Lenninger Tal

Das dritte Leben des Tälesbahn-Wagens

Ein ehemaliger Waggon aus dem Neuffener Tal soll wiederhergestellt werden

Über ein Jahr musste Frank Lehmann darauf warten, bis er einen ehemaligen Wagen der Tälesbahn aus dem Hunsrück abtransportieren konnte. Der Ingenieur war durch Zufall auf das historische Gefährt gestoßen. Es war bis zum Jahr 2000 zwischen Nürtingen und Neuffen unterwegs.

Mit einem Kran wurde der historische Wagen auf einen Tieflader gehoben. Foto: Lehmann
Mit einem Kran wurde der historische Wagen auf einen Tieflader gehoben. Foto: Lehmann

Neuffen/Sulzbach-Rosenberg. Es wäre die zweite Auferstehung eines historischen Bahnfahrzeugs: Im vergangenen Jahr entdeckte Frank Lehmann den Wagen durch Zufall. Er wollte in Hermeskeil im Hunsrück alte Schienenfahrzeuge abholen. Dabei stieß er auf einen ehemaligen Wagen der Tälesbahn – den VB 105. Der Wagen war dort bis zum Jahr 2000 unterwegs. Nun will Lehmann das Fahrzeug vor dem Verfall retten. Es ist nämlich viel älter, als der Aufbau aus den 1960er-Jahren vermuten lässt: Das Untergestell stammt aus den Gründerjahren der WEG.

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Gut 40 Jahre tat der VB 105 zwischen Nürtingen und Neuffen seinen Dienst. Auf der Tälesbahnstrecke wurde der sogenannte Beiwagen im Gespann mit einem motorisierten Triebwagen eingesetzt.

Interessant an dem VB 105 sei, dass das Untergestell über 100 Jahre alt ist. Es stammt vermutlich von einem Wagen der Kochertalbahn und wurde 1907 gebaut. Aber nicht nur das Alter des Fahrgestells mache den VB 105 interessant, weiß Lehmann: Auch als Zeitzeugnis dafür, wie man in den 1960er-Jahren mit wenig Geld Schienenfahrzeuge gebaut hat, sei der Wagen interessant.

Deshalb haben er und einige Eisenbahn-Enthusiasten nun nach langem Warten dafür gesorgt, dass das historische Gefährt von Hermeskeil nach Sulzbach-Rosenberg transportiert wurde. Dort konnte der Wagen in einer Halle trocken abgestellt werden. Auf der Abstellfläche im Hunsrück, neben einer stillgelegten Bahntrasse, wurde der Wagen in den vergangenen Jahren zunehmend vom Rost zerfressen.

„Ein Transport auf der Schiene war nicht möglich“, sagt Lehmann. Denn die Zugvorrichtung des Wagens sei zu stark beschädigt gewesen. Deshalb konnte man ihn nur per Tieflader wegbekommen.

Dafür musste er zunächst tief in die Tasche greifen. Rund 6 000 Euro kostete der Transport, den der Ingenieur selbst bezahlte. Andere Helfer besorgten die beiden Kräne und halfen bei der Organisation des Transports über die Autobahn.

Die rund 400 Kilometer lange Reise nach Sulzbach-Rosenberg trat der VB 105 schließlich Anfang August an. Dort steht er erst mal trocken in einer Werkhalle. „Jetzt muss der Wagen erst mal vollständig trocknen“, sagt Lehmann. Die Jahre im Freien hätten den Aufbau ziemlich mitgenommen. Erst wenn der Wagen vollständig trocken sei, könne man mit der Sanierung beginnen. Davor müssen aber die Spuren der Vergangenheit beseitigt werden: Schmutz und Laubreste hätten sich im Inneren angesammelt. „Wir wissen noch nicht, was man bei der Sanierung für Beschädigungen findet“, sagt Lehmann.

Die Zugvorrichtungen seien beschädigt; hier sei man auf der Suche nach Ersatzteilen. Außerdem ist der Wagen im Inneren komplett leer geräumt. Irgendwann muss die komplette Einrichtung entfernt worden sein. Deshalb kann sich Lehmann verschiedene Sanierungskonzepte für den Tälesbahn-Veteranen vorstellen. „Man könnte einen Fahrradwaggon daraus machen“, sagt er. Den Wagen also sanieren und leer lassen. Alternativ kann er sich vorstellen, den VB 105 zu einem historischen Speisewagen im Stil der 1950er oder 1960er umzubauen. Derzeit favorisiert er die Speisewagen-Variante.

Bis der Wagen seine zweite Auferstehung seit 1907 feiern kann, müssen sich die Eisenbahnfreunde noch ein bisschen gedulden. Es dauere wohl mindestens zwei Jahre, bis das Fahrzeug wieder einsatzbereit ist – „bis 2017 wird es wohl dauern“, sagt Lehmann.