Lenninger Tal

Owen setzt auf „Jugend löscht“

Feuerwehr Owens Brandbekämpfer haben schon vor 50 Jahren auf die Jugend gesetzt und ernten bis heute die Früchte ihrer Nachwuchsarbeit. Das Eintrittsalter liegt bei zehn Jahren. Von Daniela Haußmann

Gruppenbild im Schatten der Teck: Owens Jugendfeuerwehr plagen keine Nachwuchssorgen. Foto: pr
Gruppenbild im Schatten der Teck: Owens Jugendfeuerwehr plagen keine Nachwuchssorgen. Foto: pr

Der Grundstein für die heutigen Jugendfeuerwehren im Landkreis wurde in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gelegt. Dass man nach dem Krieg verstärkt auf die Jugend setzte, wird auch in Owen deutlich: Dort haben die Floriansjünger vor 50 Jahren eine Jugendfeuerwehr gegründet, waren damit aber nicht die Ersten. Andere Feuerwehren hatten schon viel früher die Initiative ergriffen. In Nürtingen war bereits 1955 eine JFW entstanden. Rings um die Teck folgte diesem Beispiel 1963 Notzingen, 1966 Weilheim und im Januar 1969 Kirchheim. Owen zog im April des gleichen Jahres nach und stellte damit im Landkreis die 12. Jugendfeuerwehr.

„Damit hatten bereits elf Feuerwehren Erfahrungen gesammelt, auf denen wir aufbauen konnten“, erklärt Bernhard Carrle, der damals mit 13 anderen Schülern in die eben erst gegründete JFW Owen eingetreten war. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde zählte auch Fritz Däschler, der sich wie Carrle bis zum heutigen Tag bei den Floriansjüngern engagiert. „Auch vor 50 Jahren kam der Nachwuchs nicht von allein zur Feuerwehr“, erzählt der ehemalige Jugendwart. Mit der Gründung der Jugendfeuerwehren versuchten die Kameraden daher erstmals, systematisch Jugendliche zu erreichen.

Bevor es sie gab, konnten nur Erwachsene zur Feuerwehr stoßen. „Die wurden ‚Learning by doing‘ ausgebildet, also bei Übungsabenden und laufenden Einsätzen“, erinnert sich Fritz Däschler. „Denn erst ab 1982 gab es eine systematisierte Grundausbildung.“ Ihre Einführung trug der Tatsache Rechnung, dass die Zahl der technischen Hilfeleistungen in gleichem Maße wuchs wie der Verkehr. Außerdem stand auch beim Brandschutz die Entwicklung nicht still, sodass die Feuerwehren neuen Anforderungen gerecht werden mussten. Junge Menschen, die in den eigenen Reihen zu gut qualifizierten Einsatzkräfte ausgebildet wurden, gewannen nicht zuletzt vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Das zeigte sich auch an den Ausbildungsinhalten.

Die 14 bis 18 Jahre alten Jugendfeuerwehrleute trafen sich regelmäßig zu Übungsabenden. Bernhard Carrle blickt zurück: „Wir lernten, wie Brände entstehen, wie man sie bekämpft, welches Gerät wann und wie verwendet wird, wie Unfallstellen abgesichert werden oder wie die Unfallverhütung und der Gesundheitsschutz im Feuerwehrdienst aussieht.“ Im Winter übten die angehenden Rettungskräfte mit dem DRK Erste Hilfe. „Stabile Seitenlage, Wundversorgung, Druckverband anlegen - das und vieles andere haben wir immer wieder geübt“, berichtet Fritz Däschler. All das ist laut Manuel Jauss noch immer zentraler Bestandteil der Wissensvermittlung.

„Seit 1969 hat sich daran nicht viel geändert“, so der amtierende Jugendwart. „Die Löschübung bildet noch immer den Kern der Ausbildung, weil sie für die Jugendlichen körperlich problemlos leistbar ist.“ Außerdem sorgt sie für Spaß. Der ist wichtig, denn nur so lassen sich die Heranwachsenden langfristig für das Ehrenamt begeistern. Deshalb stand in den 50 Jahren, in denen es die JFW Owen schon gibt, nicht nur der Ernst des Feuerwehrlebens im Fokus. „Wichtige Inhalte wurden schon immer spielerisch vermittelt“, sagt Jauss. „Ausflüge, Zeltlager, der Kreispokalwettbewerb auf Kreisebene, Übungen mit benachbarten Jugendfeuerwehren - das gab es schon immer.“ 2006 kam in Owen die 24-Stunden-Übung dazu, bei der die Kids einen Tag bei der Berufsfeuerwehr simulieren.

In ihrer langen Geschichte hat die JFW Owen 138 Jugendliche erreicht, von denen 99 in die Einsatzabteilung wechselten. Für Manuel Jauss ein Erfolg, obwohl der Aufwand für die Nachwuchsgewinnung bei gleichzeitig schrumpfender Kinderzahl seit 1969 deutlich gestiegen ist. Demografischer Wandel und vielfältige Freizeitangebote führten 1998 zu dem Entschluss, ganzjährig Neumitglieder aufzunehmen. Später wurde das Eintrittsalter auf zehn Jahre gesenkt. Fortan nahm die JFW am Kinderferienprogramm teil, lud Schulklassen ein, schuf Schnupper­angebote für Interessierte. Dass die Owener Floriansjünger keine Nachwuchssorgen plagen, ist für Jauss jedenfalls das Ergebnis einer erfolgreichen Jugendarbeit, für die vor einem halben Jahrhundert der Grundstein gelegt wurde.

Eigener Infostand auf dem Stadtfest

Jugendliche, die mehr über die Jugendfeuerwehr (JFW) Owen erfahren wollen, haben am 21. Juli Gelegenheit dazu. Die angehenden Rettungskräfte sind dann nämlich beim Stadtfest mit einem eigenen Infostand vertreten. Kinder haben die Möglichkeit, beim Zielspritzen in die Rolle der Feuerwehrleute zu schlüpfen. Am 28. September lädt die JFW Owen Interessierte zu ihrer Hauptübung ein. Mehr Infos gibt es unter www.feuerwehr-owen.de in der Rubrik Jugendfeuerwehr.dh

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