Kirchheim

Die ersten Bauzäune sind bemalt

In Kirchheim fällt der offizielle Startschuss für das 27-Millionen-Euro-Projekt Campus Rauner

Das teuerste Schulbauprojekt, das es in Kirchheim je gab, hat begonnen: In den kommenden Jahren entsteht der Campus Rauner – für 27,4 Millionen Euro.

Der Rhythmus im Rauner stimmt: bei der Trommelgruppe sowieso, derzeit aber auch noch beim Zeit- und Kostenplan für Kirchheims gr
Der Rhythmus im Rauner stimmt: bei der Trommelgruppe sowieso, derzeit aber auch noch beim Zeit- und Kostenplan für Kirchheims größtes Schulbauprojekt.Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Von einem historischen Projekt für Kirchheim sprach Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker beim offiziellen „ersten Spatenstich“. Ein Spaten war allerdings weit und breit nicht zu sehen – aus gutem Grund: Schließlich war die alte Turnhalle der Raunerschule schon während der Sommerferien abgerissen worden. An deren Stelle klafft nun ein großes Loch, aus dem in den nächsten anderthalb Jahren das erste von zwei Lernhäusern erwachsen soll. Die Bagger, die anstelle eines Spatenstichs auch gerne zum ersten Baggerbiss anrollen, haben also bereits ganze Arbeit geleistet.

Was also gab es zu tun, wenn schon „gestochen“ und „gebissen“ war, das Feld für den Campus Rauner sich also bereits bestens bestellt präsentierte? Die Stadt Kirchheim und die beteiligten Schulen zeigten sich findig: Es wurden schlichtweg die ersten Bauzäune bemalt und beschrieben. Während Schüler ihre Händeabdrücke in allen möglichen Farben hinterließen, schrieb die Oberbürgermeisterin eigenhändig ein Zitat von Edgar Degas auf die vorbereitete Bauzaunwand: „Kunst ist nicht das, was man sieht, sondern das, was man anderen zu sehen hilft.“ In diesem Sinne hofft sie, dass auf den Bauzäunen rund um den neuen Campus noch viele weitere Kunstwerke entstehen werden –gegebenenfalls auch als praktischer Beitrag des Kunstunterrichts an der Raunerschule.

Immerhin wird das Lernen und das Unterrichten auf dem neuen Campus auch sonst neu definiert. Das Besondere am historischen Bauprojekt sind ja nicht allein die Kosten: „Dies ist ein einmaliger Schulcampus für die Region. Wenn 2019 die Teck-Realschule hier einzieht, sind zwei Schulen unter einem Dach vereint.“ Angedacht sei eine Verbundschule, in der zunächst der reguläre Unterricht weiterhin getrennt stattfinde. Langfristig sei aber an die Zusammenlegung zu einer einheitlich geführten Gemeinschaftsschule gedacht.

Hinzu kommt zu diesem Zusammenwachsen das individuelle Lernen, mit einer ganz neuen Organisation der Räume, und natürlich die Entwicklung hin zur Ganztagsschule. „Freut euch drauf“, sagte Angelika Matt-Heidecker zu den Schülern, wobei sie gleich zwei wesentliche Vorteile nannte: „Erstens gibt es keine Hausaufgaben mehr.“ Stattdessen gebe es an der Schule Zeiten und Kurse zum gemeinsamen Lernen und zum Arbeiten an den individuellen Aufgaben – die den Schülern natürlich immer noch bleiben, denn „Arbeiten muss man trotzdem“. Zweitens gebe es auf dem Campus Rauner ein großes Angebot an Arbeitsgemeinschaften, sodass im Schulalltag noch genügend Zeit bleibe für Sport und Hobbys.

Deshalb stand für die Oberbürgermeisterin schon beim Bauzaunbemalen fest: „Hier schaffen wir ein optimales Lernumfeld und ideale Bedingungen für die Ganztagsbetreuung.“ Auch Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen können diese Schule künftig besuchen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Auf dem Campus Rauner ist also auch die Inklusion architektonisch vorbildlich eingebunden in das Gesamtkonzept.

Einschränkungen und starke Abweichungen vom Optimalen mögen manche Eltern angesichts einer mehrjährigen Baustelle fürchten. Vielleicht zögern sie deshalb damit, ihre Kinder derzeit an der Rau­nerschule anzumelden. Die Oberbürgermeisterin zeigte aber anhand der eigenen Familie auf, wie sich in diesem Fall aus der Not eine Tugend machen lässt: „Unser jüngster Sohn ging schon im Kindergarten auf eine Baustelle, später an der Alleenschule und anschließend am LUG. Und heute? Heute ist er Architekt.“

Das war zwar nicht die direkte Überleitung zum Thema „Baukosten“. Aber immerhin sei beim „teuersten Projekt der Stadt“ bislang alles noch im Rahmen. Beim einzigen, was gegenüber der Planung gestiegen ist, handelt es sich erfreulicherweise um den Zuschuss durch die Schulbauförderung des Landes Baden-Württemberg. Statt mit fünf Millionen kann die Stadt sogar mit 6,5 Millionen Euro rechnen, sodass sie noch gut 21 Millionen Euro anderweitig zu finanzieren hat.

Die beiden Schulleitungen gingen zum „Bauzaun-Spatenstich“ noch kurz auf eigene Aspekte ein. Annette Wolf von der Raunerschule griff das Stichwort vom „Lernraum als dem dritten Pädagogen“ auf und sagte: „Die Zeiten, in denen Schüler im Gleichschritt zur gleichen Zeit die gleichen Aufgaben bewältigt haben, sind vorbei. Auch Gänge und Flure werden künftig Lernorte sein.“

Dr. Ralf Streicher betonte dagegen, dass die Teck-Realschule sich noch am alten Standort befinde. „Jetzt sind wir noch Gäste hier.“ Der „Spatenstich“ im Rauner sei also auch ein Signal in Richtung Abriss der „alten“ Teck-Realschule. Die Frage, ob das ein Grund zum Feiern sei, beantwortete er auf seine Weise: „Veränderungen bieten die Chance zu einer konstruktiven Weiterentwicklung. Nutzen wir diese Chance.“

Die ersten Bauzäune sind bemalt
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