Lokalsport

„Wir VfB-Fans sind ja irgendwie Masochisten“

Teckboteninterne Umfrage zum Rückrundenstart

Quo vadis, VfB? Das Schicksal des abstiegsbedrohten Fußballbundesligisten treibt auch beim Teckbote viele eingefleischte Fans um. Vor Beginn der Rückrunde schütten sechs davon ihr Herz aus. Tenor dabei: Die Roten halten die Klasse.

Teckbote-Mitarbeiter und VfB-Fans in Personalunion (v.l.n.r.): Dietmar Leibold, Martin Römpp, Bernhard Hütter, Bernd Köhle, Jörg
Teckbote-Mitarbeiter und VfB-Fans in Personalunion (v.l.n.r.): Dietmar Leibold, Martin Römpp, Bernhard Hütter, Bernd Köhle, Jörg Bächle und Deniz Calagan.

Kirchheim. Wenn für den VfB am Samstag um 15.30 Uhr gegen Mönchengladbach die Rückrunde angepfiffen wird, drückt er den Roten live in der Merzedes-Benz-Arena fest die Daumen: Personalchef Dietmar Leibold aus Jesingen tippt nicht nur auf einen 3:1-Heimsieg der Stuttgarter, sondern auch auf den Klassenerhalt am Saisonende. „Die Substanz ist vorhanden und auf Platz zehn sind es ja nur zwei Punkte Rückstand“, sagt er, der die enttäuschende Vorrunde vor allem an der schlechten Abwehrleistung festmacht. „Um das abzustellen, ist Huub Stevens ja der richtige Trainer. Ich bin überzeugt, dass die Wende kommen wird.“

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Ähnlich siehts Martin Römpp, Mediengestalter in der Anzeigentechnik und seit 30 Jahren VfB-Fan. „Absteigen werden sie nicht, dafür sind sie dann doch zu gut. Aber meine Begeisterung hat in den letzten Jahren stark nachgelassen“, macht der 44-Jährige aus Nürtingen keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Da sind Trainer zu oft zum falschen Zeitpunkt gefeuert worden, es fehlt Kontinuität.“ Folge: Obwohl sonst regelmäßiger Stadiongänger und TV-Gucker („Ich habe mir Sky nur wegen des VfB geholt“), plant Römpp in Zukunft nicht mehr um die Bundesliga herum: „Ich bin alles andere als ein erfolgsorientierter Fan, aber jetzt muss der VfB jetzt erstmal was liefern.“

Auf jeden Fall vor der Mattscheibe sitzen wird morgen Bernhard Hütter. Der Kreisligakicker des AC Catania, der beim Teckbote ebenfalls als Mediengestalter arbeitet, guckt das VfB-Spiel gemeinsam mit Spielertrainerkumpel Michel Forzano. „Der VfB verliert, ohne ein eigenes Tor zu schießen“, sagt der 24-jährige Kirchheimer, der Fan ist, seit er zum zehnten Geburtstag ein VfB-Trikot mit seinem Namen bekommen hat. An den Klassenerhalt glaubt er trotzdem. „Das wird das gleich Gegurke wie in den letzten Jahren, aber mit dem Stevens-System holen die gerade so viele Unentschieden, dass es am Ende reicht.“

Derselben Meinung ist Anzeigenleiter Bernd Köhle, der sogar Mitglied beim VfB ist. „Sie werden‘s wie immer irgendwie schaffen, aber Hurra-Fußball wirds dabei nicht geben“, sagt er, der die Ursachen für die sportliche Talfahrt im Missmanagement sieht. „Die notwendigen Investitionen sind nicht getätigt, die guten Nachwuchsspieler einfach verkauft worden.“ Den Rückrundenauftakt wird er via Liveticker am Handy verfolgen – eines ist dabei für den 52-Jährigen sicher: „Wir werden wieder leiden müssen. Wir VfB-Fans sind ja irgendwie Masochisten.“

Tausendsassa Jörg Bächle hat aus dieser Tatsache bereits Konsequenzen gezogen. „Die Nerven, die mich der VfB schon gekostet hat, brauche ich woanders. Darum ist es mir mittlerweile egal, ob die 1. oder 2. Liga spielen.“ Dennoch geht auch der 45-Jährige aus Kirchheim davon aus, dass die Stuttgarter die Klasse halten werden – des Trainers wegen. „Auf das defensiv orientierte System von Stevens zu bauen, ist richtig.“ Live vor Ort wird Bächle den VfB in der Rückrunde jedoch nicht verfolgen. „Das sehe ich bei den Kosten für eine Karte nicht ein.“

Sein Fotografen-Kollege Deniz Calagan, als Freischaffender öfter beruflich in der Merzedes-Benz-Arena bei VfB-Heimspielen, stellt sich auf knallharten Abstiegskampf mit glücklichem Ende ein. „Mit Mühe und Not steigt der VfB nicht ab. Ich hoffe, dass der Kader endlich sein vorhandenes Potenzial ausschöpft.“ Das maue Abschneiden in der Vorrunde führt der 34-jährige Kirchheimer auf die Abwehr zurück, die zu oft in den letzten 15 Minuten eingebrochen sei. Auch deshalb ist er vor dem Auftakt morgen nicht allzu optimistisch. „Im Idealfall gibt‘s ein Remis. Die Gladbacher sind zu spielstark, um sie zu schlagen.“ Fotos: Jacques (3)/Bächle (2)/Römpp (1)