Lokalsport

Zwischen China, Japan und Dänemark wird gebüffelt fürs Abitur

NOTZINGEN China, Japan, Polen, Dänemark - Die Tischtennis-Zwillinge Gaby und Meike Rohr aus

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PETER WÖRZ

Notzingen sind in den letzten Wochen viel herumgekommen. Das Ziel der Betzinger Bundesligaspielerinnen: Auf der Pro-Tour von der Weltspitze lernen und in der Weltrangliste einen Schritt nach vorne machen. Insgesamt hat es sich gelohnt, ist sich Gaby Rohr sicher.

In ihrer Jugendzeit waren die Ziele der Betzinger Bundesligaspielerinnen andere. Die vielfachen Europa- und Deutschen Meisterinnen waren auf dem Kontinent Spitzenklasse. Inzwischen ist es eine Weile her, dass die Zwillinge im Rampenlicht standen. Im Dezember letzten Jahres war es, als sie bei den Jugend-Weltmeisterschaften in Chile die Bronzemedaille im Doppel gewannen. Danach wechselten die inzwischen 19-Jährigen ins Aktivenlager und tauchten unter. Sich im großen Feld der Tischtennis-Spitze zu behaupten, ist ein mühsamer Weg. Auch tägliches Training, das die Schwestern seit drei Jahren betreiben, ist keine Garantie für den schnellen Durchbruch.

Geduld ist eine wichtige Eigenschaft, vor allem, wenn gleichaltrige und langjährige Mitstreiterinnen wie Kristin Silbereisen Finalistin bei der Pro-Tour in Dänemark plötzlich für Schlagzeilen sorgen. "Jede Sportlerin hat ihre eigene Entwicklung und ihren eigenen Zeitpunkt", reagiert Gaby Rohr gelassen auf die Erfolge der Konkurrenz. Meike kann dem gar etwas Positives abgewinnen: "Uns wurde vermittelt, wie hart es wird, bei den Aktiven nach vorne zu kommen. Kristin zeigt, dass es so schwer nicht sein muss." Natürlich ist der Sprung in die A-Nationalmannschaft das Ziel der Schwestern. Mit dem neuen Trainer Tobias Beck könnten die Karten neu gemischt werden. "Allein der Erfolg zählt", macht sich Meike freilich nichts vor. Und da fehlen bei den Beiden noch die entsprechenden Ergebnisse. Bei den Pro-Tour-Turnieren ging es für die beiden Nachwuchsspielerinnen nicht darum, den großen Coup zu landen, sondern, der Weltspitze ein wenig auf den Schläger zu sehen und Weltranglistenpunkte zu sammeln.

Ausgerechnet in China, wo die gesamte Weltspitze versammelt war, klappte dies ganz gut: Im Doppel verpassten die Schwestern nur hauchdünn den Sprung ins Viertelfinale. Im Einzel kämpfte sich Gaby Rohr gegen starke asiatische Konkurrenz ins Hauptfeld, wo sie der Olympia-Vierten Li Jia Wei aus Singapur unterlag (6:11, 8:11, 7:11, 6:11). In Polen stand die Notzingerin gar in der Runde der letzten 32, verlor dann jedoch gegen die Rumänin Otilia Badescu mit 8:11, 5:11, 7:11 und 7:11. Die 19-Jährige machte damit rund 35 Plätze in der Weltrangliste gut und könnte bereits im November auf Rang 185 vorrücken. Auch Meike war mit ihrer Leistung zufrieden. Vor allem im Doppel tankte sie Selbstvertrauen. In Dänemark landete sie im U21- Wettbewerb auf Rang drei.

Eine gute Figur wollen die Zwillinge demnächst auch in Deutschland abgeben. Dort stehen in diesem Jahr noch zwei Höhepunkte auf dem Programm: Die German Open (11. bis 14. November in Leipzig) und die Qualifikation zum Top-12-Turnier. Nach einem knappen Jahr im Aktiven-Zirkus setzt das Duo nicht mehr alles auf eine Karte. Meike wird sich in den nächsten Monaten nach einem zweiten beruflichen Standbein umsehen, Gaby holt seit Mai per Fernstudium ihr Abitur nach. "Bisher läuft es sehr gut", erzählt sie, "auch wenn ich einiges aufzuarbeiten habe." Kein Wunder: China, Japan, Polen, Dänemark Die Zwillinge waren viel unterwegs.