Basketball

Der erste Fehlschuss als Streichergebnis

Basketball Nach der Niederlage gegen Quakenbrück herrscht im Lager der Knights unverändert Zuversicht. Parra sieht sein Team auf dem richtigen Weg. Von Bernd Köble

Am Samstag unter Hochspannung, zu Wochenbeginn schon wieder entspannt: Mauricio Parra glaubt an den Erfolg am kommenden Spieltag
Am Samstag unter Hochspannung, zu Wochenbeginn schon wieder entspannt: Mauricio Parra glaubt an den Erfolg am kommenden Spieltag gegen Trier.Foto: Markus Brändli

Keine Gnade für den Leierkasten-Mann. Der Helfer, der die Werbebande direkt vor der Mannschaftsbank per Handkurbel umblätterte, hatte am Samstag einen brandgefährlichen Job. Einer von vielen guten Geistern im Klub lief gleich mehrmals Gefahr, als Verkehrsopfer in der Coaching-Zone zu enden. Mit einem Trainer, der im Tunnel steckt, ist schließlich nicht zu spaßen.

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Es hätte ein furioser, ein emotionaler Auftakt werden können. Doch zu einem wild gestikulierenden Headcoach im Hochvoltbetrieb gehörte an diesem Abend eine Mannschaft, die unter Strom stand. Angespannt, fahrig - die Nervosität habe vielen in der Kabine im Gesicht gestanden, gibt der Trainer später zu. „Das ist ein Stück weit normal und auch menschlich“, nimmt Mauricio Parra sein Team in Schutz.

Das Pflichtspiel-Debüt des Spaniers und seiner neu formierten Mannschaft hätte an diesem Abend leicht mit einem Debakel enden können. 19 Punkte Rückstand Mitte des zweiten Viertels, 15 verworfene Dreier bis zur Pause, das sind Eckdaten, die jeden Trainer in Alarmzustand versetzen müssen. Dass die Katastrophe ausblieb, die Knights das Spiel im Schlussviertel sogar noch hätten drehen können, sind nur zwei Gründe, weshalb Parra am Tag danach vergleichsweise entspannt wirkt. „Wir hatten vier Mal die Chance zum Ausgleich und haben sie jedes Mal verschlampt“, sagt er. „Dann wäre das Spiel ganz anders gelaufen.“

Tatsächlich muss er sich und seiner Mannschaft an diesem Abend weniger ankreiden, als vor allem die erste Hälfte vermuten ließe. Elf von 15 Fehlwürfen bis zur Pause kommen völlig unbedrängt, die Entscheidung auf Zonen-Verteidigung umzustellen und diesen Entschluss in der zweiten Hälfte zu revidieren, ist völlig richtig, wird aber schlecht umgesetzt. Dajuan Graf ackert 40 Minuten lang im Spielaufbau, um in der Defensive Atem zu schöpfen. Er ist an diesem Tag der Strippenzieher, der den Dienst an der Mannschaft auch dort vorzieht, wo gesunder Egoismus zielführender wäre, und Andreas Kronhardt ist der, der nach langer Verletzungspause in der Schlussphase zu lange auf dem Feld steht.

Das sind Details, die am Ende den Unterschied ausmachen, aber keine grundlegenden Defizite offenlegen. Zumal man mit den Dragons aus dem Artland auf einen Gegner traf, der nach einer herausragenden Vorbereitung mit Siegen gegen Bremerhaven und Vechta wie aus einem Guss wirkte. Dass ein alter Fuchs wie Chase Griffin die beste Versicherung in der Crunchtime ist, auch das war an diesem Tag weder neu noch überraschend.

Wettkampfpraxis fehlt

Dass das abgesagte Auftaktspiel in Nürnberg aus Kirchheimer Sicht einen Zeitvorteil brächte, glaubten viele. Chris Schmidt zählt nicht dazu: „Was Wettkampfpraxis bewirkt, konnte man in diesem Spiel sehen“, sieht sich der Sportchef der Knights bestätigt. Für Headcoach Parra heißt das: „Gegen Trier werden wir von Beginn an eine ganz andere Mannschaft sehen, davon bin ich überzeugt.“ Dann wohl auch mit dem am Knöchel verletzten Caleb Oetjen, der am Samstag nach dem Aufwärmen passen musste und das Spiel anschließend neben der Spielerbank strampelnd auf dem Ergobike verfolgte.

Mit dem Backup-Guard kommt jene Entlastung auf der Spielmacher-Position, die Rhondell Goodwin am Samstag nicht zugetraut wurde. Der Topscorer aus der Vorbereitung wirkte gehemmt und zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Der Trainer ist überzeugt, dass auch bei ihm der Knoten platzt. Parra wirbt um Geduld für seine Mannschaft, die sich jetzt im Kampfmodus finden muss. „Die Gründe für die Niederlage kennen wir“, sagt er. „Und daran werden wir arbeiten.“

Offensiv-Spektakel in Tübingen

Ein Dreier-Gewitter erlebten die Fans am Samstagabend in der Tübinger Paul-Horn-Arena. Beim Tübinger 110:101-Erfolg nach Verlängerung gegen die White Wings aus Hanau fanden 29 Distanzwürfe den Weg durch die Reuse. Die Gastgeber, die nach dem abgebrochenen Spiel in Ehingen ihren ersten Saisonerfolg feierten, glänzten mit einer Dreier-Quote von 62 Prozent.

Dennoch musste sich der Erstliga-Absteiger gegen starke Hessen nach dem Sieg strecken. Hanaus Adonis Pinson glich nach zwei erfolgreichen Korbaktionen am Ende der regulären Spielzeit innerhalb von nur sechs Sekunden zum 92:92 aus. In der Verlängerung setzte sich dann die individuelle Klasse der Tübinger durch: Reed Timmer erzielte sieben seiner 33 Punkte in der Overtime.

Mit unterschiedlichen Gefühlen gingen zwei ehemalige Kirchheimer Spieler vom Parkett: Elijah Allen markierte mit 14 Punkten und elf Rebounds gegen Hanau sein erstes Double-Double. Besnik Bekteshi hingegen steuerte zwei Assists bei, blieb in 17 Minuten Spielzeit jedoch ohne Korberfolg. Der Kirchheimer blieb auch in seinem zweiten Spiel im Trikot der Tigers eher blass.