Lenninger Tal

All inclusive für den Hund - samt Streicheleinheiten

Haustiere Bei Claudia Benzinger Browne in Donnstetten steppt zwar nicht der Bär, dafür tollen viele Vierbeiner im und ums Haus herum. Mitten im Ort hat sie eine Pension für Fellnasen eröffnet. Von Iris Häfner

Kein Leben für die Katz, sondern für Hunde - so sieht der neue Alltag von Claudia Benzinger Browne aus. Mitten im Donnstetter Ortskern hat sie die „Hundebetreuung Biosphärengebiet“ eröffnet. Kaum ist die Türglocke betätigt, ertönt ein vielstimmiges Gebell. Dabei sind es „nur“ die drei eigenen Vierbeiner, erst später am Nachmittag kommt der tierische Dreierpack eines Freundes dazu. Diesmal ist nicht nur eine Gassi-Runde angesagt, die Fell-Freunde bleiben über Nacht.

Foto: Carsten Riedl

Das Erdgeschoss teilen sich Mensch und Tier in friedlichem Einvernehmen, das große Sofa bietet schließlich genügend Platz für Zwei- und Vierbeiner. Das Kernrudel sind Elli, Nio und Cora. Mit Elli hat sich Claudia Benzinger Browne den Traum vom Podenco erfüllt, Nio, das schwarze Energiebündel, musste schwere Operationen überstehen, und die gestromte Cora ist zwar die Kleinste, aber Chefin von allen - auch bei den Gästen auf Zeit. Mit denen geht es beim ersten Mal zunächst auf neutralem Boden eine kleine Runde spazieren. Dabei können sich die Menschen auch schon mal über Futtergewohnheiten und spezielle Eigenschaften unterhalten. Dann geht‘s in die neue Heimat, und hier gilt für Hundebesitzer das Gleiche wie für Eltern an der Kita: einfach das Tier abgeben und gehen. „Spätestens nach einer Stunde legt sich bei den Hunden die erste Aufregung“, ist die Erfahrung von Claudia Benzinger Browne mit den Neuankömmlingen. Dann haben sich die Hunde sortiert, haben jeden Quadratzentimeter erschnüffelt und in der Regel auch den Garten erkundet. Der ist für die Vierbeiner über den Keller erreichbar, was das Ganze richtig spannend macht, zumal ein Fenster das Tor zur sicher eingezäunten Freiheit ist. Und das Fenster ist wiederum über eine spezielle Treppe zu erreichen.

Foto: Carsten Riedl

Der Außenbereich hält für die Gäste auf Zeit neben der obligatorischen Hundehütte auch noch die eine oder andere Überraschung bereit. In der wild-romantischen Hütte hinter der Wiese hat Zeiko sein Zuhause. Das ist der betagte braune Araber-Wallach von Claudia Benzinger Browne. Und damit der nicht so allein in seinem großen Stall steht, leisten ihm Mägges und Fly, die beiden Burenziegen, Gesellschaft. Die drei sind ein eingespieltes Team - von Futterneid kann keine Rede sein, als die Chefin getrocknete Wecken für alle verteilt.

„Ich habe immer Hunde gehabt, und schon lange ist mir die Idee einer Hundebetreuung im Kopf herumgeschwirrt“, erzählt Claudia Benzinger Browne. Mit dem Haus auf der Alb nahm der Plan immer konkretere Formen an, und eines Tages war der Entschluss gefasst. Als das Konzept stand, Garten und Erdgeschoss den Vorstellung des Ehepaars Benzinger Browne entsprach, nahm Claudia Kontakt zum zuständigen Veterinäramt in Reutlingen auf. Die Inspektoren waren zufrieden, mit einer Ausnahme: Ein Raum muss zum Separieren eines Hundes vorhanden sein. Sollte sich ein Vierbeiner eine ansteckende Krankheit eingefangen haben, kann er so schnell von den anderen getrennt werden. So verschwand der schöne Holzboden unter leicht zu reinigendem PVC. Hier gibt es auch Desinfektionsmittel und einen Arzneischrank. „Ich habe auch einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde gemacht, damit ich richtig reagieren kann, wenn mal was passiert“, so Claudia Benzinger Browne. Außerdem musste sie im Landratsamt ihr Wissen bei einer Sachkundeprüfung unter Beweis stellen.

Foto: Carsten Riedl

Mittlerweile hat sie schon einige Stammkunden. Ein Ehepaar nimmt sich alle paar Wochen „hundefrei“, um auf Städte- oder Museumstour gehen zu können. Der Langzeitrekord liegt bei drei Wochen - in dieser Zeit war das Frauchen in der Reha. Egal, wie lange die Besitzer weg sind, die Wiedersehensfreude ist auf beiden Seiten gleich groß. „Manche meinen, sie seien von den Hunden vergessen worden, weil sie sich hier so wohl fühlen, aber das stimmt nicht. So gerne die Tiere kommen, so gerne gehen sie auch wieder zurück nach Hause“, ist die Erfahrung von Claudia Benzinger Browne.

Ihre Entscheidung, von Reudern auf die raue Alb zu ziehen, haben sie und ihr Mann keine Sekunde bereut. „Wir haben hier viel Platz. Ich kann drei Stunden gehen, ohne einem Menschen zu begegnen. Das ist top, wenn man mit mehreren Hunden unterwegs ist.“ Und auf einen schneereichen Winter freut sie sich auch. „Mit Schneeschuhen bist du weg - vor allem weg von den Straßen, die mit Salz gestreut werden“, sagt sie. Somit braucht sie die zarten Hundepfoten nicht mit Vaseline schützen.

Foto: Carsten Riedl
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