Lenninger Tal

Bei Scheufelen gehen die Lichter aus

Wirtschaft Die Oberlenninger Papierfabrik hat keinen Investor gefunden. Der Betrieb muss deshalb stillgelegt werden. Für die Abwicklung benötigt das Unternehmen noch 20 bis 30 Mitarbeiter. Von Anke Kirsammer

Einst war die Papierfabrik Scheufelen größter Arbeitgeber im Lenninger Tal. Weil sich für das insolvente Unternehmen kein Invest
Einst war die Papierfabrik Scheufelen größter Arbeitgeber im Lenninger Tal. Weil sich für das insolvente Unternehmen kein Investor gefunden hat, sieht es für die Belegschaft düster aus.Foto: Werner Feirer

Alle Bemühungen haben nicht gefruchtet: Die Firma Scheufelen hat keinen Investor gefunden. In Abstimmung mit dem Betriebsrat wurden die Mitarbeiter diese Woche darüber informiert, dass es im Laufe des Monats Mai Kündigungen geben wird. Dafür braucht es einen Sozialplan. „Wir werden noch mit einer Abwicklungsgruppe von 20 bis 30 Leuten arbeiten“, sagt der Insolvenzverwalter Dr. Tibor Braun. Wer anderweitig eine Anstellung finde, bekomme einen Aufhebungsvertrag. Die Kündigungsfrist reduziert sich bei einer Insolvenz auf maximal drei Monate. Das gilt auch für Mitarbeiter, die bereits sehr lange bei der Papierfabrik arbeiten.

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„Wir sind mit zwei abgespeckten Versionen ins Rennen gegangen“, erläutert Tibor Braun. Neben dem gestrichenen Papier wurde auf Graspapier für Verpackungen gesetzt. „Es ist leider niemand mit uns darüber in Verhandlung getreten“, sagt der Insolvenzverwalter. Letzter Notnagel sei gewesen, mit deutlich weniger Personal auf Sicht nur noch Graspapier zu produzieren. Gehofft hatte man bei Scheufelen, dafür weniger Kapital zu benötigen. Aber: „Es gibt schlicht und einfach keinen Investor“, sagt Braun.

Auch wenn die Produktion stillgelegt ist, geht der Rechtsanwalt davon aus, dass sich die Abwicklung der Papierfabrik mehrere Monate hinzieht. „Die Kläranlage beispielsweise ist nicht von heute auf morgen abgestellt.“ Alleine dafür müsse man zwei bis drei Personen an Bord halten. Die „Abwicklungstruppe“ werde sich auf 20 bis 30 Mitarbeiter belaufen. Jetzt gehe es darum, die Maschinen bestmöglich zu verkaufen.

Dass man die 1904 gebaute Papiermaschine, die 2014 abgestellt worden war, in den vergangenen Wochen zum Laufen gebracht hatte, wertete ein Teil der Belegschaft als Hoffnungszeichen, dass es weitergeht. Das sei auf Bitten des Versteigerers geschehen, erläutert Braun. „Wir haben der Belegschaft ohne Wenn und Aber gesagt, wir gehen davon aus, dass wir den Betrieb endgültig stilllegen müssen.“ Die Produktion könne im Insolvenzverfahren unter keinen Umständen wieder aufgenommen werden. Nach wie vor hält er das Graspapier für eine tolle Entwicklung. Biege nächste Woche noch ein Investor um die Ecke, gebe es nach wie vor Optionen. Tibor Braun hält das aber für unwahrscheinlich. Dr. Ulrich Scheufelen, der langjährige geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, habe europaweit telefoniert. „Das alles hat keine Wirkung gezeigt“, so der Insolvenzverwalter bedauernd.