Lokalsport

"Wir steigen auch in dieser Saison nicht ab"

Trainerfrage, Verpflichtung der beiden Neuzugänge Patrick Gühring (TSG Balingen) und Jader Aparecido Moreira (26), Verbandsliga-Vorbereitung: Trotz Winterpause hatten die führenden Köpfe der VfL-Fußballabteilung in den letzten Tagen und Wochen einiges zu tun. Nach der verkorksten Hinrunde gibt's neue Hoffnung.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Fünf Niederlagen in Folge, 7:14 Tore, Absturz auf Abstiegsrang 14 eine Bilanz, die keine Freu(n)de macht. VfL-Trainer Michael Rentschler hat die Folgen der Kirchheimer Minusserie im Winter mit der 2:3-Niederlage am 27. November im Kellerduell bei Schlusslicht SV Böblingen als Höhepunkt zu spüren bekommen: Lautstark forderten manche zwischendurch schon mal seinen Kopf. Dass Rentschler auf der Bank sitzt, wenn der VfL in Ditzingen (18. 2.) den Verbandsligastart 2006 bestreitet, hat er auch einer starken Spieler-Lobby zu verdanken.

Eine improvisierte Kabinen-Umfrage vor wenigen Wochen brachte es an den Tag: "80 Prozent unserer Verbandsligaspieler stehen hinter Michael Rentschler", wie Abteilungsleiter Winfried Scholz ("teilweise haben wir zum Thema Trainer auch Einzelgespräche geführt") erfuhr. Zu den Rentschler-Befürwortern zählten naturgemäß nicht die unzufriedenen VfL-Bankdrücker wechselwillige Cracks wie Heiko Eberhardt (inzwischen folgerichtig zum TSV Köngen transferiert) und Antonino Singh, den TSG Zell und TG Kirchheim auf ihren Wunschlisten haben. Dafür votierten beim Stimmungstest all jene pro Rentschler, die ebenso wie Ex-Profi Thorsten Raspe (36) "sehr gute Trainerarbeit für Verbandsligaverhältnisse" in den Übungs- und Spieleinheiten der Hinrunde gesehen hatten.

"Michael Rentschler hat etliche der jungen VfL-Spieler weitergebracht", sagt Raspe, der als Zweitbundesligaspieler der Stuttgarter Kickers auch schon unter den Größen Reiner Zobel und Dragoslav Stepanovic ("Lebbe geht weida") trainiert hatte. Raspe: "Das VfL-Problem ist nicht der Trainer, sondern die Abwehrarbeit. Die Mannschaft kassiert eindeutig zu viele Gegentore." Exakt 2,33 waren's in den 18 bisherigen Saisonpartien im Schnitt, nur die Spieler von Schlusslicht FC Eislingen (2,83) fischten den Ball noch öfter aus dem eigenen Netz.

Geht's nach dem Willen der VfL-Verantwortlichen, dann gehen die zum Vorrundenschluss desillusionierten Fans in den 14 VfL-Restspielen 2006 nicht mehr durchs Tal der Tränen. "Wir werden den Klassenerhalt schaffen", prophezeit Norbert Krumm, Sportlicher Leiter und Rentschler-Intimus, "das Potenzial dazu hat die Mannschaft." Was aber, wenn nach Saisonende (27. Mai) doch der Abstieg folgt? "In diesem Fall", beschwört Winfried Scholz ein düsteres Szenario, "spielen wir wohl bald in der Bezirksliga, weil das VfL-Modell zusammenbricht." Ein sechsstelliger Schuldenberg wäre in der siebten Spielklasse nur schwer zu stemmen.

Damit der Worst Case keine Konturen bekommt, haben die "Blauen" reagiert: Mit dem 26-jährigen brasilianischen Mitteldfeldspieler Jader Aparecido Moreira und Torwart-Rückkehrer Patrick Gühring (TSG Balingen) kamen zwei hoffnungsfrohe Neuzugänge unter die Teck, und ein weiterer ist nicht ausgeschlossen. Abwehrspieler Marko Lovric (nach Kreuzbandriss) und Guido Fuchs (nach Muskelbündelriss) schlüpfen nach längeren Verletzungspausen zum VfL-Trainingsauftakt (16. Januar) auch erstmals wieder ins VfL-Trikot. "So gesehen gehen wir sogar mit vier Neuzugängen ins neue Jahr", sagt Krumm.

Ebenso wie Gühring, der zumindest kurzfristig wohl die neue Nummer eins vor Torwart-Youngster Norman Volber (18) werden wird, kommt der Brasilianer Jader Aparecido Moreira zum Schnäppchenpreis und ohne Wechselsperre, nachdem Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Württembergischer Fußball-Verband (WFV) schriftlich ihren Segen zum Wechsel unter die Teck bereits gaben. Linksfuß Moreiro, auf Empfehlung eines Landsmannes aus Lenningen mehrere Wochen im VfL-Probetraining getestet und mit Regisseurs-Qualitäten ausgestattet, trägt schon jetzt viele VfL-Hoffnungen. "Er ist nicht der typische brasilianische Straßenfußballer, sondern hat eher deutsche Mentalität und schlägt die langen Pässe", weiß Winfried Scholz.

Abwarten, zu was der Mann von der Copacabana in der Verbandsliga fähig sein kann. Für eines war er trotz derzeitigen Heimaturlaubes indes schon gut: der kränkelnden VfL-Mannschaft neue Perspektiven zu geben. "Mit Moreiro, Lovric, Fuchs und Gühring sind wir auf alle Fälle stärker als in der Hinrunde", sagt Scholz ("wir brauchen 40 Punkte") und ballt trotzig die Faust: "Der VfL ist in der vergangenen Saison nicht abgestiegen und wird auch in dieser Saison nicht absteigen."