Lokalsport

Zwischen Bauleitplänen und Tourenkarten

KIRCHHEIM Wenn in der letzten Runde die Oberschenkel brennen und der Puls konstant am Limit hämmert, dann weiß er, wie sich das anfühlt. Ein großer Abräumer ist er

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BERND KÖBLE

zwar nie gewesen und ein paar Jahre sind zudem ins Land gezogen, seitdem Günter Riemer als Jungspund im Schülerrennen in die Pedale trat. Doch immerhin: Wenn es ums Thema Radsport geht, macht ihm so schnell keiner was vor. Als Präsident des Württembergischen Radsportverbandes (WRSV) und ehemaliger Jugendtrainer beim RSV Reichenbach ist Kirchheims Bürgermeister ein Mann vom Fach. Dass sein Herz höher schlägt versteht sich, wenn die Profis am Sonntag in der Teckstadt ihre Visitenkarte abgeben.

"Für Kirchheim ist das Radrennen einer der Veranstaltungshöhepunkte im Jahr", meint Riemer, der weiß, welche Rolle dem Sport als Imageträger im kommunalen Wettstreit zufällt. Im kulturfreudigen Calw, wo der 44-Jährige zuletzt als Bürgermeister die klassischen Ressorts Schule, Kultur und Sport vertrat, musste er oft hartnäckig um sportliche Belange kämpfen. "Kirchheim ist eine sportbegeisterte Stadt" freut er sich heute umso mehr, auch wenn er als Experte fürs Bauwesen inzwischen eher Lagepläne als Rennstrecken studiert.

15 Jahre schon sitzt der Kirchheimer mit Notzinger Wurzeln im Präsidium des WRSV. Seit 2002 lenkt er die Geschicke des Verbands, der mehr als 250 Radsportvereine in Württemberg vertritt. Neben seinem Job als Repräsentant der Stadt bleibt ihm zwar kaum noch Zeit für öffentliche Auftritte, doch wenn es um strategische Entscheidungen geht, hält Günter Riemer auch im Ehrenamt die Zügel in der Hand. In den Sattel schwingt er sich dennoch, wann immer es geht, auch wenn die Motive andere geworden sind. "Das Gesundheitsdenken hat den Ehrgeiz inzwischen verdrängt", verrät er. Für ihn ist Rad fahren die beste Art, den Alltagsstress zu vergessen. "Nach einer halben Stunde habe ich den Kopf frei und bin wieder offen für neue Ideen." Bis zu 5 000 Kilometer pro Jahr spult er dabei ab, für einen Hobbyradler ein stattliches Pensum. Nur dieses Jahr will es nicht so recht klappen. Der neue Job, der Umzug nach Kirchheim, da bleibt das Rad häufiger in der Garage.

Weil Teamgeist für einen Bürgermeister eine Schlüsselqualifikation ist, hat er sich mit Ehefrau Stefanie ein Tandem angeschafft. Damit geht es im Sommerurlaub durchs Zentralmassiv oder wie vergangenen Sonntag zum PR-Termin nach Wangen im Allgäu. Riemer, ein Fall fürs Hobbyrennen am morgigen Sonntag? "So etwas tue ich mir nicht mehr an", winkt er entschieden ab. "Die sind mir zu ehrgeizig. Da hätte ich Angst, abgeschossen zu werden." Sein Tipp fürs Hauptrennen? Da klaffen Wunsch und Wirklichkeit etwas auseinander: Top-Favorit Stefan Schumacher ist auch seine Nummer eins, "weil er Nehmerqualitäten hat", meint Riemer. Ansonsten sähe er gerne einen Fahrer aus dem Team Hofbräu Radler auf dem Treppchen, schließlich stellen die das Auswahlteam des WRSV. Vor allem dem jungen Christoph Meschenmoser drückt Günter Riemer morgen die Daumen. Vor drei Jahren bei einem Auswahlrennen in Italien schwer gestürzt und dabei nur knapp dem Tod von der Schippe gesprungen, hat der Nachwuchsfahrer wieder Anschluss an den U23-Landeskader gefunden. "Ihm würde ich ein Erfolgserlebnis wünschen", sagt Riemer.