Lokalsport

„Wunder von Weilheim“ wird wahr

TSVW-Handballer treffen nach fulminantem Saisonendspurt in der Relegation auf Dettingen/Erms

Der (Handball-)Wahnsinn hat einen Namen: TSV Weilheim. Nach drei Siegen aus den letzten drei Partien hat sich der Landesligist auf der Saisonzielgeraden doch noch in die Relegationsspiele um den Klassenerhalt gerettet. Gegner dort ist im Hin- und Rückspielmodus der TSV Dettingen/Erms. Vor dem ersten dieser Entscheidungsspiele herrscht jedoch noch kollektives Durchschnaufen unter der Limburg.

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Peter eidemüller

Weilheim. Totgesagte leben länger. Dass dies auch im Handball gelten kann, bewiesen die Landesligaballwerfer des TSV Weilheim in den vergangenen Wochen in eindrucksvoller Manier. Nach der 28:32-Schlappe beim TSV Alfdorf am 9. März hätte wohl kaum jemand einen Pfifferling auf die Möglichkeit des Weilheimer Ligaverbleibs gewettet. Mit elf Punkten lag die TSVW-Sieben damals mit dem Wissen auf dem vorletzten Tabellenplatz, sämtliche Partien bis Saisonende gewinnen zu müssen, um wenigstens noch die Chance auf die Relegation zu wahren.

Was dann folgte, kann getrost als „Wunder von Weilheim“ bezeichnet werden. Nacheinander besiegte der TSVW die SG Schorndorf (31:26), den VfL Waiblingen II (30:29) und am vergangenen Wochenende den TSV Neuhausen II (32:22). Für Weilheims Abteilungsleiter Karl-Heinz Klingmann war der Erfolg gegen Waiblingen der Knackpunkt. „Danach wusste die Mannschaft, dass sie das Zeug hat, es zu packen, wenn sie alles reinlegt.“ Zur Erinnerung: Der Sieg gegen Waiblingen gelang erst in allerletzter Sekunde per verwandeltem Siebenmeter. „Spätestens da hat man gesehen, dass die Mannschaft was aus sich rausholen kann“, sagt Klingmann, der sich den Job des Abteilungsleiters übrigens mit Markus Gomringer und Gunter Zettl teilt.

Den vorläufigen Höhepunkt der Weilheimer Aufholjagd markierte der vorgestrige Heimsieg gegen Neuhausen, der ohne Schützenhilfe aus dem Rems-Murr-Kreis allerdings nichts wert gewesen wäre. Nur dank des 33:26-Sieges des SSV Hohenacker über den Weilheimer Relegationskonkurrenten Alfdorf stehen die Limburgstädter nun in den entscheidenden Spielen um den Ligaverbleib. Gegner dort ist am 19. und 26. April der Tabellenzehnte der Landesliga Staffel 3, TSV Dettingen/Erms.

Unabhängig davon, ob der Sieger dieser beiden Partien tatsächlich den Klassenerhalt schafft (die tatsächliche Zahl der Absteiger hängt von Tabellenkonstellationen bis hinauf zur 2. Bundesliga ab), überwiegt in Weilheim momentan die Freude über den fulminanten Saisonendspurt. „Jetzt heißt es erstmal Durchschnaufen“, sagt Karl-Heinz Klingmann, den eine Frage jedoch genauso ratlos lässt wie Weilheimer Fans und Spieler: Was hat in den letzten drei Spielen geklappt, was über die gesamte Saison zuvor kaum geklappt hatte? „Das ist schwer zu sagen“, zuckt der 53-Jährige mit den Achseln.

Ein Grund könnte die vor der Saison vorgenommene Verjüngung der Mannschaft gewesen sein. „In manchen Spielen war der älteste Feldspieler gerade mal 22“, weiß Klingmann. In der Tat scheint das altersbedingte Wegbrechen solcher Stützen wie Andreas Bleher oder Martin Weiss Spuren hinterlassen zu haben. Umso mehr hebt Klingmann die drei „Oldies“ Marco Schill, Volker Allgaier und Gerhard Bächle hervor, die vor der Saison eigentlich schon aufhören wollten, sich dann aber noch haben breitschlagen lassen. Ein weiterer Grund liegt in der hohen Leistungsdichte in der Staffel 3. Vor Saisonbeginn machte der Begriff „Hammerstaffel“ die Runde in Handballerkreisen. Zum Vergleich: Mit ihren 17 Punkten würden die Weilheimer in den anderen drei HVW-Landesligen in der Endabrechnung jeweils auf einem Nicht-Abstiegsplatz stehen. „Wir wussten von Anfang an, dass wir uns am unteren Tabellendrittel orientieren müssen“, sagt Klingmann.

Kein Wunder hat man sich unter der Limburg in den vergangenen Wochen auch mit dem Thema Bezirksliga auseinandergesetzt. Erfreulich: Trainer Markus Beichter hat auch im Abstiegsfall grünes Licht für sein weiteres Engagement in Weilheim gegeben. Mit den Spielern habe es indes zwar noch keine Gespräche gegeben, doch bleibt die Mannschaft laut Karl-Heinz Klingmann in der momentan Konstellation wohl zusammen. Abstiegskampf scheint eben zusammenzuschweißen.