Kirchheim

Alle sind glücklich

„Teichnixe Josefa und das Ungeheuer“ in der Naberner Zehntscheuer

Kirchheim. „Pass auf, hinter dir...“ rufen die Kinder.“ „Was ist denn?“, fragt der Erzähler scheinbar ahnungslos und dreht sich natürlich nicht um. Sonst würde er die Seeungeheuer sehen und erschrecken. Ja, es gibt noch das lebendige Kindertheater, bei dem die Kinder voll und ganz dabei sind und bei jenem Spieler auf der Bühne stehen, der die Kinder zu fesseln vermag.

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Solche Momente sind geschehen in Nabern, wo im Rahmen von „Szenenwechsel“, den Kinder- und Jugendtheaterwochen, Theater für Grundschulen angeboten wurde. Der Andrang war groß. So wurde zu den zwei vorgesehenen Aufführungen eine dritte eingerichtet. Der Zuspruch liegt bestimmt auch daran, dass Eckard Brosig vom Bürgerverein Zehntscheuer schon seit zehn Jahren diese Theatertradition lebendig hält.

Zuständig für das Theatervergnügen waren dieses Jahr die Künstler Vladislava und Christoph Altmann. Er, schwäbischen Ursprungs, hat schon als Kind Zirkusprogramme eingerichtet und hat während seines Studiums in einer Band gespielt. Sie, eine Tschechin, beschäftigte sich mit Gesang und Schauspielerei, hatte beruflich mit Kindern zu tun und hat auch selbst welche. Beide übten soziale Berufe aus. Sie beschlossen zu heiraten und als freie Künstler zu arbeiten, speziell auf dem Gebiet des Kindertheaters. Sie entwickeln ihre Stücke selbst, es sind mittlerweile 20, von denen auch CDs produziert wurden.

Es ist nun spürbar und erfreulich, wie dieses „Vorleben“ der Künstler in dem Stück und der Inszenierung von „Teichnixe Josefa und das Ungeheuer“ fruchtbar wird. Die beiden haben ein Märchen erfunden, in dem sie bewährte Märchenmotive einsetzen. Die Teichnixe hat einen Wunsch: Sie hat Sehnsucht nach dem weiten blauen Meer, obwohl sie eigentlich lustig und zufrieden mit ihren Freunden Fritzchen Frosch und Ente Emma leben könnte. Endlich kommt der weit gereiste Lachs Lesse zu Hilfe, der sie schließlich ins Meer führt. Nachdem das Meeresungeheuer besiegt ist, nicht durch Kraft, sondern mithilfe des Gehirns und der Zuschauer, kann die Nixe im Meer leben und ab und zu ihre alten Freunde besuchen.

Alles ist selbst produziert und passt zusammen auf der Spielfläche, die der Balkenkonstruktion der Zehntscheuer abgerungenen ist. Die beiden Künstler kennen sich mit der Altersstufe ihres Publikums aus. Sie setzen eine farbenfrohe Kulisse ein, das Publikum wird immer wieder auf selbstverständliche Art zum Mitmachen animiert. Dabei schaffen immer wieder eingebaute Rätsel Kontakt mit dem Publikum. Die beiden Akteure spielen mit schnellen Kleiderwechseln verschiedene Rollen, vor allem spielen sie aber mit Puppen in verschiedenen Stimmlagen. Es gibt lustige Verfolgungsjagden, musikalische Einspielungen und schöne Lieder. Es ist frappierend, mit welch einfachen Mitteln – durch Tuch- und Beleuchtungseffekte – eine Meeresatmosphäre gezaubert wird. Der Erzähler schafft immer wieder Ruhepunkte und Orientierung.

So vergeht eine dreiviertel Stunde, also eine Schulstunde, wie im Flug. Die war höchst vergnüglich und man konnte viel lernen, ohne es zu merken.