Kirchheimer Umland

Kenner will Rot-Grün statt Grün-Rot

Landtagswahlen 2016: SPD nominiert ihren Kandidaten im Wahlkreis Kirchheim

Die SPD des Wahlkreises Kirchheim hat den Kirchheimer Stadtrat Andreas Kenner als ihren Kandidaten für die Landtagswahl im März 2016 nominiert. Ersatzbewerber ist der neue SPD-Kreisvorsitzende ­Michael Beck aus Lenningen.

Andreas Kenner in seinem Element: Mit einer engagierten Rede wusste er bei der Nominierungsversammlung in Kirchheim die Basis vo
Andreas Kenner in seinem Element: Mit einer engagierten Rede wusste er bei der Nominierungsversammlung in Kirchheim die Basis von seinen Qualitäten zu überzeugen: Ohne Gegenstimme wurde er zum SPD-Kandidaten im Wahlkreis Kirchheim für die Landtagswahlen 2016 gewählt.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Andreas Kenner hat sich im Saal der Turngemeinde Kirchheim so präsentiert, wie man ihn kennt – sei es vom Club Bastion, von seinen Stadtführungen oder auch vom Gemeinderat: als einer, der nicht nur zu allem etwas zu sagen hat, sondern auch noch die Kunst beherrscht, es auf ausgesprochen unterhaltsame Weise zu sagen. Seine halbstündige Wahlrede war kurzweiliger und amüsanter als so mancher Kabarettabend. Und dennoch hat er – trotz erstklassigen Entertainments – vor der SPD-Basis in seinem Wahlkreis eine kompetente, mitreißende Ansprache gehalten, die alles beinhaltet hat, was man an Wahlkampfrhetorik erwarten darf.

Der 58-jährige Kirchheimer, der seit 25 Jahren im Sozialpsychiatrischen Dienst für ältere Menschen des Landkreises Esslingen tätig ist, betonte beispielsweise, dass er eine kaufmännische Ausbildung abge­schlossen hat. Er wollte somit gleich von vornherein Vorwürfe der politischen Gegner entkräften, die SPD könne nicht mit Geld umgehen. Von sich selbst ausgehend, kam er dann auf die aktuelle Landesregierung zu sprechen: „Baden-Württemberg steht am besten da, mit einem sozialdemokratischen Finanzminister.“

Allerdings sei nicht immer nur der Staat in die Pflicht zu nehmen, sondern auch die Wirtschaft. So sollten große Firmen seiner Meinung nach Werkskindergärten einrichten – „die brauchen ja auch die Fachkräfte“. Klar bekennt er sich in diesem Zusammenhang auch zu klassischen sozialdemokratischen Werten, wenn er den Unternehmen ins Stammbuch schreibt: „Gute Fachkräfte kriegt der, der vernünftige Löhne zahlt.“

Wer schließlich Fachkräfte aus dem Ausland anwerbe, müsse sich auch darum kümmern, dass sie eine Wohnung haben. Bezahlbarer Wohnraum ist für Andreas Kenner ohnehin ein wichtiges Thema, nicht nur in der Kommunalpolitik: „Wir gehen an die Mietpreisbremse, auch wenn das denjenigen nicht passt, denen zehn Wohnungen gehören.“ Auch in diesem Fall kommt von Andreas Kenner ein klares Bekenntnis zu den Wurzeln der Sozialdemokratie: „Die SPD vertritt nicht die Leute, die zehn Wohnungen vermieten, sondern die Leute, die in den zehn Mietwohnungen leben.“

Eine andere Frage ist die, wo sich diese Wohnungen befinden. Die Landflucht, die auch mit dem demografischen Wandel einhergeht, ist ihm ein Dorn im Auge. Da gehe es um Einkaufsmöglichkeiten für ältere Leute, um Treffpunkte, um eine Bankfiliale oder um eine Apotheke. Hier müsse die Versorgung sichergestellt sein, denn: „Das Leben im ländlichen Raum muss für alle Generationen lebenswert bleiben.“

Bei der inneren Sicherheit gehe es darum, Probleme klar zu benennen und dagegen vorzugehen, etwa bei der Zunahme von Einbrüchen in autobahnnahen Kommunen: „Unsere Polizei muss in die Lage versetzt werden, den gut organisierten Banden Paroli zu bieten. Aber mit Kritik an der europäischen Osterweiterung kommen wir hier nicht weiter.“

Zur Flüchtlingsthematik sagt Andreas Kenner: „Das hat auch mit uns zu tun. Wer die Dritte Welt ausplündert und Waffen in Kriegsgebiete schickt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Menschen hierher kommen. Die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern, werde viele Milliarden kosten. Und dabei müsse jedem klar sein, „dass dann auch unser Kaffee, unser Tee, unsere T-Shirts und unsere Schnittblumen teurer werden“.

Ähnliches gilt für die Energiewende: Auch der Strom werde teurer, wenn man die Kernkraftwerke abschalte und dann nicht den Strom aus alten Atommeilern in Frankreich oder aus neuen in Tschechien beziehen wolle. Dennoch gelte: „Wer Strom verbraucht, muss ihn auch herstellen.“ Und da sei es nicht hilfreich, wenn die CDU nun überall, wo ein Windrad gebaut werden soll, ein brütendes Rotmilan-Paar schützen will.

Auch sonst hätten sich die Zeiten geändert vor dem aktuellen Wahlkampf: „Wir sind die Titelverteidiger, die CDU ist der Herausforderer.“ Für einen Regierungswechsel sieht An­dreas Kenner keinen vernünftigen Grund. Allenfalls aus Grün-Rot würde er gerne ein Rot-Grün machen. An diesem übergeordneten Ziel hält auch sein Ersatzbewerber Michael Beck fest. Das Ziel für den Wahlkreis Kirchheim ist noch eindeutiger: „Wir holen wieder ein Mandat für die SPD.“

Die Teilnehmer der Nominierungsversammlung haben dafür gesorgt, dass die erste Hürde auf diesem Weg locker übersprungen werden konnte: Ohne jede Gegenstimme wählten sie Andreas Kenner zum SPD-Kandidaten für den Wahlkreis. Für Michael Beck gab es zwar drei Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Aber dennoch kann er sich über 88,5 Prozent Ja-Stimmen freuen.