Lokalsport

Zwischen Herz und Kopf

Angebot aus Gießen bringt Knights-Coach Frenkie Ignjatovic ins Grübeln

Absteiger Gießen schielt auf die Wildcard für die BBL und will in der neuen Saison erstklassig bleiben. In Kirchheim bräuchte dies keinen zu interessieren, würde der Wunschkandidat für den Trainerposten bei den 46ern nicht Frenkie Ignjatovic heißen.

Basketball TrainerCoach Kirchheim VFL KnightsFrenkie Ignjatovic
Basketball TrainerCoach Kirchheim VFL KnightsFrenkie Ignjatovic

Kirchheim. Überraschend kommt es nicht. Dass einer der erfolgreichsten Zweitliga-Trainer der vergangenen Jahre irgendwann auch in der BBL ein Thema ist, liegt auf der Hand. Aus diesem Grund hat Frenkie Ignjatovic seit seinem Dienstantritt in Kirchheim vor vier Jahren eine Klausel im Vertrag, die ihm den Ausstieg für den Fall der Fälle ermöglicht. Das gilt auch jetzt. Obwohl der 46-jährige Serbe seinen Kontrakt im Frühjahr bis 2015 verlängert hat, kann er gehen, wenn ein Erstligist lockt. Dass Absteiger LTi Gießen seine Fühler jetzt nach Kirchheim ausstreckt, ist für die Knights und ihren Coach nichts Neues. Anfragen aus der BBL gab es in den vergangenen Jahren immer wieder und doch ist diesmal vieles anders. Der sportliche Erfolg und die fehlende Perspektive in Kirchheim haben anfällig gemacht. Selbst einen wie Ignjatovic, dem ein Handschlag mehr bedeutet als jedes Vertragswerk und der glaubhaft versichert, dass der Trainerjob für ihn nie eine Frage des Geldes war.

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In der ersten Liga zu trainieren ist für ihn dagegen ein Lebenstraum. Weil Ignjatovic solide Aufbauarbeit über den schnellen Erfolg stellt heißt das bei ihm: Aufsteigen mit einer Mannschaft, die seine Handschrift trägt. Das wäre ihm in Kirchheim nun um ein Haar gelungen. Der Rest ist bekannt. Fest steht: Eine lange Zitterpartie wird es mit ihm nicht geben. Das wäre nicht sein Stil. Er sagt: „Ich bin kein Typ, der pokert.“ Über Pfingsten will er sich mit der Familie im Schwarzwald ein ruhiges Plätzchen suchen. Mit seinem „wichtigsten Team“, wie er es nennt. Ein paar Tage ausspannen und gemeinsam über die Zukunft reden. Danach soll eine Entscheidung fallen.

Sein Herz hängt an Kirchheim „hier habe ich inzwischen viele Freunde“, sagt er. Sein Kopf sagt ihm, dass es manche Chancen im Leben nicht zweimal gibt. Der Aufstiegsverzicht im Frühjahr hat bei ihm von allen Beteiligten die deutlichsten Spuren hinterlassen. Am Mittwoch dieser Woche gab es zum wiederholten Mal ein Treffen der Klub-Verantwortlichen mit Kirchheims Oberbürgermeisterin. Thema: das ungelöste Hallenproblem. „Ein gutes Gespräch“, sagt Frenkie Ignjatovic. Was das für seine eigene Zukunft bedeutet, sagt er nicht. Nur soviel: „Ich habe was die Entwicklung hier betrifft, ein gutes Gefühl.“ Viele, meint er, hätten gelernt aus diesem Jahr.

Knights-Sportchef Michael Schmauder geht die Sache gelassen an: „Wir haben keinen Einfluss auf die Situation“, sagt er. „Frenkie hat noch drei Jahre Vertrag und es gibt die ‚Ausstiegsklausel, die es immer gab.“ Für Schmauder ist es der Preis des Erfolgs. Wenn man mit Kirchheim Vizemeister wird, bleibt das nun mal nicht unentdeckt. Man werde auch ohne Frenkie Ignjatovic in der kommenden Saison ein starkes Team ins Rennen schicken, sagt Schmauder und ergänzt: „Wir würden es viel lieber mit ihm tun.“

In Gießen dagegen steht seit gestern fest, dass man ohne den bisherigen Coach Björn Harmsen in die neue Saison gehen wird. Erst im März war der Vertrag mit dem 29-Jährigen um zwei weitere Jahre verlängert worden. Mit dem Abstieg ist der Kontrakt nun hinfällig. Wer neuer Trainer wird, wird sich nicht vor dem 6. Juni entscheiden, wenn fest steht, welches Team möglicherweise eine Wildcard für die BBL erhält. „Beide Seiten wollten Planungssicherheit“, begründet Gießens Pressesprecher Matthias Lehmann die einvernehmliche Trennung. Neben den LTi Gießen 46ers haben auch die Giants aus Düsseldorf die 150  000 Euro für eine Wildcard auf den Tisch gelegt. „Bevor wir nicht wissen, in welcher Liga wir kommende Saison spielen, werden wir keine neuen Namen nennen“, wehrt Lehmann ab.

Wer immer es sein wird, auf ihn warten große Aufgaben. Der neue Mann wird Trainer, Sportdirektor und Jugend-Koordinator in Personalunion sein. In Gießen, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied der ersten Liga, ist ein Jugend-Leistungszentrum geplant, das den Unterbau für die beiden JBBL und NBBL-Mannschaften schaffen soll. Das Nachwuchskonzept könnte auch die Vertreter der BBL und des Deutschen Basketballbundes überzeugen, die am 6. Juni entscheiden, wer möglicherweise eine Wildcard erhält. Trotz eines der geringsten Etats der ersten Liga dürften die Chancen der Hessen auf den Klassenerhalt gut stehen. Kein Klub bietet mehr an Tradition, die lautet: seit 47 Jahren erstklassig.

Uskoski geht zum MBC

Die Entscheidung ist gefallen: Center Devin Uskoski wechselt zum Aufsteiger MBC in die erste Liga. „Er hat einen Vertrag vorgelegt bekommen, den man nicht ausschlagen kann“, meint Knights-Sportchef Michael Schmauder. Derweil darf in Kirchheim weiter gehofft werden, dass Spielmacher Ahmad Smith bleibt. „Er ist zurzeit bei seiner Familie in USA und wird sich dort beraten. Wir stehen nach wie vor in Kontakt mit ihm“, sagt Schmauder. Weiterhin offen sind die Verträge mit Nils Menck und Dominik Schneider. Während man mit Menck so gut wie einig ist, tut sich Schneider mit einer Entscheidung noch schwer. Der 26-Jährige hat im Frühjahr sein Lehramtsstudium beendet und ist auf Stellensuche.bk