Lokalsport

XXL-Lösung fürs Owener Gehäuse

Bittenfelds Keeper Markus Brodbeck wird Spielertrainer beim Handball-Württembergligisten

Mitten im Abstiegskampf schmieden die Handballer des TSV Owen Zukunftspläne. Fast zeitgleich mit dem ersten Heimsieg am Wochenende scheint dem Württembergligisten in der Trainerfrage der große Wurf gelungen. Mit der Verpflichtung von Markus Brodbeck löst der TSV sein seit langem schwelendes Torhüterproblem. Der 32-jährige Stammkeeper des Zweitligisten TV Bittenfeld ließ sich auch von der Option Landesliga nicht schrecken.

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Bernd Köble

Owen. Es ist so ähnlich wie beim Kleiderkauf: Ist die exakte Größe schon vergriffen, nimmt man‘s lieber eine Nummer größer. Man weiß ja nie. Jetzt haben die Owener nach monatelanger, erfolgloser Suche nach einem erfahrenen Torhüter im Fachgeschäft für Übergrößen nachgeschaut – und sind prompt fündig geworden. Markus Brodbeck heißt der Neue und der wirft einiges an sportlichem Gewicht in die Waagschale. Nach seinem Zweitligadebüt bei der TSG Ossweil unter Frisch- Auf-Coach Velimir Petkovic gelang Brodbeck mit der HSG Wetzlar 1998 der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Im selben Jahr stieß er mit der HSG bis ins Finale des Europapokals der Pokalsieger vor. Es folgten Stationen beim Sachsenclub EHV Aue und bei der HBW Balingen-Weilstetten, bevor er 2005 zum TV Bittenfeld wechselte, wo er als unumstrittene Nummer eins zwischen den Pfosten steht.

Eine Vita, die vorzeigbar ist, doch wie passt diese zum Teckclub, der gerade drei Klassen tiefer ums Überleben kämpft? „Ein Zufallstreffer“, sagt TSV-Abteilungsleiter Dietmar Kerner. „Wir waren zur rechten Zeit am rechten Fleck.“ Brodbeck, der bereits gestern Abend erstmals zum Training in der Teckhalle aufkreuzte, soll vom 1. Juni an als Spielertrainer die Mannschaft führen, nachdem Christoph Winkler künftig nur noch fürs Torewerfen verantwortlich sein wird. Der Mediziner absolviert gerade eine zweite Facharztausbildung und will sich als Orthopäde niederlassen. Da bleibt keine Zeit mehr für strategische Aufgaben. Beide kennen sich aus vergangenen Regionalligazeiten und schätzen am anderen die menschliche, unverkrampfte Art.

Für Markus Brodbeck war der Ausstieg aus dem Bundesligageschäft nicht von langer Hand geplant. „Owen war einfach das richtige Angebot“, sagt der 32-Jährige, der im Dezember zum zweiten Mal Vater geworden ist und sich künftig stärker Familie und Beruf widmen will. Die langen Reisen zu Auswärtsspielen, fünf Mal Training pro Woche, dazu die lange Anfahrt vom Wohnort in Faurndau bis nach Waiblingen. Am Ende ist ihm das alles zu viel geworden. „Ich habe im Sport vieles erreicht und eine tolle Zeit erlebt. Jetzt stehen einfach andere Dinge im Vordergrund.“ Wer ihn hört, merkt freilich schnell, dass sich da keiner aufs sportliche Altenteil zurückziehen will. „Das Training wird für mich nicht weniger“, meint er mit einem Grinsen. „In Owen wissen sie das bloß noch nicht.“

Dabei hätte ihm einen Rückzieher in Owen niemand verübeln können. Als er sich in der Teckhalle erstmals einen Eindruck verschaffte, geschah dies ausgerechnet bei der Partie gegen Laupheim, in der die Gelben den sportlichen Offenbarungseid leisteten. Nicht nur Owens Abteilungschef Dietmar Kerner sah da die Felle des TSV schon davontreiben. Doch Brodbeck wollte nicht glauben, was er sah, schickte einen Beobachter zum anschließenden Auswärtsspiel bei der SG Lauter und ließ sich trotz der Niederlage vom Owener Kampfgeist überzeugen – auf und neben dem Platz. Lob findet der künftige Trainer auch für seine Mitstreiter zwischen den Pfosten. „Alle reden vom Owener Torwartproblem. In beiden Spielen, von denen ich weiß, waren die Torhüter die Besten auf dem Platz.“

Wenn Markus Brodbeck im Juni seinen ersten Trainerjob im Aktivenbereich antritt, soll Owen nicht zur Durchgangsstation werden. Er will hier längerfristig etwas bewegen und hat deshalb die Abstiegsoption bewusst einkalkuliert. Sollte der Klassenerhalt in der Württembergliga am Ende nicht zu schaffen sein, hieße die Mission direkter Wiederaufstieg. Dass dies gelänge, davon ist er überzeugt. „Wir werden mit einer sichereren Abwehr kurzfristig raschen Erfolg haben“, sagt er. „Dann müssen neue Strukturen greifen.“ Was er darunter versteht, wird die Mannschaft spätestens in der Vorbereitung erfahren. Da wird es neben Co-Trainer Jürgen Schöberl, mit dem er seit vielen Jahren befreundet ist und der schon den Landesligisten aus Wangen trainierte, auch einen zusätzlichen Fitnesstrainer geben. Klinsi lässt grüßen.

Signalkraft verströmt der Neue auch an anderer Stelle, noch ehe er da ist: Dass Owens Nachwuchstalent Steffen Klett das TSV-Trikot behält, ist das Ergebnis hartnäckiger Überredungskunst. Der 20-Jährige, der zuletzt weit unter Normalform spielte, war sich mit dem Oberligisten SV Fellbach so gut wie handelseinig. Das ehrgeizige Eigengewächs soll nun die Chance erhalten, in Bittenfeld eine vierte und fünfte Trainingseinheit zu absolvieren. Überhaupt will Markus Brodbeck die Kooperation mit seinem Ex-Verein pflegen. Für die Owener heißt dies: In der Vorbereitung auf die neue Saison werden sie gelegentlich Zweitligahärte zu spüren bekommen.