Lokalsport

Wolfschlugen als Schicksalsspiel

Erst die Heimpleite gegen die SG Lenningen, jetzt die Niederlage beim Lokalrivalen in Wolfschlugen. Das Stimmungsbarometer im Lager der TG Nürtingen ist auf den Gefrierpunkt gesunken. Nach der massiven Kritik an Trainer Sinisa Mitranic hat TG- Abteilungsleiter Gerhard Deininger nun jenen Mann entlassen, der einmal sein Wunschtrainer gewesen war. Ein Paukenschlag kurz vor Weihnachten.

NÜRTINGEN Von vorweihnachtlicher Ruhe kann in der Handball-Abteilung der TG Nürtingen derzeit keine Rede sein. Die bittere Niederlage in Wolfschlugen am vergangenen Wochenende, wo die Turngemeinde vier Minuten vor Schluss noch mit vier Toren vorne lag, hat nach Aussage von Abteilungsleiter Gerhard Deininger das Fass zum Überlaufen gebracht. Der TG-Handballchef wirft Trainer Mitranic vor, in mehreren Spielen hintereinander die Punkte in letzter Minute verschenkt zu haben. Auch die Auswechslungen des Trainers sind bei der Nürtinger Fangemeinde offenbar nicht immer auf Verständnis gestoßen. Deininger: "Sein Training ist perfekt, jeder lobt ihn." Doch wenn es hektisch wird, verliert er den Überblick."

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Noch ist die Abstiegsangst nicht ständiger Begleiter der Nürtinger Mannschaft (11:13 Punkte). Ein Blick auf die Tabelle aber ruft Unbehagen hervor. Bei vermutlich zwei Direktabsteigern muss der Drittletzte (derzeit Heiningen mit 8:16 Zählern) in die Relegation. Die spielerische Substanz der Nürtinger Mannschaft müsste freilich groß genug sein, um dies vermeiden zu können. Sinisa Mitranic indes scheint geahnt zu haben, was ihn erwartet. "Das Spiel in Wolfschlugen war wohl ausschlaggebend", sagt der 37-jährige Bosnier. Dennoch hat ihn sein Rauswurf am Dienstag überrascht. "Das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk", sagt er mit bitterer Ironie, "natürlich bin ich enttäuscht." Eineinhalb Jahre erst ist Mitranic in Nürtingen. Von seiner Verpflichtung hatte man sich bei der TG Nürtingen den sportlichen Aufschwung, wenn nicht gar den Aufstieg versprochen. Dass dies nicht geklappt hat, kann nicht ausschließlich dem Trainer angelastet werden. Wiewohl die jüngsten Misserfolge nicht nur das Ergebnis falscher Auswechslungen sein können. Immerhin ist da auch noch die Mannschaft, die im Falle der TG Nürtingen zuletzt nicht immer als Einheit auftrat. "Ich habe mich immer wieder gefragt, was ich falsch gemacht habe, ohne eine Antwort zu finden", blickt Sinisa Mitranic zurück. "Es gibt keinen Trainer, der keine Fehler macht, aber ich habe nicht allein versagt."

Die aktuelle Tabellensituation, das räumt Abteilungsleiter Deininger ein, hat letztlich den Ausschlag für Mitranics Entlassung gegeben. Guter Rat ist nun teuer. "Ab 2. Januar gehen wir mit Elan auf Trainersuche", verspricht Gerhard Deininger. Sollte sich zunächst kein passender Übungsleiter finden, kann man sich bei der Turngemeinde auch einen Spielertrainer Markus Schmid als Interimstrainer vorstellen. Eine interne Lösung sei wahrscheinlich, deutet der TG-Abteilungsleiter an. Vielleicht erinnert man sich in Nürtingen aber auch an Werner Fischer: Der Neuffener Realschulrektor wurde mit Lob dereinst geradezu überschüttet als er die Nürtinger Handballer am Ende der Saison 2003/2004 von der Landesliga in die Verbandsliga führte.

nz