Lenninger Tal

Der Heerweg ist eine Herkulesaufgabe

Sanierung Die gut ein Kilometer lange Straße in Oberlenningen verschlingt mehrere Millionen Euro. Eine große Unbekannte sind die Stützmauern und der Untergrund. Von Anke Kirsammer

Nicht nur der Straßenbelag des Heerwegs muss saniert werden. Auch die Kanäle und Leitungen sind marode. Foto: Jean-Luc Jacques
Nicht nur der Straßenbelag des Heerwegs muss saniert werden. Auch die Kanäle und Leitungen sind marode. Foto: Jean-Luc Jacques

Der Heerweg in Oberlenningen ist nicht nur eine der längsten Straßen abseits der B 465 in Lenningen. Seine Sanierung wird auch das teuerste Einzelprojekt, das die Gemeinde je angepackt hat. 5,2 Millionen Euro stehen im Raum. Doch ist schon jetzt klar, dass der Betrag nicht reicht. Auf einer Länge von einem Kilometer braucht es neue Kanäle. Die 45 bis 70 Jahre alte Wasserleitung ist ebenfalls marode und muss ausgetauscht werden. Hinzukommt eine neue Gestaltung des über zehn Ar großen Heinrich-Scheufelen-Platzes. Geplant ist, den holprigen Belag durch ein behindertengerechtes, ebeneres Granitpflaster zu ersetzen. Wie der Planer Wolfgang Bürkle erläuterte, soll der großzügige Charakter erhalten bleiben. Vorgesehen sind zwölf Stellplätze und fünf zusätzliche Bäume.

Einer ausgiebigen Diskussion um die künftige Abwasserbeseitigung von elf Gebäuden im hinteren Teil des Heerwegs (siehe Kasten) zum Trotz: Bei drei Enthaltungen stimmte der Gemeinderat den von Wolfgang Bürkle und der Verwaltung favorisierten Varianten für die Sanierung der Straße und der Umgestaltung des Platzes zu. Jetzt soll der Baugrund untersucht werden. Genauer unter die Lupe genommen werden müssen auch die Stützmauern südwestlich der Straße. Die dafür im Vorentwurf enthaltenen 83 000 Euro bezeichnet Wolfgang Bürkle als erste Hausnummer. „Schon alleine die Geländer fressen die Zahlen auf.“ Die steilen Böschungen, Setzungen der Fahrbahn und Hangbewegungen lassen vermuten, dass die Sanierung kein Pappenstiel wird. Zwar stehen die Mauern auf Privatgrundstücken, dennoch gehören sie der Gemeinde.

„Es gibt Maßnahmen, auf die wir gerne verzichten würden“, betont Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. An dem Vorhaben führe aber angesichts zahlreicher Wasserrohrbrüche und Scherbenbildungen im Kanal kein Weg vorbei. Das Vorhaben ist für die Gemeinde nicht nur finanziell eine Herkulesaufgabe. Eine Herausforderung wird auch, während der Bauzeit die Zufahrt zu den Gebäuden zu gewährleisten.

5,2 Millionen stehen im Raum

Samt Nebenkosten beläuft sich das Projekt laut Vorentwurfsplanung auf 5,2 Millionen Euro. Darin enthalten sind 1,5 Millionen für den Abwasserkanal, jeweils rund eine Million für die Wasserleitung sowie für Straße und Gehwege, 83 000 Euro für die Stützmauer und 30 000 Euro für Breitband-Leerrohre. Knapp 600 000 Euro sind für die Gestaltung des Heinrich-Scheufelen-Platzes angesetzt und 250 000 Euro für die Einzelpumpstationen.

Pumpstationen oder gesonderter Kanal?

Die elf Häuser die im hinteren Bereich des Heerwegs unterhalb der Straße liegen, sind an einen separaten Kanal angeschlossen, der durch ihre Gärten führt. Die Gemeinde möchte ihn stilllegen und auf jedem der Grundstücke eine Pumpstation installieren, die das Abwasser zum oberen Kanal schafft. Das Regenwasser müssten die Hausbesitzer auf ihrem Grundstück entwässern. Nach dem Bau gehen die Anlagen in den Besitz der Eigentümer über. „Solche Pumpen funktionieren weitgehend ohne Wartung“, sagte der Planer Wolfgang Bürkle. Bei einem Vier-Personen-Haushalt verursache die Anlage jährlich rund 30 bis 40 Euro Stromkosten. Die Alternative zu den Pumpen ist eine Erneuerung des bisherigen Abwasserkanals.

An der bevorzugten Variante der Gemeinde entzündete sich eine ausgiebige Debatte: Gemeinderat Karl Boßler fürchtete die Schaffung eines Präzedenzfalls, wenn die Pumpstationen von der Allgemeinheit bezahlt werden. Da es in Lenningen keine vergleichbare Situation gibt, teilte Bürgermeister Schlecht diese Sorge nicht. Die Hausbewohner könnten ihre Gärten überdies besser nutzen. „Wenn man das Gebiet jetzt bebauen würde, würde man es genau mit solchen Pumpen machen.“ Dr. Ulrich Jaudas sprach sich dagegen aus, mit einem erneuerten Kanal eine doppelte Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Falk Kazmaier vermisste ein Stimmungsbild der Eigentümer. Schließlich einigte sich das Gremium auf die von der Verwaltung favorisierte Variante, um Wolfgang Bürkle weitere Untersuchungen zu ermöglichen. Die Gemeinde sucht nun das Gespräch mit den Besitzern der elf betroffenen Häuser. Im Anschluss entscheidet das Ratsgremium, welche der beiden Alternativen zum Zug kommt. ank

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