Kirchheimer Umland

„Wein trinken muss Spaß machen“

Feste Auf dem Weindorf dürfen sich Laien an eine Weinverkostung wagen und lernen: Beim Geschmack kommt es auf die Stimmung, die Optik und die Gesellschaft an. Eigentlich ganz einfach. Von Thomas Zapp

Christoph Dinkelacker (links) und Marian Scutaru zeigen den ansprechenden Rosé aus Südfrankreich. Geschmack muss nicht teuer sei
Christoph Dinkelacker (links) und Marian Scutaru zeigen den ansprechenden Rosé aus Südfrankreich. Foto: Markus Brändli

Mehr erdig oder doch fruchtig? Auf der Suche nach dem perfekten Weingenuss stellen sich viele Fragen. Schnell kann man sich blamieren, wenn man die falschen Vokabeln wählt. Auf dem Weindorf geht es zum Glück locker zu, da geht es um die Raumtemperatur, bei der man ja bekanntlich den Rotwein genießen sollte. „Die hat sich aber verändert“, sagt Marian Scutaru, Fachberater des Owener Weinhändlers Mack und Schühle. Die optimale Trinktemperatur liegt eigentlich bei 18 Grad, da wird in den meisten deutschen Wohnstuben die Heizung aufgedreht. Aber auch das ist kein Dogma. „In Neuseeland trinken sie Rotwein bei 12 Grad im Sommer“, sagt dagegen Christopher Dinkelacker, der in Sachen Wein schon ans andere Ende der Welt gereist ist und ganz locker über das schwere Thema plaudert. Entscheidend sei doch, dass es schmeckt, meint der Mittzwanziger am Stand der Weinlaube auf dem 31. Kirchheimer Weindorf.

Wer diesen Nachnamen trägt, wird in Schwaben eher mit einem anderen Getränk in Verbindung gebracht und tatsächlich hat der Spross der Stuttgarter Familienbrauerei auch im Marketing für eine Untermarke des Gerstensafts gearbeitet. Dann hat er sich aber für den Wein entschieden, sich in zwei Jahren beachtliches Wissen angeeignet und sich den Respekt seiner Bier brauenden Familie erarbeitet. Aktuell schreibt er seine Masterarbeit und träumt „bis Mitte 30“ von einem eigenen Weingut.

Zurück zur Verkostung: Marian Scutaru geht pragmatisch vor, denn die Gäste outen sich als Laien. „Es fängt mit der Betrachtung an“, sagt er. Hat der Weißwein eine eher blasse, gelbliche Farbe, geht die Note in Richtung Zitrus und exotische Früchte wie Grapefruit oder Apfel. Wird das Gelb zu Gold, zeugt das von mehr Reife, also kräftiger, je nach Lagerung auch mehr Holznoten.

Beim Rosé geht der Trend zur blassen Farbe. Die wird erreicht, indem der Saft bei der Maische nicht so lange auf der Schale liegt. Der Saft ist auch bei der roten Traube weiß, je länger er auf der Schale liegt, desto dunkler wird er. Der Geschmack ist frisch, fruchtig und passend zum Sommer. Die Temperatur für Weißwein und Rosé sollte bei 5 bis 6 Grad liegen. „Rosé ist Sommer“, findet Dinkelacker. Nach dem Augenschein kommt der Geruchssinn ins Spiel. Am besten entfaltet sich das Aroma, wenn man das Glas schwenkt.

Die Gäste lernen auch: Unterschiedliche Preise von Weinen haben mit der produzierten Menge zu tun. „Um den Geschmack zu konzentrieren, nimmt man Trauben von der Rebe ab, dadurch wird die Menge geringer“, erklärt Christoph Dinkelacker. Konzentrierter bedeutet teurerer Wein. Eine weitere Rolle spielt das Alter des Fasses zur Reifung. Ein neues Fass kostet leicht 700 Euro, sorgt aber für einen edleren Geschmack, alte Fässer sind billiger, lassen den Wein aber nicht so gut reifen.

Interessantes weiß Marian Scutaru: Wenn Paare eine Flasche kaufen, entscheidet häufig die Frau - nach dem Design. Klingt nach Klischee, bewahrheitet sich aber vor Ort. Denn die vier Damen haben einen Favoriten ausgemacht: Fortan de France, ein halbtrockener Rosé aus dem Languedoc. Mit ihrem Design sticht die Flasche hervor: Ein rosa Flamingo, weiß umrandete Blumen, verschieden farbige Punkte direkt aufs Glas graviert. Man(n) vermutet eher süße Brause als fruchtigen Rosé. Genau diese Flasche hatte Scutaru zuvor als Favoriten unter Weingenießerinnen hervorgehoben. Der Erfolg gibt ihm recht: „Die würde ich kaufen“, sagt eine. Die Frauen sind begeistert, die Stimmung an der Laube fröhlich. Der Genuss ist nicht einmal teuer: Die Experten haben Weine um die zehn Euro herausgesucht. Für Christoph Dinkelacker ist ein anderer Punkt wichtiger als der Preis: „Wein trinken muss Spaß machen, und das fängt mit der Gesellschaft an.“

Weinfachberater Marian und Weinwirtschaftsstudent Christopher von Mack und Schühle laden zum offenen Wein-Talk in der Weinlaube
Geschmack muss nicht teuer sein: Die Weine kosten alle um die 10 Euro. Foto: Markus Brändli
Weinfachberater Marian und Weinwirtschaftsstudent Christopher von Mack und Schühle laden zum offenen Wein-Talk in der Weinlaube
Im Sommer genau das Richtige: Gut gekühlter Weißwein. Foto: Markus Brändli
Weinfachberater Marian und Weinwirtschaftsstudent Christopher von Mack und Schühle laden zum offenen Wein-Talk in der Weinlaube
Weinfachberater Marian beim Wein-Talk in der Weinlaube. Foto: Markus Brändli
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