Kirchheimer Umland

Starke Stimmen

Beim Herbstfest des Gesangvereins Eintracht wurde ein Blick in die Geschichte des Chors geworfen

Der Kirchheimer Gesangverein Eintracht hatte zu seinem zweiten Herbstfest in die Jesinger Gemeindehalle eingeladen. Mit „Mann o Mann“ und dem Männer-Projektchor der Eintracht Jesingen hatten sich die Kirchheimer starke Stimmen mit ins Boot geholt. Als besondere Überraschung wurde der 90. Geburtstag des gemischten Chors gefeiert.

Der gemischte Chor der Eintracht Kirchheim begeisterte die Besucher des Herbstfestes. Foto: pr
Der gemischte Chor der Eintracht Kirchheim begeisterte die Besucher des Herbstfestes. Foto: pr

Kirchheim. Nachdem der gemischte Chor unter der Leitung von Gunther Rall mit „Du passt so gut zu mir“ den Nachmittag eröffnet hatte, begrüßte Elmar Müller die Gäste. Er tat dies in Vertretung der Vorsitzenden, Monika Renz, die kurzfristig absagen musste. Da diese schon eine Moderation vorbereitet hatte, deren Thema – die Biene – sich wie ein roter Faden durch das Programm zog, zitierte Elmar Müller immer wieder Passagen daraus.

Nach zwei weiteren Vorträgen des gemischten Chors wurde zur großen Überraschung aller Chormitglieder ein bisher nicht erwähnter Programmpunkt eingeschoben.

In der Chronik der Eintracht sei zu lesen, so Elmar Müller, dass nach den Wirren des Ersten Weltkrieges ab Mitte der 20er Jahre im vergangenen Jahrhundert die Eintracht eine neue Blütezeit erlebte. Bis ins Jahr 1925 war es den Männern vorbehalten, bei der Eintracht zu singen. Viele Männer kamen aber nicht oder krank aus dem Krieg zurück; daher mussten nun viele Frauen allein für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Nun pochten die Frauen auch auf ihre Rechte und wollten wie ihre Männer im Verein singen. So wurde unter Fritz Matt als Vorstand und Otto Löffler als Dirigent vor 90 Jahren der gemischte Chor gegründet, und diese Tatsache sorgte für einen sprunghaften Zuwachs im Verein. Das dauerte natürlich nicht allzu lange, denn NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg machten es den Vereinen schwer. Aber im Jahr 1947 führten, nach einer kurzen Übergangslösung, Herrmann Geckeler als erster Vorsitzender und Emil Andreas als Chorleiter den Verein wieder in eine erfolgreiche Zeit.

In diesem Jahr trat Lilo Binder in den Verein ein und ist seitdem, also seit fast 68 Jahren, aktive Sängerin im Sopran. Anfang 1948 wurde ihr späterer Ehemann, Hans Binder, ebenfalls Mitglied und ist seitdem eine tragende Säule im Tenor. Acht Jahre später kam der immer noch amtierende Vizechorleiter des gemischten Chors sowie Chorleiter des Männer- und des Gute-Laune-Chors, Samuel Kastner, dazu.

Diese drei Chormitglieder, die so viele aktive Jahre zu verzeichnen haben, wie zurzeit kein anderes Mitglied, haben sechs Jahrzehnte und mehr am Aufbau und Bestehen des Vereins mitgewirkt. Für die Treue und das Engagement über viele Jahrzehnte wurde ihnen mit großem Beifall und kleinen Präsenten gedankt. Mit dem „Festgesang“ und „Mir geht’s gut“ beschloss der gemischte Chor diesen festlichen Akt.

Die Eintracht Kirchheim hatte sich gefreut, dass der spritzige Männerchor der Cäcilia Wernau „Mann o Mann“ sich spontan bereit erklärt hatte, beim Herbstfest aufzutreten. Unter der Leitung von Andreas Baumann schlich sich der Chor singend und tanzend schnell in die Herzen der Zuhörer mit Titeln wie „Ufo“ von Wolle Kriwanek, „Steh auf“ von den Toten Hosen, „Gö, du bleibst heut‘ Nacht bei mir“, „Mambo“ und so weiter, zum Teil arrangiert von Andreas Baumann. Natürlich ließ man sie nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen. Nach „Weit, weit weg“ wurden die Sänger mit riesigem Beifall verabschiedet.

Nach der Kaffeepause eröffnete der gemischte Chor der Kirchheimer Eintracht mit drei Titeln spanischer Herkunft den zweiten Teil der Veranstaltung. Mit lobenden Worten für den Leiter Gunther Rall und seinen Chor verabschiedete der Moderator die Kirchheimer Sänger und begrüßte den vereinsübergreifenden Männer-Projekt-Chor der Eintracht Jesingen, dem auch Sänger der Kirchheimer Eintracht angehören.

Unter der Leitung von Gabriele Grabinger, die zur großen Überraschung aller ihren Ehemann Peter als Pianisten mitbrachte, zeigte dieser Männerchor, dass Singen keine Frage des Alters ist, sondern dass man auch im fortgeschrittenen Alter das Publikum mit tollen Stimmen, Temperament und Bewegung mitreißen kann. Lieder vom Wandern und vom Wein animierten die Gäste zum Mitklatschen oder Schunkeln und beim Vortrag „I, wenn i Geld gnug hätt“ blieb angesichts der schauspielerischen Fähigkeiten der Sänger und ihrer Leiterin kaum ein Auge trocken. im

Anzeige