Kirchheim

Kompositionswerkstatt Bach

Barock-Trio um Bernhard Moosbauer spielt im Spitalkeller

Kirchheim. Unter der Überschrift „Kompositionswerkstatt Bach“ wurde von Bernhard Moosbauer, Barock-Violinist, Musikwissenschaftler

und Leiter des Barock-Ensembles „Concerto Imperiale“ ein recht eigenwilliges Konzertprogramm zusammengestellt. Zusammen mit And­reas Scheufler, Cembalo, und Heike Hümmer, Viola da gamba, bot er es im Kirchheimer Spitalkeller dar.

Diese Überschrift, so schillernd und mehrdeutig sie ist, war sicher ganz bewusst gewählt. Man assoziiert mit „Werkstatt“ ja sofort Unfertiges, Experimentelles, gar Reparaturbedürftiges oder einen Blick hinter die Kulissen und ganz gewiss auch Teamarbeit: Mehrere arbeiten an einer Sache und manche müssen auch noch was lernen dabei.

Und das alles verbunden mit dem hehren Namen „Bach“? Sollte hier jemand vom Sockel gestoßen werden? Das ganz gewiss nicht, denn das Programm trägt deutlich die Handschrift des Musikwissenschaftlers Moosbauer, der sich intensiv mit Bach beschäftigt.

Von den fünf dargebotenen Stücken hat jedes je seinen eigenen „Werkstatt“-Charakter. Die einleitende Violinsonate in e-moll zeigt einen Bach, der sich an Vorbildern der Violinmusik vor 1700 orientiert – auch ein Bach hatte offenbar zu lernen, bevor er seine Meisterwerke schreiben konnte. Die nachfolgende Gambensonate in g-moll ist wohl eine Umarbeitung einer ursprünglichen, aber verloren gegangenen Triosonate. Die „Fuge“, die gar keine wirkliche Fuge ist, ist ein Fragment einer verlorenen mehrsätzigen Sonate, bei der auch die Autorschaft Bachs in Frage steht. Und am Schluss die beiden Sonaten F-Dur und G-Dur, die den eigenwilligsten Werkstatt-Charakter haben: Beide haben dasselbe Generalbass-Fundament, das wohl gar nicht von Bach stammt, aber vermutlich von ihm in seinem Unterricht verwendet wurde als Kompositionsaufgabe.

Sein Sohn Carl Philipp Emanuel Bach soll daraus die Triosonate G-Dur (BWV 1038) gemacht haben, die wiederum als Vorlage für die beiden genannten Sonaten des Vaters diente – als wollte er damit demonstrieren, was man aus einer Vorlage alles machen kann. Dabei stellt die F-dur-Sonate eine gekonntere Bearbeitung dar, als die in G-Dur.

Genug des verwirrenden Blicks in die „Kompositionswerkstatt Bach“. Für den Hörer entscheidend ist das, was zum Klingen gebracht wird – und das war durchweg überzeugend. Alle drei Musiker besitzen große technische und stilistische Sicherheit und erreichen im Ensemble einen bewundernswert homogenen Klang, der zugleich da, wo die Komposition es erfordert, jederzeit der Individualität Raum gibt. Bernhard Moosbauer kann sich glücklich schätzen, mit And­reas Scheufler und Heike Hümmer nicht nur eine völlig verlässliche Continuo-Gruppe zu haben, sondern auch Solisten, die virtuose Passagen ebenso bewältigen wie er und zudem wundervolle Impulse beisteuern.

So konnte man das Programm auch ohne jedes Werkstattwissen einfach genießen. Das tat das leider nicht sehr zahlreiche Publikum auch ausgiebig und erklatschte sich begeistert eine Zugabe: ein Andante aus einer A-Dur-Sonate, bei dem zwar auch die Frage der Authentizität offen blieb, aber nicht die Überzeugungskraft.

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