Kirchheimer Umland

„Bis dr Nachtkrabb kommt“

Mundart Der Schwäbische Albverein hatte im Vorfeld seines Landesfests schon einmal in den Kirchheimer Spitalkeller geladen, wo Hanno Kluge und das „Duo Aurezwicker“ die schwäbische Seele analysierten. Von Andreas Volz

Helmut Pfitzer und Reinhold Hittinger vom „Duo Aurezwicker“ haben die Gäste im Spitalkeller mit ebenso lautreinem Schwäbisch unt
Helmut Pfitzer und Reinhold Hittinger vom „Duo Aurezwicker“ haben die Gäste im Spitalkeller mit ebenso lautreinem Schwäbisch unterhalten wie Hanno Kluge (links unten). Schwäbisch war Programm bei der Auftaktveranstaltung zum Landesfest des Albvereins.Foto: Markus Brändli

Der Schwäbische Albverein (SAV) fühlt sich seiner Region verbunden. Dazu gehört außer dem Wandern auf der namensgebenden Alb auch die Pflege der regionalen Musik und regionaler Tänze. Aber auch der Sprache fühlt sich der Schwäbische Albverein verpflichtet - und zwar nicht einfach irgendeiner Sprache. Wer bei der Auftaktveranstaltung zum SAV-Landesfest in Kirchheim mit dem Titel „Mundart und Musik“ im Kirchheimer Spitalkeller war, weiß genau, worum es ging: um „die“ Sprache überhaupt - nämlich um das Schwäbische.

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Gleich drei aktive Schwäbisch-Verfechter hatte der Albverein eingeladen: Helmut Pfitzer und Reinhold Hittinger, die gemeinsam als „Duo Aurezwicker“ firmieren, sowie den Mundartdichter Hanno Kluge aus Böblingen-Dagersheim. Dessen Heimatort klingt schon sehr viel mehr nach Schwäbisch als sein Name. Das weiß er auch selbst ganz gut. Aber er bleibt bei seinem Namen, und das aus gutem Grund: „I han mir au scho mål a Pseudonym ausdenkt g‘het. Aber Hannes Gscheidle hört sich et viel besser å wie Hanno Kluge.“

Abwechselnd führen die drei durch den Abend. Und sie führen ihre Gäste durch die schwäbische Seelenlandschaft. Dazu gehören mitunter Witze und Texte, die man schon kennt. Manche davon bleiben aber richtig gut - vor allem die von Sebastian Blau. Die eine oder andere schwäbische Weisheit wirkt bemüht bis banal. Es gibt aber immer wieder auch überraschende Zusammenhänge bei kalauernden Wortspielen, die durchaus Vergnügen bereiten. Beispiele dafür sind Hanno Kluges „Dr-Sell-G‘schichta“. Es geht immer um einen anderen, nie um einen selber. Und das ist auch gut so, weil sich‘s dann besser lachen lässt, etwa bei folgender Geschichte: „Desch‘d schao gottesglatt - hat dr Sell g‘sait. wo-n-er in dr Kirch någ‘haglat isch.“

Immerhin hat „dr Sell“ in dieser Geschichte nicht das getan, was der Schwabe sonst immer am liebsten tut: bruddla. Hanno Kluge weiß auch da um die schwäbische Befindlichkeit Bescheid, wenn er sagt: „En Tag ohne Bruddla isch koin gelungener Tag.“

Gelungen sind dafür die Parodien oder doch zumindest die schwäbischen Übertragungen und Versionen bekannter Texte. Hanno Kluge hat Goethes „Erlkönig“ modernisiert und suebisiert. Da ist es halt nicht mehr der Erlkönig, der dem Sohn in seinem Kindersitz nachstellt, sondern „der beste Hilfssheriff  leidgeplagter schwäbischer Eltern: dr Nachtkrabb“. Der hat bekanntlich dieselbe Aufgabe wie der Erlkönig, das weiß ja jedes Kind: „Der kommt ond holt de.“

Schaffa, spara, Häusle baua: Auch dieses bekannte Klischee greift Hanno Kluge auf. Er weiß es aber geschickt und neu abzuwandeln, wenn er sagt: „Dr Vadder schafft. D‘ Muader schafft. Dr Bua schafft ... d‘ Schul net.“ Hanno Kluges Bekenntnis zur Mundart ist kurz, aber eindeutig - und dazu eindeutig Schwäbisch. Wenn er gefragt wird, warum er überhaupt Mundart schreibt, sagt er: „Mondart, warom? - Drom!“

Mehr braucht es nicht, und auch die „Aurezwicker“ halten sich an diese Devise. Genau wie Hanno Kluge kämen sie nie auf die Idee, das Schwäbische zu hinterfragen. Mit Sprechen und Singen unterhalten sie ihr Publikum mit Schwäbisch in ganz unterschiedlichen Facetten, denn Helmut Pfitzer ist „Schtuegerter“, Reinhold Hittinger dagegen Balinger.

Auch sie bringen etliche schwäbische Cover-Versionen und treffen damit jedes Mal den Nagel auf den Kopf. „Koine Spätzla heit‘? I han mi doch so g‘frait“, singen sie in Anlehnung an „no milk today“. Auch ihre „Yesterday“-Version ist kongenial übersetzt: „Geschdern no - hasch zu mir g‘sagt: ,Du, i måg di so!‘ Und jetzt lauf mr oifach so drvo.“ Nicht zu vergessen die schwäbische Fassung des schönsten nicht-schwäbischen Volkslieds („Dat du min leevsten büst“). Es ist die definitive Antwort auf jede Warum-Frage in einer Beziehung: „Weil du mei Schätzle bisch.“

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