Kirchheim

Schein gilt mal mehr als Sein

Es hätte alles so schön sein können: Wäre die Bausubstanz nicht so marode gewesen, dann wäre das Restaurant Waldhorn längst schon ein echtes Schmuckstück und ein gastronomisches Vorzeigeobjekt. Die Stadt und ihre Bürger müssten eigentlich froh und dankbar sein, wenn sich jemand dieses Gebäudes annimmt, um es neu zu beleben. Es geht ja um sehr viel mehr als nur um eines der schönsten und stadtbildprägendsten Häuser. Es geht um die Belebung des gesamten Marktplatzes, wenn dort wieder Außenbewirtung stattfindet.

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Nun aber kommt alles ganz anders: Vorgaben, die für Laien nicht nachvollziehbar sind, bringen das Aus für den – zwar schmucken, aber doch maroden – Fachwerkbau. Brandschutz mag ein wichtiges Kriterium sein. Dazu passt dann aber auch kein Holzdachstuhl, denn der könnte sich im Ernstfall als weitaus gefährlicher erweisen, verglichen mit einem Fachwerkgiebel.

Noch immer haftet einer bloßen Fassade etwas Unehrenhaftes an, der Vorwurf, mehr Schein als Sein zu transportieren – und Schwaben mögen es ja lieber umgekehrt. Hier könnte sich ein Blick ins frühere Preußen lohnen: Mitten in Berlin feiert die Fassade des Stadtschlosses fröhliche Urständ. Aber bei einer Fachwerkfassade in der Fachwerkstadt Kirchheim scheint so etwas unerwünscht zu sein.

Kommentar Andreas Volz zur Diskussion um den Fachwerkgiebel