Kirchheimer Umland

Müllsünder müssen zahlen

Wer Schmutzfinken auf frischer Tat ertappt, kann sich ans Scherbentelefon wenden

Kaputte Bänke, überquellende Mülleimer, Schlaglöcher – seit 2006 kann jeder, der auf Mängel oder Gefahrenquellen im Kirchheimer Stadtgebiet stößt, die Nummer des Scherbentelefons wählen. Zuverlässig gehen die Mitarbeiter des Baubetriebshofs allen Hinweisen nach, um Schäden und Verschmutzungen aus der Welt zu schaffen.

Auf dem Gelände des Baubetriebshofs türmen sich Abfälle auf, die Harald Wagner und seine Kollegen bei ihrer täglichen Arbeit ein
Auf dem Gelände des Baubetriebshofs türmen sich Abfälle auf, die Harald Wagner und seine Kollegen bei ihrer täglichen Arbeit einsammeln.Fotos: Haußmann

Kirchheim. Einmal in der Woche klingelt laut Christian Maiwald das Telefon, weil ein Anrufer Glasscherben auf Spielplätzen, Rad- und Gehwegen oder andere Verschmutzungen entdeckt hat. „Früher haben mehr Menschen von der Nummer Gebrauch gemacht“, so der Leiter des Baubetriebshofes. „Heute wenden sich viele Bürger direkt an die Mitarbeiter, die im Stadtgebiet unterwegs sind, und machen sie auf Ärgernisse und Probleme aufmerksam.“ Jede Woche füllen sich so auf dem Gelände in der Boschstraße zwei Container, von denen jeder 40 Kubikmeter fasst, auf Kosten des Steuerzahlers mit Abfällen. Die kommen auf den über 1 270 Hektar großen öffentlichen Flächen zusammen, für die der Baubetriebshof zuständig ist und die von den Beschäftigten täglich inspiziert werden.

Oft werden Christian Maiwald und Harald Wagner, der seit 1985 bei dem kommunalen Servicebetrieb arbeitet, auf Unrat angesprochen, der auf privaten Geländen liegt. Doch dort darf Wagner nicht eingreifen, weshalb er solche Hinweise an das Ordnungsamt weiterleitet. Bei manchen Entdeckungen können Christian Maiwald und die übrigen 44 Beschäftigten des Baubetriebshofes nur die Köpfe schütteln. So zum Beispiel beim Fund von zehn Kfz-Batterien, die illegal in einem Waldstück abgeladen wurden. Dass die Akkumulatoren bleihaltig und damit giftig sind, scheint die Umweltsünder ebenso wenig zu interessieren wie die Tatsache, dass ihre Hinterlassenschaft die Natur belastet und im Wald lebende Tiere gefährdet.

Christian Maiwald kann ein solches Verhalten schwer nachvollziehen. „Viele Dinge, von denen sich die Leute auf illegale Weise trennen, können kostenlos oder zumindest kostengünstig an Sammelstellen zur fachgerechten und ordnungsgemäßen Entsorgung abgegeben werden“, berichtet er. Wer seinen Müll unerlaubt im Wald, in der Landschaft, auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ablädt, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die ein erhebliches Bußgeld nach sich ziehen kann.

Dem für Baden-Württemberg geltenden Bußgeldkatalog zufolge schlägt die illegale Entsorgung von einem oder mehreren Elektrogeräten mit 50 bis 2 500 Euro zu Buche. Wer Altöl unsachgerecht entsorgt und in oberirdische Gewässer einleitet, kann mit Geldstrafen bis zu 25 000 Euro rechnen, und beim Einleiten ins Grundwasser können bis zu 30 000 Euro fällig werden. Hinterlässt jemand Dinge wie Pappbecher, Taschentücher, Zigarettenschachteln oder flüssige Abfälle in kleinen Mengen an öffentlichen Plätzen, kann ein Bußgeld von 10 bis 25 Euro erhoben werden. Bei Altreifen sind es abhängig von der Menge 75 bis 2 500 Euro und bei Gegenständen mit scharfen Kanten, ätzenden und schneidenden Eigenschaften beläuft sich die Geldstrafe auf 25 bis 100 Euro.

Nicht zuletzt deshalb appelliert Christian Maiwald an die Bevölkerung, Abfälle nach Vorschrift zu entsorgen. „Es geht dabei um eine schöne und saubere Stadt, um Lebens- und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und natürlich auch um den Schutz unserer Umwelt“, betont er. Ähnlich sieht es Harald Wagner: „Die Sauberkeit einer Stadt ist ihre Visitenkarte, gerade, wenn sie wie Kirchheim von vielen Ausflüglern und Touristen besucht wird“, sagt er. Das gelte auch für die Erholungsfunktion von Wäldern und Landschaften.

Wem auf Markt- oder Spielplätzen, an Bänken, in Grünanlagen oder auf Rad- und Gehwegen eine Flasche zu Bruch geht, sollte sich laut Christian Maiwald verantwortungsbewusst verhalten. „Wir hatten schon einen Fall, in dem sich jemand an Scherben verletzt hat“, berichtet der Leiter des Baubetriebshofes. Anstatt die Scherben liegen zu lassen, sollten sie zumindest mit dem Fuß so gut es geht aus dem unmittelbaren Gefahrenraum geschoben und dann das Scherbentelefon angerufen werden. Christian Maiwald ist für Hinweise dankbar, vor allem für solche, mit denen es gelingt, Umweltsünder zur Verantwortung zu ziehen. Bei größeren Schlaglöchern bittet er die Bürger um Geduld, denn die würden von Bauunternehmen ausgebessert.

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