Weilheim und Umgebung

Basisdemokratie kann schon ein Fünftklässler lernen

Bildung Die Schüler der Werkrealschule Weilheim erfahren schon früh, dass eine Gemeinschaft und demokratische Spielregeln wichtig sind. Von Sabrina Kreuzer

Ein für die Schüler wichtiges Thema wird mit Leben gefüllt: Respekt.Fotos: Sabrina Kreuzer
Ein für die Schüler wichtiges Thema wird mit Leben gefüllt: Respekt.Fotos: Sabrina Kreuzer

In der Mensa der Weilheimer Werkrealschule im Bildungszentrum Wühle haben sich 180 Schüler versammelt. Sie sitzen in mehreren Stuhlreihen in einem Halbkreis. Aufgeregtes Getuschel ist zu hören. Doch als Schüler der Klassen sechs und sieben mit einem Trommelwirbel die Mensa betreten, werden alle still und starren gebannt auf ihre Mitschüler.

Zweimal im Jahr findet in der Werkrealschule eine Schülerversammlung statt, bei der sich alle Schüler treffen. Ziel dieser Versammlungen ist es, dass sich die Klassen gegenseitig vorstellen und zeigen, was bei ihnen gerade wichtig ist. „Die Versammlung wird komplett von der Schülerschaft organisiert“, erzählt Elke Amend-Gebühr. Sie ist die kommissarische Schulleitung und hat das Konzept nach Weilheim gebracht: „Ich habe mehrere Jahre in England gelehrt, da stehen Versammlungen an der Tagesordnung.“ Die Basisdemokratie ist ihr wichtig, denn die Schüler sollen schon ab der fünften Klasse lernen, dass sie sich in die Gesellschaft einbringen müssen. „Gelebte Partizipation wirkt sich positiv auf die Motivation aus und trägt wesentlich zu einem guten Schul- und Lernklima bei“, sagt sie.

Dieses Mal steht die Versammlung unter dem Motto „Wir gemeinsam“, denn an der Werkrealschule wird genau das gelehrt: „Gemeinsam sind wir stark.“ Für die Schüler ist es ganz normal, dass Klassen übergreifende Schulausflüge stattfinden. So zum Beispiel der „München-Tag“ im vergangenen Schuljahr. Die Klasse fünf zeigt eine kleine Präsentation und erzählt, was sie an diesem Tag erlebt hat: Ein Besuch in den Bavaria-Filmstudios war genauso spannend, wie ein Bummel durch die Stadt oder das Baden im Starnberger See. Sportlich ging es beim Radausflug zu, den die Klasse acht vorstellt. Sie zeigen ihren Mitschülern die Strecke, die sie gefahren ist, dass sie in einer Jugendherberge übernachtet hat und sogar die Lehrer platt waren. Sie stellen das reale Leben vor, das täglich in der Werkrealschule stattfindet. Dazu gehören nicht nur Ausflüge: Die zehnte Klasse wünscht sich einen Heißgetränke-Automaten und hat diesen Wunsch auch an die Schulleitung weitergetragen. Um zu sehen, wie groß die Nachfrage auch bei anderen Klassen ist, haben sie eine Umfrage gestartet. Von 149 teilnehmenden Schülern stimmten nur zwei Schüler dagegen. Der Bedarf ist also vorhanden.

Elke Amend-Gebühr beruhigt die Elternvertreter, die dieses Mal auch bei der Versammlung sind: „Nichts wird ohne das Elterngremium geschehen.“ Schließlich müsse man sich überlegen, wie die jüngeren Schüler davon abgehalten werden können, koffeinhaltige Getränke zu trinken. Ihr sei es jedoch sehr wichtig, den Schülern zu zeigen, dass ihr Wunsch ernst genommen werde.

Zum Motto „Wir gemeinsam“ gehört für die Schüler auch ein Thema, bei dem selbst Erwachsene dazulernen können: Respekt. Die Schüler der Klassen acht und neun haben sich dazu etwas überlegt: Ein Video und eine Assoziationskette sollen zeigen, wie wichtig gegenseitiger Respekt in einer Gemeinschaft ist. Sie wünschen sich im gemeinsamen Alltag Rücksicht, Empathie, Sicherheit, Partnerschaft, Einsatz, Kommunikation und Teamgeist. Ihre klare Botschaft ist: „Wir alle sind gut so, wie wir sind.“

Um das zu erreichen und bereits die Kleinen darauf vorzubereiten, gibt es zwischen den Klassen fünf und zehn Partnerschaften. Der Zehntklässler Ramin erklärt: „Wir haben uns bei einem gemeinsamen Frühstück kennengelernt und unsere Patenkinder ausgesucht.“ Seitdem unternehmen die ungleichen Paare etwas miteinander: Sei es der gemeinsame Sporttag oder kurze Besuche in den Klassenzimmern während der Pausen. Das Ziel ist es, dass die Neuankömmlinge sich wohlfühlen und einen Ansprechpartner haben. Ramin freut sich: „Wir sind wie eine große Familie.“

Schülersprecher Renusha Urudran und Atakan Aydin sowie der Schüler Ramin Nazari (von links).
Schülersprecher Renusha Urudran und Atakan Aydin sowie der Schüler Ramin Nazari (von links).
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