Lenninger Tal

Verkehrsminister ignoriert Gesundheitsschutz

Politik Beim Fachgespräch mit den Grünen-Politikern Andreas Schwarz und Andre Baumann mit Bürgermeistern ging es um die Lärmbelästigung auf den Albsteigen durch getunte Motorräder und Autos. Von Iris Häfner

Motorradlärm auf den Albsteigen ist ein Problem. Foto: Carsten Riedl
Zum Fachgespräch über Motorradlärm auf den Albsteigen trafen sich Michael Schlecht, Andre Baumann, Andreas Schwarz, Verena Grötzinger, Daniel Gluiber und Marcel Musolf (von links). Fotos: Carsten Riedl

Wenig Mut attestierte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht dem so oft gescholtenen Bundesverkehrsminister aus Bayern. Bei einer Demonstration von Motorradfahrern gegen Fahrverbote hatte Andreas Scheuer (CSU) vor wenigen Wochen lauthals verkündet, die Beschlüsse des Bundesrats nicht umzusetzen, und sich damit klar gegen die Länder positioniert. „Das ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die enorm unter Verkehrslärm zu leiden haben“, stellte Michael Schlecht beim Fachgespräch „Initiative Motorradlärm LEISER“ klar. Dazu eingeladen hatte Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Gründen im Landtag, anlässlich seiner Sommertour mit Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Staatsministerium und Bevollmächtigter des Landes beim Bund.

Michael Schlecht vertrat als Hausherr im Feuerwehrhaus Unterlenningen nicht allein die Interessen der lärmgeplagten Anrainer der Albsteigen. Mit dabei waren seine Amtskollegen Verena Grötzinger aus Owen, Marcel Musolf aus Bissingen, Daniel Gluiber aus Beuren und Martin Dieterich in Vertretung für Roman Weiß aus Erkenbrechtsweiler. „Wir sind nicht aus Zucker und gewohnt, mit Lärm umzugehen. Von Montag bis Samstag ertragen wir sechs Tage die Woche den Berufsverkehr samt Schwerlastverkehr und tragen damit unser Scherflein zu Stuttgart 21 bei. Aber an einem Tag in der Woche wollen wir auch mal in Ruhe auf der Terrasse den Sommer oder die Landschaft genießen und uns vom Lärm erholen“, will sich Michael Schlecht nicht als Jammerer verstanden wissen. Am Pranger stehen bei ihm und seinen Kollegen auch nicht die „95 oder 98 Prozent“ der Motorradfahrer, die sich vernünftig verhalten. Doch die wenigen, die laut knatternd die Albsteigen rauf- und runterbrettern, sind den Anwohnern ein Dorn im Auge. „Dazu zählen auch die früh- oder spätpubertierenden Sportwagenfahrer mit ihren getunten Motoren“, macht der Lenninger Schultes keinen Unterschied zwischen lärmenden Vier- und Zweiradfahrern. Die Trichterwirkung der Albsteigen verstärkt die Belästigung enorm. „Man hört jeden lauten Verkehrsteilnehmer, wenn er in die Steige reinfährt so lange, bis er sie wieder verlässt“, so Michael Schlecht.

Er spricht von einem strategisch politischen Fehler, dass bei der Entschließung des Bundesrats alle nur noch vom Fahrverbot sprechen. „Damit hat man den schlafenden Bär auf dem Motorrad geweckt. Ganz abgesehen davon, dass solche Verbote nichts bringen, weil sie den Verkehr nur auf andere Strecken verlagern“, sagte der Schultes. Alle anderen Entscheidungen des Bundesrats finden die ungeteilte Zustimmung der Bürgermeisterrunde. „Das sind genügend dicke Bretter, die gebohrt werden müssen. Dazu gehört an erster Stelle der Sound“, so Michael Schlecht. Dazu heißt es unter anderem in der Entschließung: die Strafen bei Manipulation am Auspuff, Luftfilter sowie bei sonstigen Eingriffen, die eine erhebliche Steigerung der Lärm- emissionen zur Folge haben, zu verschärfen.

„Seit Jahren ist das ein dringliches Thema, allerdings auch ein emotional hochgeschaukeltes“, ist sich Andre Baumann bewusst. Vor allem der Südwesten ist mit seinen attraktiven Routen auf der Alb und dem Schwarzwald betroffen - und damit eigentlich ruhige Regionen, was das Problem verschärft. Der Gesundheitsschutz hat bei ihm Priorität, da Lärm krank machen kann. Deshalb wurde auch die Sensibilisierungskampagne auf den Weg gebracht, um mit Schildern mehr Rücksichtnahme bei den Fahrern zu erreichen.

Wenn genügend Abstand zur ebenfalls emotional belasteten Novellierung der Straßenverkehrsordnung herrscht, will Andre Baumann im Herbst in Ruhe auf seinen bayerischen Kollegen in Berlin zugehen, und sachlich über Sinn und Unsinn sounddesignter Motoren diskutieren, die die große Mehrheit der Bevölkerung ablehnt. „Es geht um die Lebensqualität vieler Menschen. Umso ärgerlicher ist es, dass der Bundesrat-Vorschlag nahezu ausschließlich von der Diskussion über Fahrverbote überlagert ist“, so Andre Baumann.

Einer weiteren Forderung der Albrandkommunen will Andreas Schwarz auf Länderebene nachkommen: Mit dem Innenministerium will er das Gespräch suchen, damit Verstöße mit manipulierten Motoren vonseiten der Polizei konsequent geahndet werden - mit speziell geschulten Beamten.

Zum Fachgespräch über Motorradlärm auf den Albsteigen trafen sich Michael Schlecht, Andre Baumann, Andreas Schwarz, Verena Grötz
Zum Fachgespräch über Motorradlärm auf den Albsteigen trafen sich Michael Schlecht, Andre Baumann, Andreas Schwarz, Verena Grötzinger, Daniel Gluiber und Marcel Musolf (von links). Fotos: Carsten Riedl
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