Lenninger Tal

Rempeln erlaubt

Bubble-Fußball im Eberhard-Bauer-Stadion in Esslingen – Kicken unter außergewöhnlichen Bedingungen

In solchen „Trikots“ muss man den Ball erst einmal sehen.Foto: Andrea Ambos
In solchen „Trikots“ muss man den Ball erst einmal sehen.Foto: Andrea Ambos

Esslingen. Zehn Spieler, elf Bälle und ein Turnier, dessen Gewinner am Ende der FC Esslingen war, haben jüngst die Zuschauer des ersten

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Esslinger Bubble-Fußball-Turniers im Eberhard-Bauer-Stadion begeistert. Bei diesem in Skandinavien entwickelten Funsport verwandeln sich die Spieler mittels aufblasbarer Plastikluftblasen selbst in riesige Bälle mit einem Durchmesser von etwa 1,20 Meter und versuchen, einen ganz normalen Fußball ins gegnerische Tor zu setzen.

Insgesamt waren 20 Teams angetreten, von denen sich besonders die Spieler von Ajax Bubblegum durch beherzten Körper- beziehungsweise Bubble-Einsatz auszeichneten. Und genau das macht den Reiz für die Spieler und vor allem für die Zuschauer aus. Womit man beim herkömmlichen Fußball gelbe und rote Karten erntet, ist beim Bubble-Fußball ausgesprochen erwünscht: Rempeln, Schubsen, Umhauen. Nur nicht von hinten, denn auch beim Bubble-Fußball gibt es Regeln.

Die allerdings konnte sich bei besagtem Turnier kaum jemand merken, wie Jonas nach seinem Einsatz berichtete: „Ich hab‘ mir die Regeln zwar durchgelesen, aber nachher auf dem Feld schon wieder vergessen. Da war ich erst einmal damit beschäftigt, mich an die eingeschränkte Sicht zu gewöhnen und überhaupt einen Überblick über das Feld zu bekommen“, sagte der 21-jährige Handballer schmunzelnd.

Er hatte wie seine Mitstreiter und Gegner über Veranstaltungsseiten vom Turnier erfahren und sich spontan zur Teilnahme angemeldet. Denn Bubble-Fußball wird nirgends trainiert. Eventveranstalter Marius Huxoll will die rund zehn Kilo schweren Bubbles ab Herbst in einer Sporthalle in Bad Cannstatt gegen Gebühr zur Verfügung stellen und nutzte das Esslinger Turnier vorab schon einmal als Auftakt und Appetizer.

Die einzigen Einschränkungen ergeben sich durch die Konstruktion der Bubbles. Sie erlauben den Spielern lediglich ein Gewicht von maximal 90 Kilogramm. Die Altersmindestgrenze liegt bei fünf Jahren, nach oben sind prinzipiell keine Grenzen gesetzt. Die Bubbles gleichen einem Apfel, dessen Kerngehäuse entfernt wurde. Der Spieler stülpt sich die Luftblase über und wird von Schultergurten daran gehindert, bei einem Kopfstand oder Überschlag aus der oberen Öffnung zu rutschen. Kopf und Hals sind durch den oberen Luftpolsterrand gesichert. Im Inneren befinden sich außerdem zwei Haltegriffe, sodass die Luftblase nicht um den Spieler rotieren und der Spieler außerdem mehr Energie in sein Vorwärtskommen legen kann.

Juliane versuchte als Torhüterin, den Ball zu halten – hatte aber keine Chance. „Erst mal hab‘ ich den Ball gar nicht richtig gesehen, eher die Spieler, wenn sie sich in ihren Bubbles plötzlich auf mich zubewegten“, erzählte die 19-jährige Volleyballerin. Und ihre Freundin Laura fügte schmunzelnd hinzu: „Man kann sich ja in so einer Bubble gar nicht auf die Seite werfen, um den Ball zu halten. Da wippt der Körper in der Luft und dreht sich mit der Luftblase einfach weg.“

Trotz aller Hindernisse kämpften sich am Ende des Turniers die Mannschaften FC Esslingen und Hier-kommt-Alex tapfer bis zu einem Torestand von 1:1 durch und gingen zur großen Begeisterung des Publikums ins Elfmeterschießen. Dieses konnte der FC Esslingen dann mit einem Punktestand von 2:1 für sich entscheiden.

Einen besonderen Hingucker bescherten die Spieler des Teams Welcome United aus der benachbarten Flüchtlingswohnanlage dem Publikum im Stadion. Sie bedankten sich für die Einladung zur Teilnahme am Ende des Turniers mit einem traditionellen Tanz aus ihrer Heimat.