Lenninger Tal

Saugefährliche Kalorienbomben und Lockenstäbe

Männerstammtisch Falk Henkel unterhält in Reimform und verrät, wieso er als Lenninger Landarzt in die Pfalz zog.

Der Ex-Lenninger Falk Henkel sorgte dafür, dass die über 50-Jährigen bestens gelaunt waren.Foto: Thomas Kaltenecker
Der Ex-Lenninger Falk Henkel sorgte dafür, dass die über 50-Jährigen bestens gelaunt waren.Foto: Thomas Kaltenecker

Lenningen. Ein ganzer Saal voll gut gelaunter Männer - das schafften die Akteure beim 36. „Männerstammtisch 50PLUS“ unter dem Dach von „Unser Netz“ im Oberlenninger Julius-von-Jan-Gemeindehaus. Gewaltig los ging‘s schon mit dem Lenninger Alphorn-Quintett rund um Gottlieb Dangel. Der Kupferschmied hatte vor vier Jahren die Idee, dieses besondere Musikinstrument statt aus Holz aus Messing herzustellen. Das Ergebnis - und vor allem das Klangerlebnis - konnte sich hören lassen. „Die fünf sind eine echte Bereicherung“, sagte Werner Schulmeyer, als er die Gäste aus Lenningen und den Nachbargemeinden begrüßte und einen schwäbischen Abend ankündigte.

Diesen Ball nahm Dr. Falk Henkel auf, der den „Haupt-Act“ des Abends bestritt. Er hat ein spezielles Gedicht eben jenen Alphörnern gewidmet - quasi als Kostprobe auf seinen Vortrag, den er nach dem Vesper hielt. „Lachen ist die beste Medizin - garantiert ohne Nebenwirkungen“, sagte Werner Schulmeyer im Blick auf Werke und Beruf von Falk Henkel, der lange Jahre Hausarzt in Lenningen war.

Von Lenningen in die Pfalz

Vor zwölf Jahren hat das Ehepaar Henkel einen klaren Schnitt gezogen. Im Lenninger Tal aufgewachsen und dort das ganze Arbeitsleben verbracht, zog Falk Henkel mit seiner Frau in die Pfalz. „Die Alb ist kalt, die Pfalz trocken, warm und fast schon mediterran. Dazu gibt‘s dort no en allmachts guada Wei, dem i beim Wachsa zua­gucka ka“, erklärte er. Ein weiterer, nicht unwesentlicher Grund: „Als Landarzt ist es nicht schlecht, wenn man verschwindet. Die Patienten finden den Arzt auch ohne Praxis - und verrentet“, sagte Falk Henkel.

Gedichte in Schwäbisch

Seine Gedichte sind ausschließlich in Schwäbisch, auch wenn sie im selbst gewählten pfälzischen Exil entstehen. „Das ist die einzige Sprache, die ich wirklich beherrsche“, begründete er. Den Fundus aus Arztzeiten nutzte er für vielerlei Geschichten. „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. In Deutschland sind es 2,8 Millionen im Jahr. Das sind mehr als in der Industrie“, erklärte Falk Henkel. Stürze seien sehr beliebt, etwa, wenn man den Stuhl auf den Tisch stellt, um an irgendwelche Dinge zu gelangen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der elektrische Strom, den man weder sieht, noch hört, noch riecht. „Er erleichtert einem das Leben ungemein, kann es aber auch verkürzen, etwa wenn der Lockenstab in die wassergefüllte Badwanne fällt“, so der Arzt. Doch auch schon eine Bügeleisenschnur kann ihre Tücken haben, sobald ein Haushaltsmitglied darüberstolpert.

Eine ähnlich üble Spezies sind die Kalorien. Auch sie sind einfach beim Essen mit dabei, ohne dass man sie schmeckt - und nicht nur das: Man kauft sie automatisch mit. „Saugfährlich“ sind gar die Kalorienbomben. Einzig, wo sie nicht zu finden sind, ist im Wasser. Schwäbischen Pragmatismus und Sparsamkeit lernte der Arzt ebenfalls kennen. So etwa bei der älteren Patientin, die von ihm wissen wollte, wie viel Holz und Kohle sie für den Winter kaufen sollte. Als er etwas verwirrt dreingeschaute, wurde sie konkreter und wollte wissen, wie lange sie noch leben würde. Die Kinder würden mit Öl heizen, und Holz und Kohle wären dann womöglich nutzlos übrig.

Anekdoten aus dem Urlaub

Urlaubserlebnisse des reisebegeisterten Ehepaars gab er auch zum Besten. An ihre Grenzen gestoßen ist seine Frau im indischen Rattentempel, der nur barfuß betreten werden darf - aber die Neugier war stärker. Die Begegnung mit einem Beuteltier in Australien ist auch im Gedächtnis haften geblieben. Das Flugzeug gab beim Start auf einem kleinen Flugplatz Vollgas, als ein Känguru auf Kollisionskurs war. Das Manöver des Piloten gelang: Tier und Menschen blieben unverletzt.

Ein großes Lob gab es von Falk Henkel für die einstigen Landsmänner, mit denen er sich als Pfälzer weiterhin verbunden fühlt. „Ich bin begeistert, dass Männer aus allen Ortsteilen hier in einer Stub‘ versammelt sind“, sagte er. In seiner Jugend war das undenkbar. Da saßen die Gutenberger in Gutenberg und die Unterlenninger in ihrem Flecken. „Das ist ein absoluter Fortschritt - des muas mr scho mol saga.“Iris Häfner

Alphorn em Lenninger Tal

Falk Henkel griff aus gegebenen Anlass zur Feder und brachte seine Gedanken zu Papier: Wenn s‘Alphorn tönt vom Hoha Greut, em Dal sich jeder Bergfex freut. Mr träumt von Wander-, Klettertoura, von steile Häng mit Tiefschneespura. Mr sieht da Schlern, da Rosagarta, d‘Alpspitz ond dia Watzmannscharta, da Wilda Kaiser ond net mender d‘Marmolada weit drhender. S‘Alphorn verklingt ond kurz darauf wacht mr aus der Traumwelt auf, sieht d‘Wielandstoi, do dämmert‘s oim, bei uns isch schee, i ben drhoim.

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