Lokalsport

Youngs später Dreier als Stimmungstöter

1,8 Sekunden fehlten Basketball-Zweitligist VfL Kirchheim Knights beim Weihnachtsspiel in Crailsheim. Willie Youngs Dreier zum 68:67 für die gastgebenden Merlins zerstörte eine starke Leistung des Teams von Pasko Tomic.

MAX DANIEL

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CRAILSHEIM Wieder nichts: Der Abstiegskampf in der zweiten Liga entwickelt sich für die Kirchheimer Basketballer zur echten Charakterprobe. Beim großen Weihnachtsspiel des TSV Crailsheim waren die Knights das bessere Team, das spektakuläre Happy End aber gehörte den (schlechten) Gastgebern (siehe Extra-Story). Es war ausgerechnet Willie Young, der schon die Krimis der Merlins gegen Chemnitz (87:84) und Ehingen (71:70) mit der letzten Aktion entschieden hatte.

Spielstand 67:65 für die Knights: Noch zwölf Sekunden, ein paar Pässe, Young bekommt auf dem linken Flügel den Ball. Der 42-jährige Veteran Karim Aw, 205 Zentimeter groß, stellt für Youngs Gegenspieler Tim Burnette einen Block. Der ist nicht korrekt, Aw benutzt auch beide Hände, aber da darf man sich nicht beschweren Schiedsrichter lassen in solchen (letzten) Aktionen alles, was nicht am Schützen geschieht, durchgehen, davon haben die Knights selbst auch schon profitiert. VfL-Center Alex Zyskunov übernimmt, unverständlicherweise aber nur für eine halbe Sekunde, dann lässt er sich weit zurücksinken. Jetzt hat Young den Platz, den er braucht und zieht aus knapp acht Metern ab. Der Rettungsversuch von Burnette, der sich endlich freigekämpft hat, kommt viel zu spät, der Ball zieht eine perfekte Flugkurve Richtung Korb.

VfL-Coach Pasko Tomic schlägt schon die Hände über dem Kopf zusammen, er ahnt, was kommt. Und es kommt: Der Ball zischt fast ungestreift durch die Reuse. Die Halle explodiert förmlich, dass es fast das Dach der sonst für Rinderversteigerungen benutzen Arena lupft. Der verzweifelte Versuch von Kai-Uwe Kranz, aus der eigenen Hälfte in den letzten 1,8 Sekunden noch ein Wunder zu vollbringen, scheitert. Das Drama ist zu Ende.

Die Kirchheimer hatten toll gekämpft und, bis auf wenige Aussetzer, diszipliniert gespielt. Die Knights hatten aufopferungsvoll verteidigt, den Defense-Plan von Tomic ("eine Sechs vorne beim Gegner") umgesetzt. Die Knights waren aber auch unglaublich stark mit der Rekordkulisse von 3000 Besuchern umgegangen, hatten sich sogar weniger als die Einheimischen beeindrucken lassen. All das hatte zum 26:20 nach 16. Minuten (Halbzeit 33:33) und zum 48:37 (26.) geführt. Doch Crailsheim kam immer zurück, und acht Minuten vor Schluss hatten die Merlins mit dem 55:54 ihre erste Führung der zweiten Hälfte erarbeitet. Aber der VfL hatte jetzt selbst die richtige Antwort. Zunächst bei der 61:58-Führung für die Einheimischen (36.), die Kai-Uwe Kranz mit einem Dreier ausglich. Nach dem 63:61 blockte der ansonsten unglücklich agierende Burnette Greg Miller beim Dreierversuch und schloss vorne ab, 63:63. Und nach Youngs 65:63 übernahm Sivorotka. Bei seinem 65:65 nach einem Offensivrebound sprang ihm Stan Bufford ins Kreuz, aber auch hier pfiffen die Unparteiischen wie so oft nicht.

Auch den nächsten Angriff schloss Sivorotka mit einem unwiderstehlichen Drive an der Grundlinie ab. Hätte man danach foulen sollen und hoffen, dass die Merlins einen Freiwurf verschießen? Keine gute Idee: Von der Dreierlinie waren die Hohenloher bis dahin kaum erfolgreich, an der Freiwurflinie schon. Zudem hatte der VfL bereits Ross Jorgusen mit dem 5. Foul verloren und Burnette, Goehrke und Sivorotka standen bei vier Fouls: Keine guten Aussichten für eine Verlängerung. Also musste die Devise lauten: verteidigen.

Nur einer hat das offensichtlich nicht richtig verstanden . . .

VfL Kirchheim Knights: Burnette (6, 4 Fouls), Goehrke (2, 4 Fouls), Hountondji (2, 1 Foul), Jorgusen (10/2, 5. Foul 36. Min.), Karamatskos (9/1, 0:1 FW, 3 Fouls), Klemm (n.e., Magen-Darm-Grippe), Kranz (12/4, jedes Viertel ein Dreier, 3 Fouls), Lenger (n.e.), Reichmuth (n.e.), Sivorotka (19/1, 2:5 FW, 4 Fouls), Zyskunov (7/alle im 2. Viertel, 3:4 FW, 3 Fouls).TSV Crailsheim: Debelka (n.e.), Brucker (n.e.), Kling (6, 4:6 FW), Kadmous, Miller (8/2), Bufford (9, 5:6 FW), Young (23/1, 6:7 FW), Rietti, Albrecht (n.e.), Dörr, Kieser (14/1, 1:2 FW), Aw (5, 1:2 FW).Fouls: 27 (VfL), 15 (TSV).Freiwürfe: 5:10 (VfL), 19:25 (TSV).Dreier: 8 (VfL), 4 (TSV).Viertel: 11:13, 22:20, 13:19, 22:15.Schiedsrichter: Husein Kursumovic (Ismaning) und Marco Kapitz (Amerang).