Kirchheim

Wissenschaft versteckt sich überall

Berufsorientierung Akademiker stellen Schülern Zukunftstechnologien vor, schaffen einen Bezug zum Alltag und helfen bei der Berufswahl. Von Sabrina Kreuzer

Anfassen erlaubt: Die alte Prothese aus Kunststoff sieht zwar aus wie ein Bein, ist aber nicht mehr alltagstauglich.Foto: Jean-L
Anfassen erlaubt: Die alte Prothese aus Kunststoff sieht zwar aus wie ein Bein, ist aber nicht mehr alltagstauglich.Foto: Jean-Luc Jacques

Wie gelangt die Farbe in mein T-Shirt? Wer entwickelt Prothesen? Wieso kann ich mein Smartphone nicht mit Handschuhen bedienen? Fragen, die Schüler beschäftigen und nicht immer einfach zu beantworten sind. Dafür sind Molekularbiologin Melanie Schneider und Geoökologin Susanne Fries genau die richtigen Ansprechpartner. Sie sind mit dem Programm „Coaching4Future“ an Schulen in Baden-Württemberg unterwegs, um dort über Mint-Berufe aufzuklären. Zusammen mit den neunten Klassen der Freihof-Realschule in Kirchheim löst Melanie Schneider auf, was Mint eigentlich bedeutet: „M steht für Mathematik, I für Informatik, N für Naturwissenschaft und T für Technik.“

Coaching4Future ist keine gewöhnliche Berufsorientierung. „Wir schauen uns an, wo sich Naturwissenschaft und Technik im Alltag verstecken“, erklärt Susanne Fries. „Dann überlegen wir uns, welche Berufe dahinterstecken.“ Die Schüler dürfen aus sechs Themenbereichen wählen und entscheiden sich für „Menschen helfen“ und „Lifestyle leben“.

„Wenn man Menschen helfen möchte, muss man nicht unbedingt einen Pflegeberuf erlernen“, sagt Melanie Schneider. Sie spielt einen Videoclip ab, der Menschen mit Handicap zeigt. „Sie tragen alle Prothesen“, stellt ein Schüler fest. Genau darum geht es. Susanne Fries reicht eine alte Prothese in der Klasse umher. Diese Prothese sieht zwar aus wie ein Bein, hat aber außer seiner Optik wenig damit gemeinsam.

Früher waren Prothesen aus Holz oder Metall. Heute werden sie aus Carbon gefertigt, und ihre Träger können alles machen, was auch mit einem gesunden Gliedmaß möglich ist. „Eine Handprothese kann 26 von 27 Bewegungen machen“, sagt Melanie Schneider. Nur diese nicht: Sie zeigt den Vulkanischen Gruß aus Star Trek und bringt die Klasse zum Lachen.

Wie präsent Technik und Naturwissenschaft im Alltag sind, wird noch deutlicher, als der zweite Themenbereich dran ist: Lifestyle leben. Dahinter stecken Entwicklungen, die den persönlichen Lebensstil und die Freizeit betreffen. Schnell ist geklärt, warum sich das Smartphone nicht mit Handschuhen bedienen lässt. „Baumwolle leitet keinen Strom. Unsere Haut hingegen schon“, sagt Susanne Fries. Sogenannte Touchscreen-Handschuhe bestehen zu 20 Prozent aus Nylonfäden, die sehr dünn mit Silber beschichtet sind. Dank der hohen Leitfähigkeit kann man so auch im Winter Nachrichten verschicken, ohne dabei frieren zu müssen.

„Es ist super, dass wir die Sachen anfassen und ausprobieren dürfen“, findet ein Schüler. Besonders beliebt sind die intelligente Knete und das Ferrofluid, das auch „flüssiges Metall“ genannt wird. Die Schüler begutachten jedes Exponat genau: den stromerzeugenden Fußball, einen Computer, der mit Handgesten gesteuert wird, oder den Roboter-Greifer.

Einige Schüler können sich durchaus vorstellen, einen Mint-Beruf zu erlernen. So auch Cedric Schlichter: „Ich will auf jeden Fall in die technische Richtung gehen und weiß jetzt, was ich für Möglichkeiten habe.“ Für die anderen hat sich schon der Blick hinter die Kulissen gelohnt. Sie wissen nun, welche Arbeit hinter alltäglichen Produkten steckt.

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