Lokalsport

Zwischen Stolz und Trauer

VfL-Tischtennis-Ass Tetiana Zimmermann über die Situation in der Ukraine

Seit sie vor vier Jahren nach Deutschland kam, schwingt sie für den VfL Kirchheim erfolgreich den Tischtennisschläger. Jetzt bangt die Ukrainerin Tetiana Zimmermann mit ihren Landsleuten, die seit Wochen gegen die von Russland gestützte Regierung auf die Straße gehen. Kontakt zur ihrer Familie vor Ort hält die 24-Jährige via Telefon und Internet.

Tetiana Zimmermann in Aktion: Momentan sorgt sich die gebürtige Ukrainerin allerdings weniger ums Tischtennis, als um die Situat
Tetiana Zimmermann in Aktion: Momentan sorgt sich die gebürtige Ukrainerin allerdings weniger ums Tischtennis, als um die Situation in ihrer Heimat. Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Wenn Tetiana Zimmermann über die momentane Lage in ihrer ukrainischen Heimat spricht, schwingt die Sorge in der Stimme der zierlichen jungen Frau hörbar mit. „Ich bin einerseits sehr stolz, dass die Leute auf die Straße gehen, andererseits aber auch traurig, wie die Regierung reagiert“, sagt die 24-Jährige, die vor vier Jahren aus der 88 000-Einwohner-Stadt Uman im Westen der Ukraine nach Deutschland kam und als Au-Pair in Kirchheim Fuß fasste. Als gleichermaßen begeisterte wie talentierte Tischtennisspielerin verstärkt sie seitdem die VfL-Frauenmannschaft, mit der sie vergangene Saison ungeschlagen in die Bezirksliga aufstieg und dort zur Winterpause unangefochten auf Platz eins stehend Richtung Landesliga schielt.

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Der Blick der jungen Frau, die seit der Hochzeit mit VfL-Bezirksligaspieler Rene Zimmermann ihren Mädchennamen Tykhomyrova abgelegt hat, geht aber weit über den Plattenrand hinaus. Seit vor knapp fünf Wochen infolge des gescheiterten Assoziierungsabkommens mit der EU die Menschen in der Ukraine zu Hunderttausenden auf die Straße gehen, verfolgt sie täglich gespannt das Geschehen in ihrer Heimat. Hauptinformationsquelle ist neben den gängigen Medien wie Fernsehen oder Internet ihre noch vor Ort lebende Familie. „Ich telefoniere und skype viel mit meiner Mutter und meinem Bruder.“ Der 21-Jährige Sergej stehe laut Tetiana Zimmermann stellvertretend für die Situation vieler junger Leute in der Ukraine. „Er hat zu Ende studiert, findet aber keinen Job“, weiß die ältere Schwester, dass es Arbeitsplätze in der Ukraine oft nur gegen Schmiergeld gebe. „Die Jugend sieht deshalb immer weniger Per­spektiven und geht genau deshalb auf die Straße“, sagt sie.

Dort hatten die Proteste Ende November eine dramatische Wende genommen, nachdem eine Studentendemo auf dem Majdan in Kiew von der Polizei gewaltsam aufgelöst worden war. „Dass die Leute danach trotzdem weitergemacht haben, fand ich wirklich erstaunlich“, zollt Tetiana Zimmermann ihren mutigen Landsleuten Respekt. Zu Recht: Seitdem demonstrieren täglich mehrere Hunderttausend Menschen, hauptsächlich in Kiew, gegen die Regierung des Mannes, den auch Zimmermann aus 2 000 Kilometern Entfernung als den Hauptschuldigen ansieht: „Janukowitsch ist eine Marionette von Putin“, klagt sie über den (zu) großen russischen Einfluss auf ihr Land. „Die U­kra­ine hat so lange für ihre Unabhängigkeit gekämpft. Darum wäre ich traurig, wenn alles so bleibt, wie es ist“, seufzt die Zelluloidkünstlerin, die mit dem VfL Anfang Januar bei der Quali für die deutschen Tischtennismannschaftsmeisterschaften am Start sein wird. Für ihren eigenen sportlichen Einsatz als auch den ihrer demon­strierenden Landsleute hat sie nur einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir gewinnen.“