Kirchheimer Umland

Wandertour durch Bücherberge

Buchhändler präsentieren aktuelle Literaturtipps im Buchhaus Zimmermann

Kirchheim. Tradition im Buchhaus Zimmermann ist das Literaturcafé. Zwischen den Bücherregalen sitzen die Lesegierigen dicht an dicht, um

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den Empfehlungen der Buchhändler zu lauschen und mit 25 Titeln ist der Abend prall gefüllt.

Sibylle Mockler hat es Lily Kings „Euphoria“ angetan, ein Roman, der sich am Leben und der Forschungsarbeit der Ethnologin Margaret Mead orientiert und uns in den Urwald Neuguineas Anfang der Dreißigerjahre versetzt. Die Autorin verwebt eine intellektuelle und emotionale Dreiecksbeziehung der Feldforscher vor Ort mit Meads Lebensgeschichte und liefert so nicht nur einen spannenden Abenteuerroman, sondern auch eine mitreißende Liebesgeschichte.

In David Foenkinos Roman „Charlotte“ treffen die Leser auf die Lebensgeschichte der jüdischen Malerin Charlotte Salomon, die zwar die Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs erleidet, ihnen jedoch die Malerei entgegensetzen kann. Kurz vor ihrem Tod 1943 lässt sie ihren Koffer voller Bilder zurück: „Das ist mein ganzes Leben“, ein farbiges Dokument ihres Kampfes gegen Depression und Wahnsinn.

Ganz anders hingegen die preisgekrönte Geschichte „Ein Leben mehr“ von Jocelyne Saucier: Drei alte Männer ziehen sich in die Einsamkeit kanadischer Wälder zurück, um ihr Leben und dessen Ende selbst in die Hand zu nehmen. Als zwei Damen plötzlich dazustoßen, ist es mit der Einsiedelei vorbei. Dieses Buch ist eine Hymne auf die Liebe, die Natur und die Freiheit.

„Baba Dunjas letzte Liebe“ versetzt dem Publikum einen Schreck, geht doch Baba Dunja zurück in ihr Dorf, das in die Todeszone rund um Tschernobyl liegt. Sie setzt ihr Leben da fort, wo sonst nur Wissenschaftler in Strahlenschutzanzügen auftauchen. Und siehe da, das verseuchte Gebiet mutet fast idyllisch an, das Wissen um die tödliche Gefahr birgt eine Freiheit in sich, die die Hauptfigur woanders nicht finden konnte.

Erneut steht eine ungewöhnliche Frau im Mittelpunkt in „Lady Africa“. Das Leben der Flugpionierin Beryl Markham, die als erste Frau den Atlantik überquerte, wird von mindestens zwei Leidenschaften dominiert: der Fliegerei und der Liebe zum afrikanischen Kontinent.

„Die rote Wand“, geschrieben von dem Journalisten David Pfeifer, spielt zur Zeit des Ersten Weltkriegs in den Südtiroler Dolomiten. Ausgehend von einer wahren Begebenheit, nach der die 16-jährige Viktoria dem Vater an die „Front der ganz Alten und ganz Jungen“ folgt, erzählt Pfeifer ohne Pathos von Helden und vom Krieg.

Den Bogen zum Krimi schlägt Andreas Kollenders „Kolbe“, der – auch wieder ein Crossover – zwischen Biografie und Spionagethriller einzuordnen ist. Hier geht es um einen der großen, aber doch fast vergessenen Spione während der Nazizeit

Zeitgeschichte als Thema verarbeitet Wolfgang Schorlau in seinem aktuellen Krimi „Die schützende Hand“, in dem er einen Detektiv im NSU-Fall ermitteln lässt. Gestützt auf Akten, gelingt Schorlau eine Art literarische Ermittlung, die am Ende mehr Fragen aufgibt als Antworten liefert.

Neben einem launigen Berlinkrimi „Der Eismann“ (Silja Ukena) und dem Psychothriller „fremd“ (Poznanski und Strobel als Autorenduo) werden den Lesern mit robustem Nervenkostüm die neuen Titel von Sebastian Fitzek ans Herz gelegt. Um Macht, Blut und alte Geheimnisse dreht sich die Story in dem Fantasyroman „Die Blausteinkriege“ von T. S. Orgel. Die Autorenbrüder liefern alles, was man sich von einem Text dieses Genres wünscht, und faszinieren besonders durch die detailreichen Ausarbeitungen in der Story und den Personenporträts.

Im Sachbuch spannt das Buchhändler-Team den Bogen weit: von internationalen Weihnachtsliedern zu einem Buch über „Mossad“, den israelischen Geheimdienst. Von einem Buch eines Schotten über „Deutschland“ zu einer neuen Abhandlung über „Die Manns“. Kleine Kuriositäten sind „Tambora oder das Jahr ohne Sommer“ von Wolfgang Behringer, in dem er die Auswirkungen eines Vulkanausbruchs in Indonesien im Jahr 1815 auf die gesamte Welt beschreibt und „Die seltsamsten Orte der Welt“.

Eine letzte Empfehlung ist das mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Werk „Ungläubiges Staunen“ des Deutschiraners Navid Kermani. Seine poetische Schule des Sehens und Fühlens ist ein Plädoyer für Offenheit und Toleranz.