Kirchheim

Die „Geli“ geht baden

Fasnet Kirchheimer Kloster-Deifel übernehmen die Macht im Rathaus und zerren die Oberbürgermeisterin wegen ihrer Verfehlungen vors Narrengericht. Von Andreas Volz

Die Deifel sind los! Sie haben gestern ihr Kloster endgültig verlassen und sind ins Kirchheimer Rathaus eingezogen. Der „Geli“ hat es nichts gebracht, dass sie sich von ihren tapferen Mitarbeitern mittels Konfetti-Kanonen verteidigen ließ. Am Ende musste sie den Rathausschlüssel an Zunftmeister Holger Böhm abgeben.

Ihrer Kostümierung nach hatte die Oberbürgermeisterin wohl noch rechtzeitig vor dem Rathaussturm der Kloster-Deifel auf Tauchgang gehen wollen. Diese Absicht wäre allerdings gründlich misslungen, denn die Kloster-Deifel zerrten sie unbarmherzig vors Narrengericht. Dort wiederum passte die altertümliche Badebekleidung hervorragend zum Hauptvorwurf des Zunftmeisters: „Theater ums Baden“. Das Freibad öffnet wegen der Umbauarbeiten dieses Jahr erst Ende Juni. „Gelis“ geschickte Verteidigung: „Wir wollen die großen Lindenbäume, die ein Aushängeschild unseres Freibads sind, retten. Deswegen müssen wir um die großen Wurzeln rumgraben. Das dauert halt zwei Wochen länger.“ Das „Pre-Opening“ stellte sie aber schon für 1. Juni in Aussicht. Holger Böhm nahm sie beim Wort: „Dann stehen wir alle am Freibad.“

„Stehen“ ist ein gutes Stichwort, denn das Sitzen im Rathaus war ein weiterer Vorwurf: Neue Stühle soll der Sitzungssaal bekommen - und das, wo die alten doch erst 50 Jahre alt sind. Holger Böhm empfahl einen IKEA-Katalog: „Da sind die Stühle günstiger.“ Mit dem gesparten Geld könne die Stadt eine bessere Beschallungsanlage anschaffen: „Dann versteht man die Frau Holle besser, wenn sie ihre Geschichte zum Adventskalender vorliest.“

Lob gab‘s aber auch vom Zunftmeister - sowohl für die „Geli“ als auch für die vielen Hästräger und für die vielen Zuschauer beim Jubiläumsumzug letzten Samstag. Die „Geli“ gab das Lob für den Umzug umgehend zurück: „Das habt ihr toll gemacht. So viele Leute haben friedlich gefeiert. Das war sensationell.“

Nachdem die abgesetzte Rathauschefin auch noch sich selbst und die gesamte Bürgerschaft Kirchheims mit einem Scheck freigekauft hatte, verkündete Holger Böhm die närrischen Regeln für die tollen Tage. Oberstes Gebot: „An Wirtshäusern darf bis Aschermittwoch nicht vorbeigegangen werden.“ Schließlich wacht die Narrenzunft eisern darüber, dass auch die Kirchheimer die Fasnet zünftig feiern. Spaß und Narretei sollen die Stadt jetzt regieren, mit einer Einschränkung; „Jedem zur Freud, niemand zum Leid.“Fotos: Markus Brändli

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