Kirchheim

Der lange und komplizierte Weg zum Lichterzauber

Vorweihnacht Der Kirchheimer Gastronom und Veranstaltungsprofi Gunnar Stahlberg verwandelt den Marstall-Garten erstmals in ein „Winter Wunderland“. Von Günter Kahlert

Gunnar Stahlberg wirkt irgendwie erleichtert. Seit mehr als einem halben Jahr hat er sein Lieblingsprojekt „Winter Wunderland“ geplant, zwischenzeitlich stand es auch mal auf der Kippe, aber seit vergangenen Freitag läuft die Sache. „Ich habe das total unterschätzt“, gesteht er ein. Unterschätzt hat Stahlberg nicht die Veranstaltung an sich, die haben er und seine Mannschaft im Griff. Das hat nicht zuletzt das ebenfalls von ihm initiierte Kirchheimer „Streetfood Festival“ bewiesen. Es ist der Marstall-Garten, eine schwierige „Location“. Eigentümer ist das Land, verwaltet wird er von der „Vermögen und Bau BW“ in Ludwigsburg, verpachtet ist er an die Stadt. Damit aber nicht genug. Bei Stahlbergs ursprünglicher Idee, die Kasematten unter dem Schloss mit vier Themenbars zu nutzen, kam auch noch die Schlossverwaltung Bebenhausen ins Spiel. Zu der gehört das Kirchheimer Schloss. Klingt ganz schön kompliziert, ist es auch. Zahlreiche Begehungen und Besprechungen waren die logische Konsequenz.

Rückschläge für Gunnar Stahlbergs Ursprungskonzept sind da fast schon vorprogrammiert. Kasematten - geht nicht wegen fehlendem zweiten Fluchtweg; Streetfood-Trucks unter den Bäumen - geht nicht, weil die tonnenschweren Lkw die Wurzeln nachhaltig beschädigen könnten. Aber er ist Pragmatiker: „Es bringt ja alles nichts, wenn es nicht funktioniert.“ Also stehen die fünf Trucks jetzt entlang des Marstalles auf den Parkplätzen des Seminars und der Bar-Gedanke in den Kasematten wurde gekippt.

Was sich aber jetzt so liest, als hätte man dem Kirchheimer vor allem Steine in den Weg gelegt, war überhaupt nicht so. „Es ist unglaublich, wie alle zusammengearbeitet haben und an der Veranstaltung interessiert waren“, lobt er ohne Einschränkung das Engagement aller Beteiligten. Den letzten Knoten durchschlagen hat Kirchheims Bürgermeister Günther Riemer, der eine Woche vor der Eröffnung einen runden Tisch mit allen städtischen Ämtern und Gunnar Stahlberg einberufen hat. „Alles wurde geklärt in einer Stunde an einem Tisch“, ist der Macher von „Winter Wunderland“ begeistert.

Jetzt hat er eine dicke Mappe an Genehmigungen und einen unglaublich schön illuminierten und gestalteten Marstall-Garten. Es hat tatsächlich was von „Wunderland“: lange Lichterketten mit tausenden von LEDs um die Bäume im Marstall-Garten und im Glühweinzelt, der Ostflügel des Schlosses farbig angestrahlt, das Gleiche beim gegenüberliegenden Marstall. Und dann ist da noch die Deko im Garten. Christbäume aus Holz, ebenso wie die Schneemänner. Auch da war wochenlange Arbeit notwendig. „Wir haben aus 120 Euro-Paletten Deko, Tische und Bar gemacht“, schildert er die Vorarbeiten.

Zentraler Treff ist das Glühwein-Zelt. 18 Meter lang ist die Bar, das ist rekordverdächtig. Neun verschiedene Sorten Glühwein und Punsch werden ausgeschenkt, wer Kaltgetränke mehr schätzt, wird mit Bier, Prosecco, Saft oder Mineralwasser versorgt. Die ersten Tage zeigen schon: Es ist eine total entspannte Atmosphäre. Es läuft Musik unterschiedlichster Richtungen, in der richtigen Lautstärke, damit man sich auch noch unterhalten kann. „Wir wollten hier keinen zweiten Weihnachtsmarkt installieren, deshalb gibt es auch keine Weihnachtsdeko oder Ähnliches zu kaufen “, erklärt Gunnar Stahlberg sein Konzept.

Mit den Betreibern der Streetfood-Trucks hat der detailversessene Perfektionist vereinbart, dass sie ihr Angebot um weihnachtliche Akzente anreichern. Also gibt es jetzt beispielsweise Süßkartoffel-Pommes mit Vanille-Orange-Soße, Pulled Pork mit Apfel-Rotkraut oder den Juicy Bacon Burger mit zimtiger Speckmarmelade.

Gunnar Stahlberg kann zurecht stolz sein auf sein „Winter Wunderland“ im Kirchheimer Marstall-Garten.

Info Das „Winter Wunderland“ ist bis Samstag, 23. Dezember, täglich von 17 bis 23 Uhr geöffnet.

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