Kirchheim

Moral und Spaß lassen sich beim Müllsammeln verbinden

Vortrag Betriebe, ihre Mitarbeiter und die Allgemeinheit können von ehrenamtlichem Engagement profitieren.

Bettina Hollstein bei ihrem Vortrag über den „Gewinn der Werte“ und den Grund, warum sich Unternehmen engagieren.Foto: Carsten R
Bettina Hollstein bei ihrem Vortrag über den „Gewinn der Werte“ und den Grund, warum sich Unternehmen engagieren. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. „Welchen Sinn verbinden Menschen mit ihrem Handeln?“ Das ist der Forschungsgegenstand von Dr. Bettina Hollstein an der Universität Erfurt. Ihre Antworten sind zwar komplexer als die Frage. Aber vorab zieht sie ein wichtiges Fazit, was die Wirtschaft betrifft: „Engagierte Unternehmen sind engagierten Menschen gar nicht so unähnlich.“

Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter beim ehrenamtlichen Engagement unterstützen, kann das sowohl der Personalentwicklung dienen als auch der Teambildung.

Als Beispiel führt Bettina Hollstein an: „Eine Möglichkeit, die Teambildung zu stärken, ist das gemeinsame Rafting auf einem Fluss. Eine andere Möglichkeit ist die, dass eine komplette Abteilung gemeinsam den Hof des benachbarten Seniorenheims begrünt.“ Das Unternehmen kann sich aber auch an der Müllsammelaktion eines lokalen Umweltverbands beteiligen. Im Idealfall entsteht daraus sogar eine Win-win-win-Situation: Das Engagement ist gut für das Gemeinwohl, für den einzelnen Mitarbeiter und für das Unternehmen.

Der Einzelne steht niemals ganz für sich allein: „Eine Identität lässt sich nur innerhalb eines moralischen Orientierungsrahmens ausbilden.“ Dieser Rahmen wiederum ist abhängig vom kulturellen Raum: „Aber niemand kann sagen, welche Moralquelle die richtige ist, oder gar, warum die eigene die richtige sein sollte.“

Die meisten Handlungen sind Routinehandlungen: „Wir handeln so, weil wir immer so handeln. Wir putzen morgens unsere Zähne, ohne über die Hintergründe nachzudenken.“ Solches Handeln werde erst unterbrochen, wenn Probleme auftauchen: „Dann fangen wir an nachzudenken.“

Beispiel Markungsputz: „Beim ersten Mal mache ich als Mitarbeiter vielleicht nur mit, weil alle mitmachen. Ziel des Handelns ist es, nicht aufzufallen.“ Sobald aber die Uferböschung vom Müll befreit ist, ärgert sich der Mitarbeiter, wenn er dort wieder eine weggeworfene Zigarettenschachtel sieht. Vielleicht entdeckt er auch, dass er mit bestimmten Kollegen beim Müllsammeln gut zurechtkommt, sogar besser als sonst. Ergebnis: „Beim nächsten Mal mache ich wieder mit, aber dann schon aus Überzeugung - oder weil es einfach Spaß gemacht hat.“

Bettina Hollstein fasst zusammen: „Corporate Volunteering ist eine Möglichkeit für einen Betrieb, zu zeigen, wer man ist und wofür man steht.“ Die Motivation für Mitarbeiter bestehe darin, dass Freiräume geschaffen werden, für Kreativität und Teamarbeit. Dadurch sei sogar Gewinn im ökonomischen Sinn möglich - „aber nicht garantiert“.Andreas Volz

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