Lenninger Tal

Gas-Trasse ins Oberstädtle rückt näher

Landessanierungsprogramm: Owen will Fördermittel nutzen, um die Energieversorgung umzustellen

Wenn sich der Gemeinderat am Dienstag entscheidet, die städtischen Gebäude mit Erdgas oder Nahwärme zu versorgen, kann das auch Hauseigen­tümern ­nutzen. Doch noch ist das ­Vorhaben an viele Wenns und ­Abers gebunden: Trotz Zuschüssen zeigen nicht genügend Owener Interesse.

Ob städtische Gebäude in Owen wie die Sibylle-von-der-Teck-Grundschule in Zukunft ein kleines Nahwärme- oder Erdgasnetz bekommen
Ob städtische Gebäude in Owen wie die Sibylle-von-der-Teck-Grundschule in Zukunft ein kleines Nahwärme- oder Erdgasnetz bekommen, entscheidet am Dienstag der Gemeinderat. Foto: Jean-Luc Jacques

Owen. Owen hat es geschafft: 2016 wurde die Stadt ins Landessanierungsprogramm aufgenommen. Rund 833 000 Euro Zuschuss hat die Gemeinde in den nächsten acht Jahren für Sanierungspläne zur Verfügung – und die Verwaltung ist willig, zu teilen. Im Visier hat sie vor allem die energetische Erneuerung im Ort. Per Fragebogenaktion hatte die Gemeinde sich bei Anwohnern im Ober- und Unterstädtle erkundigt, ob sie sich eine andere Art der Wärmeversorgung in ihrem Haus vorstellen könnten. Die Antworten waren zahlreich – und etwas ernüchternd: Nicht einmal die Hälfte der Befragten habe Interesse, etwas zu ändern. Die Zuschüsse aus dem Landessanierungsplan sollen der Aktion einen Anschub geben.

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Im Owener Ober- und Unter­städtle heizen die meisten Haushalte mit Öl. Zur Debatte stehen jetzt zwei Varianten: entweder eine neue Versorgung per Nahwärme oder per Gasleitung. Doch beide haben einen entscheidenden Nachteil. Ein flächendeckendes Netz zu legen, das die wenigen Interessenten lückenlos erreicht, lohnt sich für keinen Anbieter – die Häuser sind schlichtweg zu weit voneinander entfernt. Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis.

Für das Unterstädtle rücken damit beide Varianten in weite Ferne. Im Oberstädtle kann die Stadtverwaltung mit einem Kniff nachhelfen: Wenn alle städtischen Gebäude den ersten Schritt machen, lohnt es sich zumindest, dieses kleine Netz zu bauen. Im Falle einer Gasleitung könnten sich Häuser entlang der Trasse anschließen. Im Falle eines kleinen Nahwärmenetzes würde immerhin ein Anreiz für Energieversorger geschaffen, das Netz eines Tages zu übernehmen und auszubauen, sodass auch Privatleute davon profitieren können – Zukunftsmusik. Der „große Wurf“, wie es Bürgermeisterin Verena Grötzinger bei einer Informationsveranstaltung in der Bernhardskapelle formulierte, gelingt der Stadt damit nicht. „Trotzdem wollen wir eine Möglichkeit schaffen, etappenweise etwas zu verändern.“

Denn die Veränderung hat der Stadtkern dringend nötig. 133 Haushalte im Ober- und Unterstädtle wurden befragt. Etwa 84 Prozent der Gebäude stammen aus der Zeit vor 1979 – dem Jahr der ersten Wärmeschutzverordnung. Rund die Hälfte aller Häuser ist unsaniert. Falls etwas gemacht wurde, dann oft nur die Fenster. Michael Metzger, Diplom-Ökonom bei der Ingenieurgesellschaft EFG bescheinigt dem Ort ein „hohes Sanierungspotenzial“. Wenn die Gemeinde die Klimaschutzziele der Bundesregierung für 2020 und 2050 packen will, wird es Zeit.

Die Umstellung hätte für Hauseigentümer einige Vorteile: Beide Möglichkeiten sparen Platz im Haus und schonen die Umwelt. Wer einen Nahwärmeanschluss hat, muss sich zudem nicht sorgen, zusätzlich Wärme aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Viele Heizkessel im Ort dürften ihr Haltbarkeitsdatum so oder so bald überschritten haben: Seit 2014 dürfen sie höchstens 30 Jahre alt sein. Trotzdem ist die Sanierung mit Kosten von bis zu 25 000 Euro verbunden. Die teurere Nahwärme rentiert sich auf Dauer nur unter bestimmten Bedingungen.

Um Hausbesitzer im Ober- und Unterstädtle zu ermuntern, ihr Haus demnächst fit für die Zukunft zu machen, will die Verwaltung jetzt ihre Erneuerungspläne und das Geld aus dem Landessanierungsplan verzahnen. Damit können auch private Sanierungen im Ober- und Unterstädtle gefördert werden – zum Beispiel die Umstellung auf Nahwärme oder Erdgas. Das funktioniert allerdings nur, sofern die Stadt dafür den Grundstein legt und ein kleines Netz für ihre eigenen Gebäude baut – und sich genügend Abnehmer für den Ausbau finden. Auch muss der Gemeinderat noch festlegen, wie viel Geld den Privatsanierungen tatsächlich zuteil wird. Am Ende bleibt in Owen also eine Kette an „Wenns“.

Am kommenden Dienstag, 12. April, entscheidet der Owener Gemeinderat über die Zukunft der Energieversorgung in den städtischen Gebäuden. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Sitzungssaal im Rathaus.