Lenninger Tal

Zwei Wände statt drei luftiger Stelen

Friedhof Die Entscheidung für die Erweiterung der Urnengräber machte sich der Owener Gemeinderat nicht leicht. Mit denkbar knapper Mehrheit entschied sich das Gremium für eine Art Hofraum mit Baum. Von Iris Häfner

Zwei Urnenwände erweitern den Owener Friedhof.  Illustration: Freiraumplanung Sigmund
Zwei Urnenwände erweitern den Owener Friedhof. Illustration: Freiraumplanung Sigmund

Wenn es um das Thema Friedhof geht, bleiben Emotionen mitunter nicht aus. Er ist ein Ort der Trauer, an dem Hinterbliebene den Tod und den endgültigen Abschied zu begreifen suchen. Dies wurde bei der Diskussion im Owener Gemeinderats deutlich, als es um die Erweiterung der Urnengräber ging.

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„Es besteht dringender Bedarf an der Erweiterung. Vorgesehen sind Urnenstelen“, erklärte Bürgermeisterin Verena Grötzinger. Die bestehende Urnenwand ist fast vollständig belegt, kann aber nicht mehr verlängert werden. Bereits Ende vergangenen Jahres stellte das Büro „Freiraumplanung Sigmund“ ein Konzept mit einzelnen Stelen vor. Das war dem Gemeinderat jedoch zu wenig und so präsentierte Jörg Sigmund dem Gremium drei weitere Varianten. Zwei davon wurden sofort verworfen. Zwischen den drei Stelen und weiteren Wänden gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das schließlich mit einer Stimme Mehrheit zugunsten der zwei doppelseitigen Urnenwände ausging.

„Die Urnenwand wurde gut angenommen, deshalb drängt es jetzt, weitere Urnennischen bereitzuhalten“, sagte Jörg Sigmund. Die Idee im November war, nicht nochmals eine Wand aufzustellen, sondern der Urnenanlage mit drei einzelnen Stelen eine aufgelöste Form zu geben. „Das entwickelt einen Charme, der der Anlage guttut. Es ist eine lockere, schwungvolle Gestaltung als Auftakt hin zu den Rasenurnengräbern“, erklärte er. Von allen vier Seiten hätten die Stelen belegt werden können.

„Im Sinne der Wandidee entsteht eine Art Hofraum, mit dem obligatorischen Baum in der Mitte“, beschrieb der Planer den Entwurf. Diese raumbildende Maßnahme sei zwar schön, die Sicht auf die Urnengräber geht dabei jedoch verloren. „Es entsteht eine Art Rückseite, sodass sie die Rasengräber in den Schatten stellen“, gab er zu bedenken. Deshalb stellte er als weitere Variante eine geteilte Wand vor mit einem Durchlass Richtung Rasenurnengräber. Damit eben keine Rückseite entsteht, werden die Wände von beiden Seiten mit Urnen belegt. Zudem stehen sie in der Mitte des Wegs. Etwas unglücklich findet der Planer, dass sie auf den Giebel des Häuschens zulaufen.

„Ich finde die Stelen ansprechend. Sie lassen den Raum offen“, sagte Nico Hofmann. Gleicher Ansicht war auch Ulrich Raichle, war sich aber auch deutlich bewusst: „Hier geht es um die Geschmacksache.“ Ebenfalls für die Stelen ist Thomas Rabel. „Die gestalten den Kirchhof am offensten“, ist er der Ansicht. Für Thomas Kerßens haben alle vier Varianten ihren Reiz, auch er ist sich bewusst, dass die Entscheidung „eine subjektive Geschichte“ ist. Eine Bank wäre aus seiner Sicht wünschenswert. „Ich würde mit den Wänden in einem Karree von Mauern sitzen, wie eingekesselt in einem eingeschränkten Bereich. Mit den Stelen kann ich auf eine Wiese sehen - ohne Mauern um mich herum“, sagte er.

Ganz anderer Meinung war Sibylle Schmid-Raichle. „Ich bin froh, dass wir diese Runde nochmals gedreht haben. Für mich sind die Stelen zu luftig und offen, ich wollte da nicht drin sein“, sprach sie Klartext und machte keinen Hehl daraus, dass sie sich mit dieser Variante nicht anfreunden kann. Sibylle Schmid-Raichle stört keinesfalls, dass die Wände auf den Giebel zulaufen. Auf ihrer Seite hatte sie Jochen Eber- hardt. „Ein trauernder Mensch will nicht in einem luftigen Raum stehen“, ist er der Auffassung. Zudem sei die Angelegenheit langfristig zu betrachten. „Wir brauchen die Anzahl an Urnenplätzen. Mit den Wänden haben wir Kapazitäten frei“, sagte er.

„Das ist ganz schwierig“, sagte Verena Grötzinger, als sie zur Abstimmung aufrief. Mit acht zu sieben Stimmen entschied sich die denkbar knappe Mehrheit des Gemeinderats für Variante 2.2 - den Columbarium-Platz mit zwei doppelseitigen Urnenwänden. Die Kosten in Höhe von 170 000 Euro werden im Nachtragshaushalt bereitgestellt. Bei einer Doppelbelegung fallen pro Urne Kosten von 1 200 Euro an.