Lenninger Tal

Die Auferstehungder Kelten

Geschichte Der Bau des Erlebnispfads am Heidengraben hat begonnen. Mit virtuellen Multimedia-Angeboten werden die Besucher in die Welt der Kelten entführt. Start soll im Herbst sein. Von Thomas Schorradt

Die Bürgermeister Siegmund Ganser aus Hülben und Roland Deh aus Grabenstetten freuen sich über den Beginn der Bauarbeiten am neu
Die Bürgermeister Siegmund Ganser aus Hülben und Roland Deh aus Grabenstetten freuen sich über den Beginn der Bauarbeiten am neuen Keltenweg. Foto: Gabriele Böhm

Der Heidengraben, ein keltischer Befestigungswall auf der Schwäbischen Alb, hat einst bis zu 10 000 Einwohnern Schutz geboten. Seine Konturen zeichnen sich noch deutlich sichtbar in der Alblandschaft ab. Rund tausend Jahre lang haben die Kelten auf dem zwischen Erkenbrechtsweiler (Kreis Esslingen), Grabenstetten und Hülben (beide Kreis Reutlingen) gelegenen und leicht zu verteidigenden Bergsporn gesiedelt. Um die Zeitenwende hat sich der Schatten der Geschichte über das Oppidum gelegt, das mit seiner Ausdehnung von 17 Quadratkilometern als die einst größte keltische Siedlung auf dem europäischen Festland gilt. Jetzt, 2000 Jahre später, kommen die Kelten wieder.

Die Rückeroberung des angestammten Siedlungsgebiets geschieht entlang eines Kelten-Erlebnis-Pfads, mit dessen Bau die drei Standortgemeinden jetzt begonnen haben. Den Schlusspunkt setzt das eigentliche Heidengraben-Zentrum, ein Gebäude, das architektonisch die kreisrunde Form eines keltischen Grabhügels aufnimmt und auf 750 Quadratmetern bespielter Fläche das Fenster in die keltische Lebenswelt von vor 3000 Jahren öffnet. Ein Fenster, durch das der Prognose zufolge pro Jahr immerhin rund 35 000 Besucher schauen werden.

Während das knapp fünf Millionen Euro teure Zentrum zu Beginn des Jahres 2023 an den Start gehen könnte, soll der Appetithappen, der sechs Kilometer lange Kelten-Erlebnis-Pfad, schon im Herbst fertiggestellt sein. Dann, so verspricht der Projektleiter Gerd Stegmaier, erwartet die Besucher auf der Vorderen Alb „ein einmaliger Erlebnisweg, den es in dieser Form sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen Baden-Württembergs noch nicht gibt“.

Um das Versprechen einzulösen, bedienen sich die Planer allerlei Tricks aus der medialen Handwerkskiste. An den insgesamt neun Mitmach-, Erlebnis-, und Informationsstationen werden die Besucher über eine kostenfrei Handy-App, die von September an entweder über einen Hotspot vor Ort oder auf der Homepage im Internet bezogen werden kann, in die Welt der Kelten entführt.

„In mehreren 360-Grad-Darstellungen wird die prähistorische Szenerie auf das Tablet gespielt. Die Betrachter bekommen den Eindruck, mitten in der Keltensiedlung von vor 2000 Jahren zu stehen“, sagt Stegmaier. In die reale Alb-Landschaft gespiegelte Hologramme lassen einen Torwächter mit Schild oder eine reich geschmückte Frau erscheinen. Luftbildperspektiven und Bildpanoramen formen sich zusammen mit 17 Videosequenzen zu einem realistischen Gesamtbild des untergegangenen Lebens am Heidengraben. An jeder der barrierefrei erreichbaren Stationen ist zudem ein Hörspiel abrufbar. Ebenso nehmen speziell für Kinder aufbereitete Texte und Suchspiele auf die Bedürfnisse der kleinen Besucher Rücksicht. Neben Tastmodellen und Informationen in Braille-Schrift ist die Vermittlung der Inhalte generationsübergreifend und mehrsprachig angelegt.

Um den Pfad auf den Weg zu bringen, nehmen die drei Gemeinden rund 570 000 Euro in die Hand. Knapp die Hälfte davon sind öffentliche Zuschüsse, die andere Hälfte teilen sich die Partner in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl.

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