Berufsausbildung

Powerfrau am Bau und Content Creatorin

Maurermeisterin Julia Schäfer präsentiert sich erfolgreich auf Instagram und TikTok

Julia Schäfer auf Instagram und TikTok: @tschulique. Foto: Bauwirtschaft BW

pm. Tagsüber schafft sie auf der Baustelle, abends teilt sie ihre Erlebnisse mit fast fünfhunderttausend Followern in sozialen Netzwerken: Julia Schäfer ist beides - engagierte Maurermeisterin und erfolgreiche Content Creatorin. Mit Fotos, Videos und frechen Kommentaren schildert sie realitätsnah und humorvoll ihre Arbeitswelt. Ihr Ziel: „Ich will junge Frauen für die Bauberufe begeistern!“

Julia Schäfer liebt ihren Beruf. Schon als Kind hat sie ihren Vater auf die Baustelle begleitet. Heute ist das quirlige Energiebündel anerkannte Bau-Führungskraft und möchte ihren abwechslungsreichen Arbeitsalltag mit keinem Bürojob tauschen. Das elterliche Unternehmen in Kraichtal, in das sie vor ein paar Jahren eingestiegen ist, baut hauptsächlich Wohnhäuser, Gewerbehallen und öffentliche Gebäude. Täglich ist die Maurermeisterin mit vollem Einsatz dabei - beim Einschalen, Bewehren und Betonieren, beim Vermessen, Mauern oder Herstellen von Wandputzen und Estrichen. Muskelkraft braucht sie dafür kaum, schließlich gibt‘s für die meisten Arbeiten auf der Baustelle moderne Baugeräte und –maschinen. Auch digitale Techniken werden in der Baupraxis immer wichtiger. „Ich finde meinen Beruf echt toll. Einfach weil man erleben kann, wie aus dem Nichts in wenigen Monaten ein komplettes Bauwerk entsteht – auch dank meiner Arbeit. Das ist der Wahnsinn“, erklärt die 29-Jährige.

Mit der gleichen Leidenschaft wie in ihrem Job powert Julia Schäfer seit gut zwei Jahren auch bei Instagram und TikTok. Vor allem junge Nutzer begeistert sie mit ihrer Energie und ihrer Leidenschaft: Fast fünfhunderttausend Follower lesen unter @tschulique regelmäßig ihre Posts rund ums Bauen. „Ich will den Mädels und Jungs einfach zeigen, wie die Arbeit am Bau konkret abläuft und dass es unglaublich spannende Aufgaben gibt“, erklärt Julia. Von ihrer Community bekommt sie unzählige positive Rückmeldungen. Wann immer möglich, nimmt sie sich Zeit, um auf Fragen und auch kritische Kommentare zu antworten. „Ein Vorbild für junge Frauen? Ja, das bin ich vielleicht. Gerade für technikaffine Mädchen ist es wichtig, zu sehen, dass auch wir Frauen am Bau erfolgreich sind.“ Angespornt durch das positive Feedback will Julia Schäfer ihre Social-Media-Aktivitäten noch weiter ausbauen, jetzt auch auf Youtube. „Ich bin mit Herzblut Maurerin und möchte meine Leidenschaft anderen jungen Menschen vermitteln. Es wäre außerdem super, wenn sich mehr Mädchen für die Bauberufe begeistern. Bauen ist Zukunft, und die gestalten nicht nur Männer.“

Obwohl Julia Schäfer in einem Familienunternehmen aufgewachsen ist, war ihr beruflicher Weg alles andere als vorgezeichnet. Nach einem mit „Sehr gut“ bestandenen Hauptschulabschluss machte sie an einer Berufsfachschule mit wirtschaftlichem Schwerpunkt ihre Mittlere Reife und legte schließlich das Wirtschaftsabitur ab. „Eigentlich wollte ich danach Bauingenieurin werden. Aber meiner Mutter meinte, ich soll erstmal eine Büroausbildung abschließen. Doch den ganzen Tag Schreibtischarbeit, das war nicht mein Ding“, erzählt Julia. „Ich hab‘ dann nebenher viel draußen auf unseren Baustellen gejobbt. Und schnell war mir klar: Ich will Maurerin werden.“ Also folgte eine Maurer-Ausbildung im elterlichen Betrieb, danach der Gesellenabschluss und die Qualifikation als Meisterin.

Dass sie als Frau in einem Beruf tätig ist, der immer noch überwiegend von Männern geprägt ist, bereitet Julia Schäfer keinerlei Probleme. „Wichtig ist, dass man mit dem nötigen Selbstbewusstsein auftritt. Sobald die Kollegen sehen, was man draufhat und dass man an sich glaubt, wird man schnell als gleichberechtigt akzeptiert“, so ihre Erfahrung. „Das gilt aber genauso für Männer. Auch die müssen sich behaupten.“ Ihre Selbstsicherheit hat die junge Maurermeisterin vor allem durch ihre Ausbildung gewonnen: „Wenn man merkt, dass man sein Handwerk beherrscht, macht einen das richtig stark.“

Mehr junge Frauen für eine Ausbildung in den Bauberufen gewinnen – das könnte aus Julias Sicht helfen, dem Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft entgegenzuwirken. Dazu müssten sich aber auch die Bauunternehmen von alten Rollenbildern lösen: „Die Betriebe sollten umdenken und verstärkt Mädchen eine Chance für ein Praktikum geben. Dadurch bekommen sie sicher mehr Nachwuchskräfte. Außerdem hat der Bau echt was zu bieten: supermoderne Baumaschinen, Digitalisierung auf allen Ebenen, Top-Aufstiegschancen, gute Verdienstmöglichkeiten und krisenfeste Arbeitsplätze!“

Infos zu den Bauberufen: www.bau-dein-ding.de, www.bildung.bauwirtschaft-bw.de