Kirchheimer Umland

In der Kürze liegt die Würze

Verein Was passiert auf und unter der Erde? Acht Regisseure des Film Club Teck haben beim Gemeindefilmabend in der Dettinger Schlossberghalle ihre Werke vorgestellt. Von Sabine Ackermann

In „Plötzlich war da ein Loch“ entführt Josef Pettinger die Zuschauer in die Laierhöhle auf der Schwäbischen Alb.  Hier entdeckt
In „Plötzlich war da ein Loch“ entführt Josef Pettinger die Zuschauer in die Laierhöhle auf der Schwäbischen Alb. Hier entdeckte er Steine in besonderen Farben und Formen.Foto: Sabine Ackermann

Wer keine Lust mehr auf ermüdende Dreiteiler, Spielfilme mit Werbeunterbrechungen oder die gefühlt hundertste Sissi-Wiederholung hat, erlebte beim Film Club Teck, dass es auch besser geht. Der FCT sowie die Gemeinde Dettingen hatten zum Gemeindefilmabend in die Dettinger Schlossberghalle eingeladen. Mit kleinen Intros zu jedem Beitrag stellte Lutz Schulze die Menschen hinter der Kamera vor. Insgesamt elf Filme, eine reine Fotoschau und eine Kombination aus beiden standen auf dem Programm.

Vier der acht Regisseure widmeten sich dem Jahresthema „Wiese“. Sie beobachteten alles, was sich auf oder unter den Grashalmen bewegt. Mit reduziertem Sprachschatz im knackigen Schwäbisch macht Herbert Kaiser, umrahmt von instrumentaler Entspannungsmusik, mitunter in detaillierten Großaufnahmen auf das vielfältige Paradies von Fauna und Flora aufmerksam. Der Regisseur freut sich an der Schönheit von „granatamäßig bunten“ Wiesenblumen, den Bienen und Schmetterlingen genauso wie an „verstreut rumstehenden“ Obstbäumen oder den grasenden Kühen, Pferden und Schafen. Herbert Kaiser liebt das Spiel von Licht und Schatten, den Duft von frisch gemähtem Gras. Er stellt Fußballer sowie kuschelnde Sonnenanbeter vor und vergisst außerdem nicht, die Wiese mit weißem Puderzucker sowie als Schlittenbahn oder Skibuckel in Szene zu setzen.

Von der Raupe zum Schmetterling

Ebenso natürlich waren die Fotoschau „Wiese“ von Barbara Ibsch, Josef Pettingers Enkelin Lea, die als Schmetterling „schöne Blumen für die Oma“ pflücken durfte und Peter Markotschis Vorstellung eines „stachligen Wiesengastes“. In fantastischen Großaufnahmen begleitet er eine schwarz-weiße Raupe bei ihrer giftgrünen Verpuppung und der anschließenden Metamorphose zum beliebteren Schmetterling.

Aufmerksam schaute das Publikum auch bei ganz anderen Themen zu. Filmisch so festgehalten, dass auch für Laien die technische Aufrüstung des Strommüllers verständlich ist, entführte Karl-Heinz Kosmalla in „Das kleine Kraftwerk am Mühlkanal“.

Interessant und beklemmend war der Beitrag „Zerrissenes Land“ von Lothar Bogsch, der außerdem im Streifen „Brazula“ einen Einblick übers Brezelbacken mit Kindern gab. Nur wenige Monate vor den bürgerkriegsähnlichen Zuständen weilte er auf der Halbinsel Krim. Er hielt bei seiner Reise durch die Ukraine schöne Eindrücke fest und kombinierte sie mit Nachrichtenbildern, also mit der düsteren Realität.

Beeindruckend war auch das Werk „Und?“ von Barbara und Hartmut Ibsch. In ihrem am Computer erstellten Animationsfilm mit politischer Aussage, zeigt das Paar in Anlehnung an den Rattenfänger von Hameln, dass sich hinsichtlich der „braun-schwarzen“ Verführung zu kritiklosem Nachlaufen mit negativen Folgen nichts geändert hat. „Mein Mann hat‘s gefilmt, ich hab‘s kritisiert“, betont die Regisseurin.

Mit lustigen Reimen gestalte Lutz Schultes seinen „Besuch bei M.T.W.“, bei dem er quasi mit den Promis in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett auf Du und Du war.

Einblick in die Tiefen der Höhle

Richtig spannend wurde es im für die meisten völlig unbekannten Terrain. Mit „Plötzlich war da ein Loch“ nahm Josef Pettinger die Zuschauer mit in die Laierhöhle, die mit 127 Metern derzeit tiefste Albhöhle bei Geislingen-Weiler. Ganz ohne weiche Knie oder Platzangst erlebten die „Höhlengänger“ eine fantastische Welt. „Achte ich erst auf meine Kamera oder mich?“, fragte sich der unerschrockene Filmemacher, als es in der Laierhöhle so richtig eng wurde. Beeindruckend waren die Großaufnahmen der Spalten, Löcher und Schächte, in denen Körperbeherrschung von Vorteil war. Für eine Überraschung sorgten die glänzenden Gesteins- und Pyramidenbildungen, mit deren Farbenvielfalt wohl niemand da unten gerechnet hätte. Rund 1 500 Stunden hat er in diesen 20-minütigen Film gesteckt, verrät Josef Pettinger.

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