Attraktive Arbeitgeber

Ein großes Potenzial zur Nachqualifizierung vorhanden

Fachkräftesicherung: Eine Million An- und Ungelernte könnten helfen

Würden im Verkauf, in der Lagerwirtschaft, bei Köchinnen und Köchen, in der Metallbearbeitung und bei MalerInnen und LackiererInnen lediglich 15 Prozent der arbeitslosen HelferInnen zur Fachkraft weitergebildet, könnte der Bedarf an Fachkräften in Gänze gedeckt werden. Foto: Jörg Bächle

pm. In Deutschland können zurzeit mehr als 350.000 Stellen nicht besetzt werden, weil Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung fehlen. Gleichzeitig suchen mehr als eine Million An- und Ungelernte nach Tätigkeiten, für die es weniger Stellen als Arbeitslose gibt. Eine mögliche Lösung: Die gezielte Nachqualifizierung dieser Zielgruppe zu Fachkräften im angestrebten Tätigkeitsfeld könnte die Fachkräftelücke um 83.000 offene Stellen reduzieren und bei einigen Berufen sogar vollständig schließen. Dieses Potenzial zeigt eine Studie aus dem vergangenen Jahr des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage

In 16 Berufen besteht großes Potenzial zur Nachqualifizierung Insgesamt gibt es über 400 Berufe, die üblicherweise eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. In 64 dieser Fachkraftberufe kommen Menschen ohne Berufsausbildung – also auf Helferniveau – zum Einsatz. Von diesen 64 werden 16 Berufe als Potenzialberufe bezeichnet, denn hier könnte die Fachkräftelücke durch eine Nachqualifizierung von An- und Ungelernten reduziert und in einigen Fällen sogar vollständig geschlossen werden. Würden im Verkauf, in der Lagerwirtschaft, bei Köchinnen und Köchen, in der Metallbearbeitung und bei MalerInnen und LackiererInnen lediglich 15 Prozent der arbeitslosen HelferInnen zur Fachkraft weitergebildet, könnte der Bedarf an Fachkräften in Gänze gedeckt werden. In der Altenpflege hingegen ist die Fachkräftelücke mit über 18.000 offenen Stellen aktuell so hoch, dass selbst die Qualifizierung der mehr als 15.000 arbeitslosen PflegehelferInnen nicht ausreichen würde, um dem Bedarf an Fachkräften nachzukommen. Das Gleiche gilt in der Gesundheits- und Krankenpflege. Doch auch im Pflegebereich kann die Nachqualifizierung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten.

Qualifizierungsstrategien

Die Nachqualifizierung von an- und ungelernten Arbeitslosen ist jedoch kein Selbstläufer. Sie setzt gute und praxisnahe Konzepte, hohe Motivation, Durchhaltevermögen, engagierte Unterstützung und Begleitung voraus. Die Qualifizierungsstrategie sollte daher die Altersstruktur, den Anteil Beschäftigter in Teilzeit sowie weiblicher oder ausländischer Angestellter des jeweiligen Berufs berücksichtigen. Je nachdem, welche besonderen Strukturen ein Beruf aufweist, können unterschiedliche Maßnahmen bei der Qualifizierung von An- und Ungelernten sinnvoll sein. So empfiehlt sich für die Weiterbildung junger HelferInnen eine assistierte Ausbildung, während bei älteren Beschäftigten eher Teilqualifikationen das Mittel der Wahl sein sollten, da diese Schritt für Schritt berufsbegleitend zum Abschluss führen. Ist ein Beruf durch eine hohe Teilzeitquote geprägt, kann eine begleitete Ausbildung in Teilzeit eine sinnvolle Alternative sein. Bei einem hohen Anteil an ausländischen An- und Ungelernten sollte zunächst geprüft werden, ob ausländische Berufsabschlüsse zumindest teilweise anerkannt werden können, um dann maßgeschneiderte Qualifizierungen anzuschließen. „Die Fachkräftesituation wird sich durch den demografischen Wandel weiter verschärfen. Daher gilt es künftig, die Potenziale von An- und Ungelernten bei der Fachkräftesicherung noch intensiver zu nutzen. Wichtig hierbei ist für Unternehmen eine vorausschauende Personalplanung, eine konkrete Ansprache der Zielgruppe und eine Personalrekrutierung, die vorhandene Kompetenzen identifiziert und zugleich Potenziale der Qualifizierung mitdenkt“, so Studienautorin Sabine Köhne-Finster.