanzwürfe hielt der VfL den Abstand (72:63, 36.). Diese neun Punkte Vorsprung hatten auch beim 76:67 (37.) noch Bestand, doch dann wurde es bitter. Die Einzelaktionen, auf die sich der VfL nach der Pause verließ, verpufften wohl eine Folge der Müdigkeit. Karlsruhe kam auf 76:74 heran (39.) und ausgerechnet Thorsten Kustos, den Kranz äußerst effektiv beharkt hatte und der bis dahin nur einen von sieben Dreiern getroffen hatte, versenkte einen Distanzwurf zur ersten SSC-Führung seit der 3. Minute 15 Sekunden vor Schluss. Doch im Gegenzug wurde Jorgusen gefoult, traf den ersten Freiwurf zum 77:77 und vergab den zweiten: Verlängerung.

Da zollte der VfL noch mehr seiner Intensität Tribut, geriet 77:84 in Rückstand (43.). Jorgusen und Hayden verwarfen dazu noch Freiwürfe (79:84, 44.). Jetzt konnten nur noch Glücksdreier helfen Jorgusen und Kranz lieferten sie. Letzter Angriff Karlsruhe: Kustos dribbelt die Uhr herunter. Er wirft. Daneben. Doch Christian Gundlach angelt sich den Rebound, wirft den Ball Richtung Hallendecke, der flutscht durch den Ring. Aus. Ein enttäuschter Theo Leftakis: "Wir haben es verschenkt."

mad

VfL: Bruck (nicht gespielt), Bouwmeester (2), Goehrke (8, 15 Rebounds), Hayden (12), Jorgusen (30/3, 7 Ballgewinne), Kikic (n.g.), Kranz (24/6), Lenger (2), Lukic (2), Stifel (n.g.), Tsouknidis (5/1), Weiß (n.g.).SSC: Dodic (1), Tomic, Vengert (20), Kustos (13/2), Tafra (11/1), Gundlach (10), Rudolph (10/2), Nobbe, Coric, Zrno (2), Diarra (19, 11 Rb.)Fouls: 25 (VfL), 23 (SSC).Freiwürfe: 15:26/58% (VfL), 26:33/79% (SSC).Schiedsrichter: Vukic (Böblingen) und Möll (Leimen) hatten ihre Probleme mit dem Spiel.Zuschauer: 300.