Kirchheim

Ferienwaldheim trotz(t) Corona

Betreuung Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim hat ihr Ferienangebot an sämtliche Hygieneregeln angepasst. Für 160 Kinder und Jugendliche gibt es sieben unterschiedliche Standorte. Von Andreas Volz

Essen nach Corona-Regeln beim Ferienwaldheim in der Mensa des Ludwig-Uhland-Gymnasiums: Oberbürgermeister Bader schaut maskenges
Essen nach Corona-Regeln beim Ferienwaldheim in der Mensa des Ludwig-Uhland-Gymnasiums: Oberbürgermeister Bader schaut maskengeschützt zu. Foto: Markus Brändli

Ferienwaldheim - geht das überhaupt? „Eine Woche vor dem Lockdown hat die Anmeldung begonnen“, erzählt der Gesamtleiter Klaus Onischke. Dann begann das lange Warten: „Erst nach Pfingsten war klar, dass wir überhaupt ein Angebot machen können. Als das feststand, haben wir alle Eltern angeschrieben.“ Nur drei Familien haben ihre Kinder abgemeldet. Die anderen haben sich teilweise überschwenglich bedankt. Klaus Onischke wertet das als klares Zeichen, aber auch als klaren Auftrag: „Die Eltern bringen uns da großes Vertrauen entgegen.“

Was den Aufwand betrifft, den die Waldheim-Macher betreiben, ist das Vertrauen gerechtfertigt. Sie haben das Konzept für Kirchheim quasi neu erfunden. In den vergangenen Jahren gab es zwei Standorte: Die Jüngeren waren am Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG), die Älteren, also die 12- bis 14-Jährigen, waren im CVJM-Vereinsheim im Doschler. Dieses Mal reicht das nicht aus. Die Zahl der Standorte ist angewachsen.

„Zum Glück haben wir in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde viele Gemeindehäuser“, meint Klaus Onischke. Außer LUG und Doschler gibt es im Corona-Sommer also auch Waldheim-Gruppen an der Auferstehungskirche, an der Thomaskirche, auf dem Schafhof, in Ötlingen sowie im Jugendhaus in der Ziegelstraße. Ergebnis: „Normalerweise springen hier 160 Kinder herum“, erklärt Klaus Onischke Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader beim Ortstermin. Jetzt sind es gerade einmal 15 Kinder - wie an jedem anderen Standort auch.

Außer der räumlichen gibt es noch die zeitliche Trennung. Um alle Anmeldungen wenigstens eine Woche lang „bedienen“ zu können, gab es nach der ersten Woche einen kompletten Schichtwechsel: Am gestrigen Montag gingen an jedem Standort neue Kindergruppen an den Start - und mit ihnen auch gleich neue Mitarbeitergruppen. Nach aktuell gültigen Corona-Verordnungen hätten die Teams zwei Wochen lang pausieren müssen, bevor sie eine neue Gruppe hätten übernehmen dürfen.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen stolz sind auf ihre Mitarbeiter. Pfarrer Axel Rickelt - innerhalb der evangelischen Gesamtkirchengemeinde für die Jugendarbeit zuständig - betont: „Da hat niemand gesagt, nein, bei einem Corona-Waldheim mache ich nicht mit.“ Viele Team-Mitglieder sind schon seit zehn Jahren und länger dabei. Waldheim hat für sie Kultcharakter. Klaus Onischke bringt das auf den Punkt: „Wir engagieren uns und machen hier Programm für die Kinder. Aber nebenher ist das Waldheim auch so etwas wie eine Mitarbeiterfreizeit. Das Team lebt zwei Wochen lang in einer Art WG.“

Das alles fällt dieses Jahr weg - nicht aber der Spaß an der gemeinsamen Arbeit: Ferienbetreuung für Kinder, mit biblischem Hintergrund. Daran ändert auch der Pandemie-Hintergrund nichts, auch wenn zahlreiche klassische Programmpunkte ausfallen: die Wasserspiele der Feuerwehr zum Beispiel, der große Ausflug mit allen, die Übernachtung der Gruppen, das ganz große Gemeinschaftserlebnis mit 160 Kindern.

Kleingruppen haben auch Vorteile

Aber auch im Waldheim ist man in der Lage, aus der Not eine Tugend zu machen: Felix Vogl, der seit 2013 die Leitung des Waldheims für die Älteren innehat, kann auch den Kleingruppen etwas abgewinnen. „Das hat schon auch was. Da kann man die Leute viel mehr ausprobieren lassen. In der Kleingruppe gibt es auch einen ganz anderen Zusammenhalt. Die Kinder sind schneller integriert.“

Auch die Themen sind an Corona angepasst: Damit die Kinder wenigstens sechs Tage miteinander verbringen können, geht die Waldheim-Woche im Corona-Jahr von Montag bis Samstag. Deswegen lautet das Motto am LUG „In sechs Tagen um die Welt“. Jeden Tag steht einer der sechs Kontinente im Mittelpunkt. Bei den Älteren im Doschler heißt das Thema „Mission impossible“, wobei das „im“ auch weggelassen werden kann. Das ist sinnbildlich für den Sommer 2020: Die „Mission Waldheim“ ist eigentlich unmöglich. Das Team macht sie aber trotzdem möglich - gemeinsam mit den Kindern und deren Eltern.

Wie sich die Corona-Pandemie auf den Alltag im Ferienwaldheim auswirkt

160 Kinder betreut das Ferienwaldheim insgesamt, verteilt auf zwei Wochen und sieben Standorte.

Zentral ist nur die Küche, in der Mensa am LUG. Ein junges, engagiertes Team kocht für alle Teilnehmer und Mitarbeiter. Direkten Kontakt gibt es nicht. Sonst wäre auch das Küchenteam nach einer Woche auszuwechseln. Dass in der Mensa überhaupt gekocht werden kann, steht erst seit gut zwei Wochen fest.

Zwei Springer fahren Essen und Material hin und her. Sie übergeben alles kontaktlos. Sonst bestünde die Gefahr, dass diese beiden Infektionen übertragen könnten. Als einen wesentlichen Teil ihrer täglichen Arbeit nennen die Springer das Desinfizieren.

Leichtes Halskratzen genügt schon als Alarm­signal. Bei einem Fall in der ersten Woche konnte aber generelle Entwarnung gegeben werden, was Corona betrifft: Das Halskratzen entpuppte sich als „normale“ Angina.

Verletzungen waren in der ersten Woche so gut wie keine zu verzeichnen. Das könnte daran liegen, dass in kleineren Gruppen, zumal in Corona-Zeiten, weniger ausgelassen getobt wird und dass deswegen auch weniger Gefahr besteht, Füße zu verstauchen.

Kinder der Lebenshilfe gehören seit jeher zu den Teilnehmern des Ferienwaldheims. Dieses Jahr sind es aber nur zwei - corona-bedingt: Etliche Kinder gehören zur Risikogruppe. vol

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