Kirchheimer Umland

Rasen in der 30er-Zone

Verkehr Anwohner der Limburgstraße auf dem Guckenrain in Dettingen machen sich für eine stationäre Blitzer­anlage stark. Die Untere Verkehrsbehörde priorisiert die Kirchheimer Straße im Ortskern. Von Iris Häfner

Krystian Czaja (Mitte) mit seinen Nachbarn Stefanie Dettinger und Bernd Holder vor seinem Haus an der Limburgstraße.  Foto: Cars
Krystian Czaja (Mitte) mit seinen Nachbarn Stefanie Dettinger und Bernd Holder vor seinem Haus an der Limburgstraße. Foto: Carsten Riedl

Seit Jahren ist Krystian Czaja die Raserei auf dem Dettinger Guckenrain in der Limburgstraße ein Dorn im Auge - und nicht nur ihm. Um den uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern zu mehr Einsicht zu verhelfen, würde er sein Grundstück zur Verfügung zu stellen, damit dort ein stationärer Blitzer aufgebaut werden könnte. Mehrere Nachbarn haben sich seiner Forderung angeschlossen, darunter Bernd Holder und Stefanie Dettinger.

„Beim Lockdown war wenig los. Aber jetzt ist die Situation wieder anders und es kommt Schwung in die Geschichte“, stellt Krystian Czaja fest. Seine weitere Beobachtung: „Diese Straße ist zur Umgehungsstraße geworden.“ Wenn auf der B 465 starker Verkehr ist, würden viele Autofahrer von Owen kommend über den Guckenrain fahren, um nach Nabern oder Weilheim zur Arbeit zu gelangen - das sei zwischen 6 und 9 Uhr sowie 16 und 19 Uhr der Fall. „Die nehmen dann die Abkürzung und sparen sich eine Ampel“, sagt er. Der Industriepark in Nabern habe sich entwickelt. Neue Betriebe sind entstanden und mit ihnen Mitarbeiter dazugekommen. „Das ist erfreulich, erzeugt aber auch mehr Verkehr“, sagt Krystian Czaja.

Seit 2003 wohnt er mit seiner Familie direkt an der Limburgstraße. Seitdem hat der Verkehr deutlich zugenommen. Als die Tochter selbstständig zur Grundschule gehen konnte, kam sie eines Tages nach Hause und erklärte ihrem Vater: „Papa, ich habe Angst. Die Autos fahren bis zu unserer Hecke auf dem Gehweg.“ Das wollte der besorgte Vater so nicht hinnehmen und sammelte in der Nachbarschaft Unterschriften. Das Ergebnis seiner Bemühungen: Biegsame Poller wurden an der Bordsteinkante installiert. Seitdem leisten sie gute Dienste, auch wenn sie immer mal wieder überfahren werden, wie entsprechende Gebrauchsspuren zeigen.

So einen Erfolg wünscht er sich auch für die stationäre Blitzer-Anlage. Amelie Betz, Leiterin Haupt- und Ordnungsamt, dämpft jedoch die Erwartungen. Gemeinsam mit der Verkehrskommission war die Gemeinde zunächst auf der Suche nach einem möglichen Standort für einen mobilen Blitzer. Wegen der „runden“ Straßenführung war es schwierig, einen geeigneten Standort zu finden, weshalb Krystian Czaja seine Einfahrt anbot. „Die Untere Verkehrsbehörde mit Sitz in Kirchheim, die für uns zuständig ist, präferiert die Kirchheimer Straße. Das ist die Hauptdurchgangsstraße im Ort“, erklärt Amelie Betz. Die Kosten für die Installation einer solchen Anlage liegen zwischen 100 000 und 120 000 Euro. Die Dettinger Verwaltung sucht nun gemeinsam mit der Verkehrsbehörde und einer externen Firma gemeinsam nach einer Lösung, die Grundlage für eine weitere Diskussion im Gemeinderat ist.

Messtafeln als Alternative

Sein Anliegen hat Krystian Czaja bei der Bürgerfragestunde dem Gemeinderat vorgebracht. Die Fraktion von SPD und Grüne schlug daraufhin vor, zwei weitere mobile Messtafeln für Dettingen zu beschaffen. Eine gibt es bereits, die das ganze Jahr über an verschiedenen Stellen den Autofahrern vor Augen führt, wie schnell sie unterwegs sind. Das Gremium beschloss, eine weitere mobile Messanlage zu beschaffen, deren Daten sich wie bei der „alten“ auswerten lassen. Daten für die Limburgstraße gibt es bereits, so wurde unter anderem vom 1. bis 11. Juli wenige Meter nach dem Abzweig von der K 1250 die Messtafel aufgestellt. Der Ausreißer liegt bei 82 Kilometer pro Stunde. „Solche Werte gibt es immer wieder, meist in der Zeit zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Diese Autofahrer machen das gezielt“, ist die Erfahrung von Rico Frick vom Ordnungsamt in Dettingen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 32 Kilometern pro Stunde, 63,6 Prozent waren schneller als die vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde.

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