Lokalsport

Zwei tragische Helden, keine Punkte

Es hätte die große Wende einläuten können, doch am Ende wurde wieder nichts daraus. Nach einer tollen Aufholjagd mussten die Knights beim hauchdünnen 65:66 (26:43) in Heidelberg erneut als Verlierer vom Platz.

MAX DANIEL

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HEIDELBERG Von minus 19 auf plus fünf: Dieses kleine Wunder schafften die Zweitliga-Basketballer des VfL Kirchheim am Samstagabend beim ehemaligen deutschen Rekordmeister USC Heidelberg. Für die unglaubliche Aufholjagd vom 23:42 (20.) zum 64:59 (36.) brauchte das Team von Pasko Tomic und Giorgios Poulos eine neue Einstellung, eine neue Zonenpresse und ganze 16 Minuten. Doch das Spiel war damit leider noch nicht zu Ende. In den letzten vier Minuten war plötzlich der Schwung weg, "das Team hat nur noch auf die Uhr geschaut", wie Kirchheims Coach Pasko Tomic später analysierte. Der VfL verlor den Biss und ließ die Heidelberger, die "eigentlich stehend K. o. waren" (Teammanager Volker Oesterle) wieder zurückkommen. So gab es wieder einmal eine hochgradig spannende Schlussphase, in der die Knights erneut Lehrgeld in Sachen Cleverness bezahlten.

Zu tragischen Helden wurden ausgerechnet die beiden Spieler, die maßgeblichen Anteil an der packenden Aufholjagd hatten: Tim Burnette hatte das Team schon die ganze Zeit getragen, hatte die wichtigsten Punkte gemacht und auch defensiv viele Akzente gesetzt. Doch am Ende wollte er zu viel: Beim Stand von 65:65, nach einem Airball von USC-Spielmacher Tobias Stoll, bekommen die Knights 26 Sekunden vor Schluss den Ball. Doch anstatt nun die Uhr herunterzuspielen, gibt Burnette Vollgas, kommt bis zum Korb durch und verlegt hart bedrängt den Korbleger. Nun hat Heidelberg 20 Sekunden Zeit für die Entscheidung. Lamar Jackson-Grimes übernimmt. Er dribbelt, er wartet, er zieht los. Plötzlich steht nur noch Wilu Lenger vor ihm. Der Amerikaner geht hoch und Lenger foult ihn beim Versuch, den Wurf zu blocken, überdeutlich: Zwei Freiwürfe und nur noch zwei Sekunden zu spielen. Jackson-Grimes trifft den ersten zum 66:65, setzt den zweiten absichtlich auf den Ring, und bis Kirchheim den Ball kontrolliert, ist das Spiel zu Ende. Dabei war Lenger der "Schlüsselspieler" (Tomic) bei der Aufholjagd, die dem VfL komplett ohne Center gelang. Tomic: "Ich habe mich für klein und schnell entschieden. Mit Alex Zyskunov hätte die Zonenpresse nicht funktionieren können."

So spielte der VfL nach der Pause mit fünf "Kleinen", und das war auch gut so. Denn was sich in der ersten Hälfte, vor allem im zweiten Viertel (13:25) abgespielt hatte, war auf Kirchheimer Seite kaum zweitligareif. Ohne jedes Selbstvertrauen, taktisch undiszipliniert und ohne die nötige Konzentration: Heidelberg bestrafte den Mix aus Unvermögen und Sorglosigkeit gnadenlos. Bis Tomic und Poulos in der Pause ein Gegenmittel fanden. Von dieser Sorte könnte das Team ein paar stärkere Dosen gebrauchen, auch wenn diesmal die Genesung mit dem "sudden death" zwei Sekunden vor Schluss ein abruptes Ende fand.

USC Heidelberg:

Stoll (2), Adeberg (10), Trammell (8, 0:4 Dreier, 35:17 Min.), Wente (8), Huber-Saffer (17, 5:11 Würfe, 14 Reb., 27:04 Min.), Jackson-Grimes (14/2, 5:12 Würfe, 34:34 Min.), Leber (7).VfL Kirchheim Knights:

Burnette (18/1, 6:16 Würfe, 1:3 Dreier, 5:5 Freiwürfe, 34:22 Min.), Goehrke (7:50 Min.), Jorgusen (0:4 Würfe, 17:32 Min.), Karamatskos (8, 3:7 Würfe, 31:09 Min.), Klemm (8, 3:9 Würfe, 0:3 Dreier, 8 Rebounds, 38:50 Min.), Kranz (15/3, 5:9 Würfe, 3:7 Dreier, 28:10 Min.), Lenger (8, 4:5 Würfe, 6 Reb. , 16:19 Min.), Sivorotka (3/1, 1:1 Würfe, 9:57 Min.), Zyskunov (5, 3:9 Würfe, 15:51 Min.).Würfe:

26:67/39 % (USC), 24:56/43 % (VfL).Dreier:

2:17/12 % (USC), 5:16/31 % (VfL).Freiwürfe:

12:17/71 % (USC), 12:19/63 % (VfL).Rebounds:

41:31. Ballverluste:

12:16.Assists:

11:7. Ballgewinne:

4:6.Geblockte Würfe:

0:3. Fouls:

20:20.Schiedsrichter:

Frank Bleicher (Stuttgart) und Uli Neumann (Straubenhardt) waren souverän.Zuschauer:

500 (70 aus Kirchheim).