Basketball

Eine frische Brise von der Insel

Basketball Rohndell Goodwin ist der erste US-Neuzugang bei den Knights. Der 27-jährige Shooting Guard kommt aus der ersten Liga in England. Von Bernd Köble

Erst die Pflicht, dann die Kür - nachdem die Tinte unter dem Vertrag des vorerst letzten deutschen Spielers getrocknet war, ist es still geworden um Kirchheims Basketballer und deren Personalpläne für die neue Saison. Jetzt können die Knights den ersten US-Neuzugang vermelden: Mit dem Kalifornier Rohndell Goodwin bleiben die Ritter in puncto Einkaufspolitik ihrer seitherigen Linie treu: Flexibilität statt Spezialisierung, größtmögliche taktische Freiheit durch Spieler, die in der Lage sind, in mehrere Rollen zu schlüpfen. Goodwin ist so einer: 27 Jahre alt, 1,96 Meter groß. Einer, der auf den Positionen eins bis drei spielen kann und dabei einiges an Physis mitbringt. Schnell genug auf den Beinen, „um auch die Zwei erfolgreich verteidigen zu können“, wie Knights-Sportchef Christoph Schmidt betont, und groß genug, um auch unterm Korb ein ernst zu nehmender Gegner zu sein.

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Goodwin gilt trotz seiner 27 Jahre als Rookie. Erst im vergangenen Frühjahr wechselte er aus der College-Liga NCAA, wo er für die Chaminade University in Honolulu auf Hawaii am Ball war, nach England. Vom Pazifik auf die britische Insel, die erste Landnahme in der Alten Welt ist gleichzeitig der Versuch, in europäischen Top-Ligen Fuß zu fassen. Ein Jahr lang trug er das Trikot der Bristol Flyers, dem Tabellenfünften der britischen BBL, einer Liga mit ähnlichem Niveau wie in der Pro A hierzulande. Mit knapp 15 Punkten und 5,5 Rebounds pro Spiel war er dort eine der wichtigsten Stützen. Zumal einer, den man auch jenseits der Dreierlinie nicht ungestraft aus den Augen lässt. Eine Wurfquote von 40 Prozent - 2,3 Dreier im Schnitt - brachten ihm in seiner letzten Saison auf dem College einen Spitzenplatz in der Pacific West Conference ein.

Schwitzen in der Mörikehalle

Kirchheims Headcoach Mauricio Parra ist vor allem vom „Eins-gegen-eins-Spiel“ des Shooting Guards überzeugt. Auf seinen nächsten Baustein im System muss Parra allerdings noch warten. Goodwin verbringt bis zum offiziellen Trainingsstart am 15. August noch Zeit in seiner kalifornischen Heimatstadt Oakland. Dafür ist der Rest der Mannschaft schon fast komplett beisammen und offenbar heiß - was nicht nur an der anhaltenden Bruthitze liegt. Parra jedenfalls freut sich über motiviertes Personal. Kapitän Andi Kronhardt ist früher als geplant aus dem Urlaub zurückgekehrt. Tim Koch und Brian Wenzel sind schon länger zurück und auch die Neuzugänge Constantin Ebert und Kevin Wohlrath sind drei Wochen vor dem eigentlichen Trainingsbeginn bereits von Würzburg beziehungsweise Berlin nach Kirchheim umgezogen. Phillip Daubner wird noch diese Woche als Letzter aus Paderborn hinzustoßen. Parra lud ein und alle kamen. Individualtraining auf freiwilliger Basis, das hieß Dienstag am späten Nachmittag schwitzen zur heißesten Tageszeit am heißesten Tag des Jahres. Glücklicherweise in der deutlich kühleren Ötlinger Mörikehalle, nachdem die Sporthalle Stadtmitte während der beiden ersten Ferienwochen geschlossen bleibt.

Parra startet durch und legt ein strammes Tempo vor. Seit 23. Juli ist der Spanier wieder im Land. Seitdem werden Spielerprofile erstellt, Videos analysiert, Stärken und Schwächen eines jeden Spielers definiert und ganz nebenbei auch trainiert. Freiwillig natürlich, doch der Chef macht klar, was er darunter versteht: „Ein freiwilliges Angebot des Trainers“, meint Parra lächelnd, „das nimmt man besser an.“