Leserbriefe

Sprachverirrung, Sprachverwirrung

Leserbrief zum Artikel „Ära endet: Landfrauen lösen Kirchheimer Ortsverein auf“ vom 1. Juni

Die Ära des Vereins der Landfrauen Kirchheim endet, dafür haben andere markante Einschnitte in die Zeitläufte längst begonnen. Dass sich aber die engagierten Damen des besagten Vereins in der Pressemitteilung über dessen Auflösung noch den mannigfaltigen emanzipatorischen Versuchen anschließen, die Welt durch die zuweilen etwas befremdlich wirkende Verwendung von weiblichen Endungen besser zu machen und auf diese Art Geschlechtergerechtigkeit zu erzeugen, hat mich doch etwas überrascht. Man ist heute ja schon einiges an zuweilen verstörenden Eingriffen in den Sprachgebrauch gewöhnt, wie etwa die immer häufiger gebrauchte Form „Gästin“, um eine eingeladene Person weiblichen Geschlechts oder solche im Publikum korrekt anzureden (allerdings ist mir erstaunlicherweise der Ausdruck „zu Gästin“ noch nie untergekommen, bisher waren alle Frauen noch „zu Gast“).

Ein für mich neuer Höhepunkt unter diesen Versuchen findet sich auf alle Fälle gegen Ende besagter Pressemeldung in der Information, dass der Verein der Landfrauen zu seinen besten Zeiten mehr als 80 „Mitgliederinnen“ gehabt habe. Da hätte ich konsequenterweise auch erwartet, dass von der „Gründungsmitgliedin“ die Rede ist und nicht vom „Gründungsmitglied“. Und vielleicht, zu Ende gedacht, sollte das Stadtarchiv doch froh sein über die „Schätzin“ und nicht den „Schatz“, den es mit den vielen Dokumenten (Dokumentinnen?) bekommen hat, geht es darin doch ausschließlich um das Werk der vielen aktiven Frauen, denen für ihr großes Engagement auf alle Fälle zu danken ist.

Josef Janisch, Kirchheim