Kirchheimer Umland

Kloster-Deifel lassen die Peitschen knallen

Mitglieder der Kirchheimer Narrenzunft erklären Flüchtlingen die Fasnet und nehmen die Angst vor schaurigen Masken

Kloster-Deifel lassen die Peitschen knallen
Kloster-Deifel lassen die Peitschen knallen

So geht Integration auch: Holger Böhm, Tatjana Thaler und Ulrike Hofmeister-Braun von der Kirchheimer Narrenzunft Kloster-Deifel erklärten den Flüchtlingen an der Volkshochschule die Tradition der Fasnet.

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THOMAS KRYTZNER

Kirchheim. Geplant war der Vortrag eigentlich anlässlich des Deutschunterrichts für Flüchtlinge. Doch der Besuch der Kloster-Deifel hatte sich herumgesprochen, und die Veranstaltung musste aufgrund des großen Andrangs kurzerhand in den großen Saal der vhs verlegt werden.

Holger Böhm, Zunftmeister der Kloster-Deifel, erklärte gleich bei der Begrüßung, dass sich der Begriff „Fasnet“ kaum in die arabische Sprache übersetzen lasse. Basem Almoukri, der als Dolmetscher fungierte, übersetzte die närrischen Erklärungen in die arabische Sprache.

So erklärte Böhm, dass für die Kloster-Deifel die Fasnet am 6. Januar begonnen habe und noch bis zum Aschermittwoch dauere. Für viele Lacher sorgte Holger Böhm, als er die Machtübernahme im Rathaus ansprach. Mit dem Rathaussturm am Schmotziga Doschtich werde er der Ansprechpartner für alle Belange, verriet er mit einem Augenzwinkern. Närrisch seriös erklärte Holger Böhm dann den Begriff der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Wie im muslimischen Ramadan würden die Christen in der Zeit vor Ostern auch fasten. Vor Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch musste schon im Mittelalter alles Essen weg, und aus dem Grund feierten die Menschen Feste. Dazu liehen sie sich von der Kirche Kostüme, meist Hexen und Teufel, aus, verkleideten sich und feierten auf der Straße. Dieser Brauch habe sich in den vergangenen Jahrhunderten weiterentwickelt, und die Menschen hätten sich dann selbst Kostüme zugelegt.

Die Kloster-Deifel gibt es seit 1996. Mittlerweile gehören der Zunft 60 Mitglieder an, vom ein Jahr alten Narrensamen bis zum rüstigen 67-Jährigen. Die Narrenzunft orientierte sich bei der Namensgebung an der Stadtgeschichte von Kirchheim. „Der Teufel klopfte an die Tür des Frauenklosters“, erzählte Böhm grinsend, „und die Frauen waren begeistert, ließen ihn hinein und feierten mit ihm.“ Häswart(in) Ulrike Hofmeister-Braun ergänzte, dass die Klosterfrauen zum Missfallen des Papstes das Kloster verließen und sich nicht nur innerhalb der Klostermauern aufhielten. Sie seien aber, fuhr sie fort, nicht (nur) zum Feiern außerhalb der dicken Mauern unterwegs gewesen, sondern hätten zum Wohle der Menschen beigetragen.

Und so kam die Zunft zu ihrem Namen. „Jedem zur Freud – Niemand zum Leid“ proklamierte Böhm anschließend und versicherte den anwesenden Menschen mit Fluchthintergrund, dass niemand vor den Masken und der Verkleidung Angst haben müsse. Ihm sei es wichtig, dass das Brauchtum der Fasnet verstanden würde. Man wolle die Menschen ja nicht erschrecken, sondern Spaß und Freude zu den Leuten bringen.

Danach war Anfassen erlaubt, die Männer und Frauen durften die im Schwarzwald geschnitzten Masken – von der jede ein Unikat ist – aus der Nähe begutachten und sogar anziehen. Besonderes Highlight war jedoch das Fotoshooting. Jeder, der wollte, durfte sich mit den maskierten Kloster-Deifeln ablichten lassen oder eines der unzähligen Selfies schießen. So wurden die Kirchheimer Kloster-Deifel mit einem Klick weltberühmt, als die Menschen die geknipsten Bilder in ihre jeweilige Heimat schickten.

Einen Leckerbissen gab es zum Schluss der Veranstaltung: Tatjana Thaler, Vize-Zunftmeisterin, und Holger Böhm ließen zur Freude der Zuschauer vor der vhs die Peitschen knallen.

Drinnen gezeigt, draußen geknallt: Tatjana Thaler demonstriert das Peitschenknallen vor dem Kornhaus. Keine Berührungsängste gab
Drinnen gezeigt, draußen geknallt: Tatjana Thaler demonstriert das Peitschenknallen vor dem Kornhaus. Keine Berührungsängste gab‘s nach ausführlicher Einführung mit den schaurigen Masken. Auch vor dem Spital sorgten die Demonstrationen für einen Menschenauflauf.Fotos: Thomas Krytzner